Abendstimmung auf Schloss Allstedt

Schloss Allstedt: Stadt will Vorburg verkaufen

Der Bergfried von Burg Allstedt - dahinter steht die Vorburg /Fotos: Burgerbe.de
Der Bergfried von Burg Allstedt – dahinter steht die Vorburg / Foto oben: Die Vorburg mit den beiden Kavaliershäusern / Fotos: Burgerbe.de

Die Stadt Allstedt möchte die sanierungsbedürftige Vorburg des historischen Schlosses Allstedt möglichst schnell loswerden. Investoren können sich an einem vereinfachten Bieterverfahren beteiligen.

Sie sollten neben Geld auch ein „tragfähiges Konzept“ mitbringen. Das meldet die Mitteldeutsche Zeitung.

Die Politik begründete die Entscheidung auch damit, dass die Stadtverwaltung es seit Jahren nicht schaffe, die Vorburg gewinnbringend zu vermarkten. Es gibt allerdings auch unter den Ratsherren starke Zweifel, ob sich ein Investor findet, der die Gebäude kaufen, aufwendig sanieren und auch noch vernünftig nutzen kann.


Die Stadt ist nach der Aufgabe eines Pächters 2009 für die Vorburg zuständig. Er wollte dort eine Jugendherberge einrichten, was jedoch scheiterte.

Ein neuer Vorburg-Besitzer müsste einiges investieren...
Ein neuer Vorburg-Besitzer müsste einiges investieren…

Die Kernburg mit ihrem Museum ist von dem geplantem Verkauf nicht betroffen. Eine Summe wurde nicht genannt. In der Politik kursierte auch der Vorschlag, die Vorburg für einen symbolischen Euro an den Verein „Berliner Ritter“ zu verschenken. Der Verein hatte die beiden Kavaliershäuser liebevoll saniert (inklusive Einrichtung einer Hochzeits-Suite) und veranstaltet auf dem Gelände Mittelalterfeste.

Schloss Allstedt präsentiert sich immer noch wehrhaft
Schloss Allstedt präsentiert sich immer noch wehrhaft

Die Historienfreunde aus der Hauptstadt dürften aber kaum die Finanzkraft haben, das gesamte Ensemble für einen Millionenbetrag zu restaurieren.

Burg/Schloss Allstedt ist durch die Fürstenpredigt von Thomas Müntzer aus dem Jahr 1524 bekannt.

Das Burgschloss war zu diesem Zeitpunkt schon weit über 600 Jahre alt. Die heute noch sichtbaren Gebäude des Ostflügels hatte Kurfürst Friedrich der Weise gerade erst wenige Jahre vor der Anstellung von Müntzer als Pfarrer an der Allstedter Hauptkirche errichten lassen.

Das vordere Schloss war eigentlich als prunkvoller Barockbau von Ernst-August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach gedacht, sein Tod 1748 sorgte aber dafür, dass die Pläne wesentlich schlichter ausgeführt wurden.

Blick von Schloss Allstedt übers weite Land
Blick von Schloss Allstedt übers weite Land

Gleich mehrfach kam Johann Wolfgang von Goethe zwischen 1776 und 1782 hier herauf. Er war im Fürstentum zuständig für Forstverwaltung, Wegebau und Kriegswesen. Auf dem Schloss hatte er Ruhe, wenn er nicht gerade das Gestüt besichtigte oder Bauernburschen für den Kriegsdienst musterte.

Der Dichterfürst fand auf Allstedt die Zeit, drei Akte der „Iphigenie auf Tauris“ zu verfassen und zu zeichnen.

Die Großherzöge von Sachsen-Weimar nutzten die Burg noch bis zum Ersten Weltkrieg gelegentlich als Jagdschloss.

Nach der Revolution von 1918 stritten sich das Gebiet Weimar und der nach Schlesien geflüchtete letzte Großherzog Wilhelm Ernst um die Frage, welche Güter nun dem Fürsten und welche dem Staat gehörten.

In der Vorburg kann man auch übernachten...
In der Vorburg kann man auch übernachten…

Im Zuge der Fürstenabfindung durfte die vertriebene Hoheit die gesamte Inneneinrichtung von Schloss Allstedt auf sein schlesisches Schloss Heinrichaus abtransportieren lassen.

Die DDR, die in Thomas Müntzer einen emsigen Klassenkämpfer sah, richtete 1975 eine Gedenkstätte für den kompromisslosen Reformator ein und öffnete das Schloss für die Öffentlichkeit. Heute gibt es auf dem Schloss ein Museum und allerlei interessante Rundgänge.

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Beate Thomashausen schreibt in der Mitteldeutschen Zeitung: „Vorburg von Schloss Allstedt steht zum Verkauf

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