Einfahrt von Schloss Waldenburg / Foto: Wikipedia / Kolossos / CC-BY-SA 3.0

„Der junge Karl Marx“: Drehort Schloss Waldenburg

Sieht im Kino aus wie Karl Marx: August Diehl / Foto: Wikipedia / Avda / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben (Schloss Waldenburg): Wikipedia / Kolossos / CC-BY-SA 3.0
Sieht im Kino aus wie Karl Marx: August Diehl / Foto: Wikipedia / Avda / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben (Schloss Waldenburg): Wikipedia / Kolossos / CC-BY-SA 3.0

Karl Marx ist zurück in Sachsen. Zumindest der junge und auch nur im Film: Auf Schloss Waldenburg drehte ein deutsch-französisches Team im Oktober Szenen für „Der junge Karl Marx“, der im zweiten Halbjahr 2016 in die Kinos kommt.

In der Hauptrolle: August Diehl (bei „Inglorious Bastards“ mimte er den SS-Sturmbannführer Dieter Hellstrom. Regie führt der Haitianer Raoul Peck.

Das Schloss im Städtchen Waldenburg an der Zwickauer Mulde stellt dabei das Pariser Hotel Proudhon dar, wo der angehende Revolutionstheoretiker logierte.

In Paris lernte Marx den Industriellen-Spross Friedrich Engels (gespielt vom Dortmunder Tatort-Kommissar Stefan Konarske) kennen.

Der zehn Millionen Euro teure Streifen erzählt die Geschichte von Marx und Engels als jugendlichem Traumpaar künftiger Revolutionen. Los geht die Reise im Jahr 1844, als der 26-jährige Marx und Ehefrau Jenny gerade im Pariser Exil sitzen.

Der Film beginnt damit, dass sich die beiden kettenrauchenden Zylinderträger Marx und Engels in der französischen Hauptstadt über den Weg laufen.

Durchaus malerisch: Schloss Waldenburg wurde während der Dreharbeiten abgeriegelt / Foto: Wikipeida/Je-str/CC-BY-SA-3.0
Durchaus malerisch: Schloss Waldenburg wurde während der Dreharbeiten mal wieder abgeriegelt / Foto: Wikipeida/Je-str/CC-BY-SA-3.0

Man war sich schnell einig, dass das mit der Verelendung der Arbeiter so nicht weitergehen könne (Engels brachte gerade frische Eindrücke aus Manchester mit). Und so verabredete man die weitere Zusammenarbeit: Mit wenig absehbaren Folgen…

Das Paris Mitte des 19. Jahrhunderts hatte noch keine glänzenden Hochhäuser und liegt für das Filmteam daher in Görlitz.

Damit die Straßenszenen in der sächsischen Provinz auch personell nach Paris vor 160 Jahren aussehen, hatte die Filmproduktionsfirma rund 400 Statisten gecastet (Bedingung: keine sichtbaren Tattoos, keine Piecings, keine Smartphones am Set). In den Schloss-Waldenburg-Szenen durften 15 Komparsen dabeisein.

Der Film endet nicht etwa mit der feierlichen Umbenennung von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt, sondern bereits mit der Herausgabe des Kommunisischen Manifests durch Marx.

Schloss Waldenburg / Foto: Wikipedia/Wikswad/CC-by-sa 3.0/de
Schloss Waldenburg / Foto: Wikipedia/Wikswad/CC-by-sa 3.0.de

Schloss Waldenburg als Drehort war keine Zufallswahl. Hier entstanden bereits Szenen für den mit vier Oscars grandios erfolgreichen Hollywoodstreifen „The Grand Budapest Hotel“. Das Schloss wurde im Film als „Schloss Lutz“ gezeigt.

Für die Innenaufnahmen konnte ein Großteil der ohnehin im Schloss vorhandenen Möbel genutzt werden. Der Rest wurde mit mehreren Lkw herangeschafft und in Rekordzeit aufgebaut.

Schloss Waldenburgs Vorgängerbau ist eine mittelalterliche Burg. Nach deren Zerstörung durch die Hussiten 1430 baute die Familie von Schönburg das Gebäude als Schloss wieder auf. Das wurde nach einem Schlossbrand von 1519 erneut nötig.

Im Zuge der bürgerlichen Revolution von 1848, an der sich Marx & Engels bekanntlich nach Kräften beteiligten, wurde das Schönburg’sche Schloss Waldenburg von wütenden Sachsen niedergebrannt.

Die Fürsten von Schönburg-Waldenburg brauchten einige Jahre, um sich von diesem Schock zu erholen. Otto Victor I. baute die Anlage ab 1859 mit neuromanischen und tudorgotischen Elementen wieder auf.

Sohn Otto Victor II. baute sie vor dem Ersten Weltkrieg erneut um. Viel Zeit, sich daran zu erfreuen, hatte er nicht: Er fiel bereits am 14. Kriegstag bei einem Erkundungsritt nahe Reims.

Die sowjetische Besatzungsmacht machte dann Schluss mit dem alten Adel: Ab 1947 wurde das Schloss zum Fachkrankenhaus für Lungenkrankheiten, das bis 1998 bestand. Seit 2005 wird das Gebäude saniert und für Veranstaltungen genutzt.

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Bis der Film in die Kinos kommt, kann man sich ja schon mal diese Folge der ZDF-Serie „Die Deutschen“ ansehen: „Karl Marx und der Klassenkampf“:

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