Burg Reichenstein am Rhein: Restaurant soll wieder öffnen / gemeinfrei

Hotel Burg Reichenstein soll im Frühjahr öffnen


Burg Reichenstein / Foto: Wikipedia / Sir Gawain / CC-BY-SA 3.0
Burg Reichenstein / Foto: Wikipedia / Sir Gawain / CC-BY-SA 3.0

Es tut sich was auf Burg Reichstein. Eine Immobiliengesellschaft um den Dortmunder Verleger Lambert Lensing-Wolff („Ruhr Nachrichten“) hat die einstige Raubritterburg am Mittelrhein im Sommer 2014 gekauft und mit der Renovierung begonnen.

Im Frühjahr 2016 soll das alte Hotel nun als 21-Zimmer-Herberge in neuem Glanz wiedereröffnen. Das wird auf der Burg-Homepage mitgeteilt.

Einzelzimmer sollen 80 bis 85 Eurp kosten, Doppelzimmer ab 110/115 Euro zu haben sein.


Das Burg-Restaurant Puricelli hatte bereite zu Ostern 2015 mit neuer Küche wieder dauerhaft eröffnet. Es bietet Platz für bis zu 250 Gäste – die Initiatoren hoffen, das in den warmen Monaten Busladungen von hungrigen Touristen hier einfallen.

Diese könnten sich dann auch das gerade aufgemöbelte Burgmuseum im einstigen Wohnhaus der von Kirsch-Puricellis ansehen. Es verfügt jetzt auch über mehrsprachige Audio-Guides.

Zum Investitionsvolumen sagt Lambert Lensing-Wolff gegenüber den Medien nichts, es dürfte sich aber um einen Millionenbetrag handeln. Die Allgemeine Zeitung zitiert den Verleger mit den Worten „Ich will das Ding zum Fliegen kriegen“. So entstehen übrigens auch zehn Arbeitsplätze.


Burg Reichenstein: Blick von Westen / Foto: Wikipedia / Peter Weller / CC-BY-SA 3.0
Burg Reichenstein: Blick von Westen / Foto: Wikipedia / Peter Weller / CC-BY-SA 3.0

Die Verlegerfamilie ist eng mit der Geschichte der tausend Jahre alten Burg bei Trechtingshausen verbunden, von der man einen direkten Blick auf den Fluss hat. Stahlbaron Nikolaus von Kirsch-Puricelli, der die Burg zur Kaiserzeit wieder aufbaute, ist ein Vorfahr von Lensing-Wolff.

Noch seine Großmutter wuchs auf der Burg auf. Vor 27 Jahren hatte die Familie sich von der Denkmalimmobilie getrennt.

1213 taucht die Burg auf einer steilen Felsklippe erstmals in der Geschichte auf: Als Feste der Abtei Kornelimünster zum Schutz von deren ausgedehnten Besitzungen.

Dummerweise handelten die Burgvögte solcher festen Häuser gerne mal auf eigene Rechnung und terrorisierten als selbstständige Ritter die Umgebung.

Die Mönche von Kornelimünster mussten wegen eines solchen Falles 1214 den Erzbischof von Mainz bitten, den auf der Burg sitzenden Raufbold Gerhard von Rheinbod, herauszuwerfen. Der Bischof kam dem Wunsch nach.

1241 saß aber schon der nächste Raubritter hinter den Mauern hoch über dem Rhein: Philipp von Bolanden-Hohenfels. Es waren unruhige Zeiten: „Philipp lag als alter Stauferfreund mit nahezu allen Herren der Gegend in Streit und Fehde, die längst den staufischen Königen den Rücken gekehrt hatten“, heißt es bei Regionalgeschichte.net.

Mehr als 30 Jahre lang konnte sich der Haudegen mit seinem Krieger-Trupp behaupten. Rechtlich war er Lehnsmann der Abtei – aber was die Mönche sagten, interessierte ihn genausowenig wie seinen Vorgänger.

Auch ein Verkauf der Burg an Mainz und gelegentliche Angriffe der verärgerten Nachbarn änderten gar nichts. Hohenfels schwor den Mainzern den Lehnseid und machte weiter. Nach seinem Tod 1277 löste erst ein Eingreifen des Kaisers das Problem.

1282 ließ Rudolf von Habsburg die Raubritter-Festungen Reichenstein und Burg Sooneck wegen Landfriedensbruch „von Reichs wegen“ zerstören. Der Reichensteiner Burgherr Dietrich von Hohenfels-Reichenstein wurde gefangen und enthauptet.

Im alten Burgmuseum standen allerlei Rüstungen / Foto: Wikipedia / Sir Gawain / CC-BY-SA 3.0
Im alten Burgmuseum standen allerlei Rüstungen / Foto: Wikipedia / Sir Gawain / CC-BY-SA 3.0

Nach 1344 bauten die Mainzer die Burg mit noch besseren Verteidigungsanlagen wieder auf. Im 16. Jahrhundert waren sie militärisch nutzlos geworden, und ihr Verfall begann. 1689 sprengten französische Truppen trotzdem Gebäude und Mauern. Sicher ist sicher. Die Burg blieb Ruine.

Erst mit dem Kauf der Burg 1899 durch den Stahlbaron Dr. Nicolaus Kirsch-Puricelli änderte sich das. Der Industrielle hatte neun Jahre ältere Olga Puricelli geheiratet. Die war zufällig Alleinerbin der Rheinböllen-Stahlhütte – eines wichtigen Geschäftspartners des künftigen Ehemanns.

Für sich, seine Gattin und 40 Hausangestellte ließ Kirsch-Puricelli die Ruine in den folgenden drei Jahren durch den Regensburger Architekten Strebel aufwendig zum neugotischen Schlösschen ausbauen.

Es sollte der letzte Wiederaufbau einer einstigen Burg am Mittelrhein sein. Der Industrielle wohnte dort bis 1936. Sein Sohn Baron Paul Kirsch-Puricelli führte das Anwesen als Museum weiter.

1986 kaufte eine Hotelgesellschaft die Burg, die aber wirtschaftlich nicht Fuß fassen konnte. Mit Pächtern gab es zuletzt noch juristischen Ärger.

Und jetzt der Neustart mit der Immobiliengesellschaft unter der Regie des Verlags-Geschäftführers. Die Eigentümer wollen als nächstes auch noch Übernachtungsmöglichkeiten in einer benachbarten Mühle schaffen.

Weiterlesen:
Christine Tscherner schrieb im April 2015 in der Allgemeinen Zeitung: „Frischer Wind in der Burg Reichenstein in Trechtingshausen
Die mittelalterliche Geschichte der Burg wird in einem mehrseitigen Artikel auf Regionalgeschichte.net umfassend dargestellt: „Trechtingshausen: Burg Reichenstein

Ein Gedanke zu „Hotel Burg Reichenstein soll im Frühjahr öffnen“

  1. Liebes Burgerbe.de,
    Ladungen von Touristengruppen? Ich finde es spitze, dass der Mittelrhein eine weitere Perle zu bieten hat für interessierte Besucher. Audioguides gibt es auf der Burg nicht.
    Nehmen Sie sich doch einfach mal Zeit, kommen uns besuchen und erfahren Wissenswertes rund um die Anlage. Ich freue mich auf Ihren Besuch.

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