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Schloss Nörvenich und die Sache mit Arno Breker

Schloss Nörvenich / Fotos: Burgerbe.de
Schloss Nörvenich / Fotos: Burgerbe.de

Schloss Nörvenich: Wo heute der wegen seiner Rolle in der NS-Zeit umstrittene Arno Breker als unpolitischer Künstler von europäischem Rang gewürdigt wird, stand im Mittelalter eine einfache Burg. Auf 11 x 25 Metern Grundfläche residierte keiner von Brekers arisch-wildgermanischen Muskelprotzen, sondern der ganz profane Amtmann von Nörvenich, ein Angestellter des Grafen von Jülich.

Um das Jahr 1400 reichte der Verteidigungsbau seinen Bewohnern offenbar nicht mehr aus: Er wurde abgerissen und deutlich größer neu errichtet. Ein zweistöckiges Herrenhaus, geschützt von Wassergräben, wurde nun Zentrum der Anlage.


Nachfolgende Gernerationen erweiterten die Gebäude kontinuierlich. Um 1550 kam ein Westflügel hinzu. Am Ende des Jahrhunderts erheiratet Johann Otto von Gymnich die Burg.

Schloss Nörvenich mit den charakteristischen Türmchen
Schloss Nörvenich mit den charakteristischen Türmchen

Rund 300 Jahre lang hat seine Familie hier, auf der nach ihr benannten Burg Gymnich, nun das Sagen. 1678 müssen sie mitansehen, wie französische Truppen Ort und Schloss plündern.

Nach 1740 tobte sich hier Karl Otto Ludwig Theodat von und zu Gymnich (1715-1785) baulich aus. Als erster Staatsminister am Hof des Kölner Erzbischofs Clemens August verfügte er über das nötige Kleingeld. Der Vater von acht Kindern brauchte außerdem Platz für seinen Nachwuchs.

Er ließ den Südflügel und diverse Türmchen (mit zeitgemäßen Haubendächern) anbauen und die nicht mehr nötigen Wassergräben zuschütten. Im 19. Jahrhundert kümmerten sich die Grafen Wolff-Metternich zu Gymnich um das Schloss.

Der einstige Wassergraben ist noch gut zu erkennen.
Der einstige Wassergraben ist noch gut zu erkennen.

1904 kaufte der Dürener Fabrikant Leopold Peill das Schloss. In der Spätphase des Zweiten Weltkriegs war es Lazarett. Viele Verletzte aus der blutigen Schlacht im Hürtgenwald 1944/45 wurden hier versorgt.

1950 stürzte der größte Teil des Dachs der landwirtschaftlich genutzten Vorburg ein, was umfangreiche Reparaturen nötig machte.

Arno Brekers Stern ging erst 1980 im Schloss auf: In jenem Jahr kaufte Brekers Kunsthändler, der langjährige AP-Redakteur Joe F. Bodenstein die Gymnicher Burg und taufte sie um in „Schloss Nörvenich“. Bodenstein eröffnete 1985 das „Museum Europäische Kunst“ – dazu gehört auch das „Museum Arno Breker„.

Vor Schloss Nörvenich steht Arno Brekers "Prometheus" / Foto: Wikipedia / Viborg~commonswiki / CC-BY-SA 3.0
Vor Schloss Nörvenich steht Arno Brekers „Prometheus mit dem Feuer“ von 1937 / Foto: Wikipedia / Viborg~commonswiki / CC-BY-SA 3.0

In das Rondell vor dem Schloss platzierte Bodenstein Arno Brekers ca. 1937 für Joseph Goebbels‘ Berliner Propanda-Ministerium geschaffene Bronze-Großplastik „Prometheus mit dem Feuer“.

Ein Stück weiter findet sich Brekers monumentales Wandrelief „Kameraden“ von 1940. Es sollte den nach dem Endsieg geplanten gigantomanischen Triumphbogen in Berlin zieren.

Breker, der sich während des Krieges für Künstler-Kollegen eingesetzt hatte, wurde übrigens als „Mitläufer“ entnazifiziert.

Neben den Breker-Arbeiten verfügt das Museum über Sammlungen zeitgenössischer Künstler und Grafiken u.a. von Chagall, Miró, Picasso, Dalí, Maillol und Cocteau.

Mich macht der völlig unkritische Umgang mit Brekers NS-Vergangenheit und der Versuch, den zutiefst kompromittierten Künstler als unpolitischen Menschen darzustellen, wütend und fassungslos.

Hier wird die Chance vertan, die ideologisch vergiftete Natur der Breker-Ungetüme aus der NS-Zeit herauszuarbeiten. Die „unpolitische“ Ausstellung sagt somit unfreiwillig viel über den Unwillen in der Kriegs- und Nachkriegs-Generation aus, sich mit den massenmörderischen Folgen der Indoktrination durch Presse, Schulsystem und systemkonforme Kunst zu beschäftigen.

Bilder zur Ausstellung „Das goldene Dreieck“ auf Schloss Nörvenich von 2012:

Weiterlesen:
Eine ausführlich-tiefschürfende Geschichte über Arno Breker, Schloss Nörvenich und das Verhältnis der Familie Breker zur braunen Vergangenheit hat Cornelius Tittel 2006 in der Welt am Sonntag geschrieben: „Eine Reise ins Breker-Land
Sibylle Peine schreibt für die dpa (via Frankfurter Neue Presse): „Hitlers Lieblingsbildhauer
Jenny Hoch schreibt bei Spiegel-Online: „Nazi-Günstling Arno Breker

Ein Gedanke zu „Schloss Nörvenich und die Sache mit Arno Breker“

  1. „Mich macht der völlig unkritische Umgang mit Brekers NS-Vergangenheit und der Versuch, den zutiefst kompromittierten Künstler als unpolitischen Menschen darzustellen, wütend und fassungslos.“

    Ei dann geh halt net hin..

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