Mit Ecktürmen wie ein Loire-Schloss: Schloss Burgkemnitz / Foto: Wikipedia / Tnemtsoni / CC-BY-SA 3.0

Leipzigerin kauft Schloss Burgkemnitz

Schloss Burgkemnitz nach der Umgestaltung / Foto: Wikipedia / Sammlung Duncker
Schloss Burgkemnitz nach der Umgestaltung / Foto: Sammlung Duncker / Foto oben: Foto: Wikipedia / Tnemtsoni / CC-BY-SA 3.0

Der Kreistag Anhalt-Bitterfeld hat in nichtöffentlicher Sitzung den Verkauf von Schloss Burgkemnitz für eine unbekannte Summe beschlossen. Das meldet die Mitteldeutsche Zeitung.

Käuferin ist eine Frau aus Leipzig. Investoren aus den USA und China sollen deutlich mehr geboten haben. Die Entscheidung des Kreistags für das offenbar niedrigste, dafür aber aus Deutschland stammende Gebot sei mit großer Mehrheit gefallen. Pläne für eine neue Nutzung wurden noch nicht bekannt.


Vor einem Jahr wollte der Landkreis noch 299.000 Euro für die sanierungsbedürftige Denkmalimmobilie haben, deren bauliche Vorbilder an der Loire stehen – die Politik schaltete eine Maklerfirma ein.

Zum Schloss gehört ein 24.500 Quadratmeter-Grundstück und eine teilweise erhaltene historische Einrichtung.

Der heutige Bau, eine barocke Dreiflügelanlage, entstand ab 1696 durch den wohlhabenden Juristen und mehrfachen Rittergutsbesitzer Bodo von Bodenhausen.

Sein Nachkomme Hans Bodo von Bodenhausen, später Landrat in Bitterfeld und Reichstagsabgeordneter, ließ das Herrenhaus ab 1870 großzügig umgestalten. Er bestand auf dem Bau von vier runden Ecktürmen, die das Ganze einem französischen Schloss ähnlich sehen lassen.

Letzter Besitzer vor dem Einmarsch der Roten Armee war Landrat Hans Kraft von Bodenhausen. Der 74-jährige Adelige floh nicht in die Bundesrepublik wie der überwiegende Teil seiner Standesgenossen.

Er blieb, sehr zum Ärger von Partei und Stasi, nach der Enteignung einfach bei seinem Förster wohnen. Die Behörden wiesen ihn daraufhin aus Burgkemnitz aus. Er starb 1952 in Zeitz.

Die DDR richtete im Schloss eine von bewaffneten Posten geschützte Parteischule ein, wo man nun die Lehre vom unabwendbaren, zügigen Untergang des Kapitalismus paukte.

Nachdem sich die Geschichte anders entschieden hatte, ging der Besitz für eine kapitalistische D-Mark an den Landkreis Anhalt-Bitterfeld über.

Dieser verpachtete das Schloss (mit 1600 Quadratmetern Wohnfläche) für 99 Jahre an die Caritas, die hier ein Wohn- und Pflegeheim für geistig Behinderte einrichtete. Das zog aber 2002 in einen Neubau um. Seitdem stand das Schloss leer, und Landkreis und Caritas dachten über eine neue Nutzung nach.

Hier geht es zur Meldung der Mitteldeutschen Zeitung: „Kreistag verkauft Schloss Burgkemnitz
Zur vorherigen Entwicklung siehe den Artikel der Zeitung aus Juli 2015: „Schloss-Verkauf vertagt

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