Für Schloss Grades wird ein Käufer gesucht / Foto: gemeinfrei

Kunststudent (26) kauft Schloss Grades in Kärnten

Constantin Staus-Rausch hat sich Großes vorgenommen: Der 26-Jährige angehende Kunsthistoriker und Haus-Habsburg-Spezialist hat das stark sanierungsbeürftige Schloss Grades in Kärnten gekauft – und will es für die Öffentlichkeit öffnen.

„Alle Kulturbereiche, vom Museum über Konzerte, Ausstellungen und Theater werden hier Platz finden“, erzählte er der Kleinen Zeitung. Das Schloss im Metnitztal, ein ehemaliger Besitz des Bistums Gurk, stand zuletzt für 690.000 Euro zum Verkauf.


Staus-Rausch, der mit Schwerpunkt auf Kulturgüterschutz studiert, stammt aus einer weitverzweigten Adelsfamilie (der Adel wurde in Österreich 1919 abgeschafft, daher kein „von“). Er ist Geschäftsführer der katholischen Studentenverbindung Maximiliana aus Wien und bekennender Habsburg-Fan.

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Als Mitherausgeber wirkte er an einem Buch über „das schwierige Verhältnis der Republik Österreich zu ihrer Geschichte“ mit. Titel: Das Habsburger-Trauma (Link zu Amazon).

Nun plant der junge Mann, Schloss Grades zu vitalisieren. Ein mutiger Schritt angesichts der Größe der Aufgabe (Vielleicht helfen ja ein paar der Kommilitonen mit. Und wie steht’s in Österreich mit Fördergeldern?).

Bevor der Winter kommt, müssen Leitungen für Strom, Wasser und Heizung sowie Türen und Fenster auf Vordermann gebracht werden. Die Dächer seien zum Glück in Ordnung.

Als ersten größeren Bauabschnitt will er mit der Sanierung der beiden Burgkapellen beginnen.

Schloss Grades beherrscht das Metnitz-Tal / Foto: Wikipedia / Johann Jaritz / CC-BY-SA 3.0
Schloss Grades beherrscht das Metnitz-Tal / Foto: Wikipedia / Johann Jaritz / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: gemeinfrei

„Repräsentativer Sitz nicht für jedermann. Luxus“, so pries vor einem Jahr ein Makler Schloss Grades an. Naja. Was der nicht sagte, war, dass er hier einen Käufer für eine ehemalige Seidentapetenfabrik suchte.

Das burgartige Schloss ist ein mächtiger Vierflügelbau um einen Innenhof und nur über eine Brücke erreichbar. Auf einem steilen Felshügel wacht es über den zentralen Teil des Metnitztals.

Im 12. Jahrhundert hatte der damalige Bischof von Gurk (zuständig für Gesamt-Kärnten) hier eine Burg errichten lassen. An dieser Stelle ließ sich das enge Tal leicht sperren. Von der Burg aus wurde das Umland verwaltet. Ein Truchsess vertrat den Landesherrn und hielt Gericht.

1401 passte das einem der örtlichen Adeligen gar nicht mehr: Wenzel von Hofstetter ließ die Burg in Brand setzen. Sie wurde umgehend wieder aufgebaut.

Ab 1617 begann der Umbau der Burg zu einem wohnlicheren Schloss. Dann kam der Dreißigjährige Krieg dazwischen, und die Modernisierung zog sich 1661 hin.

Ein Youtube-Video zu „1000 Jahre Schloss Grades“:

Aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts stammen üppige Stuckdecken in sechs Schlosssälen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts versuchten die Gurker Bischöfe, mit dem Schloss Geld zu machen: Sie richteten eine Seidentapeten-Manufaktur, beziehungsweise eine Tuchfabrik, ein.

Das war nicht ungewöhnlich: viele Burgen wurden während der Industrialisierung zeitweise zu Fabriken.

Das Schloss hat circa 3000 Quadratmeter Nutzfläche, verteilt auf drei Geschossen. Das Schlossgrundstück ist etwa 32.000 Quadratmeter groß.

Im Gegensatz zu Deutschland wurden die üppigen Besitzungen der Fürstbistümer in Österreich nicht den jeweils benachbarten Landesherren zugeschlagen. Schloss Grades blieb so bis ins späte 20. Jahrhundert im Besitz des Bistums.

Zuletzt wurde es als Erholungsheim für Kinder genutzt und dann an einen Privatmann veräussert. Der war nun froh, die Denkmalimmobilie an Constantin Staus-Rausch abgeben zu können, der nun voller Elan ans Werk geht (ich wünsche viel Erfolg bei der Mammut-Aufgabe!)

Hier geht es zum Artikel von Gert Köstinger in der Kleinen Zeitung: „Das Schloss Grades öffnet sich jetzt ganz der Kultur

Detaillierte Infos zur Geschichte von Schloss Grades bietet Burgen-Austria.

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