Die Ruine von Burg Are / Foto: Burgerbe.de

Burg Are: Tödlicher Hubschrauberabsturz bei Sanierung

Blick von Burg Are ins Ahrtal / Fotos: Burgerbe.de
Blick von Burg Are ins Ahrtal / Fotos: Burgerbe.de

Die einstige Burg Are erhebt sich malerisch über dem Touristendörfchen Altenahr und überblickt das auenlandartige Ahrtal.

Die Ruine könnte vom örtlichen Tourismusverband nicht besser platziert sein: Sie liegt genau so hoch, dass man gerade noch bequem hinauf kommt, sich aber durch den Aufstieg Durst auf die örtlichen Winzerzeugnisse meldet. Und der Nachwuchs giert nach Eis. Beides offeriert das Straßendorf unten zur Genüge.


Von Burg Are kommt man nach ein paar Selfies auch schnell wieder herunter. Denn außer der phänomenalen Aussicht, den Mauerresten und obligatorischen Erklär-Täfelchen gibt es hier oben nichts zu sehen, was die Smartphone-Generation länger fesseln würde (immerhin ist der Empfang bestens).

Der steile Burgberg von Burg Are musste gesichert werden.
Der steile Burgberg von Burg Are musste gesichert werden.

Dass die Ruine heute sicher betreten werden kann, ist mit einem tödlichen Unfall verbunden: Im März 1997 begann eine 1,85 Millionen D-Mark teure Sanierung vor allem des steilen Burgbergs. Dort hatten sich immer wieder Steine gelöst und waren in Richtung der im Tal laufenden Bundesstraße gestürzt.

Nun wurden stabilisierende Anker tief in den Schieferfels getrieben. Auch die 22 Meter hohe Palaswand wurde soweit restauriert, dass ihr das raue Wetter der Eifel für die nächsten Jahrzehnte nichts mehr anhaben kann.

Um die nötigen Baumaterialien auf die Burg zu schaffen, kam ein Hubschrauber zum Einsatz.

Die Burgruine Are im Ahrtal
Die Burgruine Are im Ahrtal

Die von Henry Allewohl, einem erfahrenen Piloten, gesteuert Hughes 500 pendelte täglich dutzendfach zwischen Ort und Burg. Routinearbeit, bis zum 9. April 1997.

Nachdem der Helikopter bereits etwa 30 Mal auf den Burgberg geflogen war, verfing sich beim Hinflug ein Seil in den Kufen. Die Traglast verschob sich, und das Fluggerät kam in Schieflage. Es gelang dem 46-jährigen Piloten nicht mehr, den Hubschrauber abzufangen.

Er krachte gegen die Felswand und stürzte an der Einmündung eines stillgelegten Eisenbahntunnels ab (heute führt dort der neue Ahrtal-Radweg entlang).

Die Überreste von Burg Are
Die Überreste von Burg Are

Der Pilot starb wenig später an seinen schweren Verletzungen. Die Sanierung wurde ein halbes Jahr später beendet – die Burg ist seitdem wieder für die Öffentlichkeit offen.

Die Burg stammt ursprünglich vom Anfang des 12. Jahrhunderts. Seit 1246 war die Befestigung im Besitz des streitbaren Erzbistums Köln. Die Bischöfe nutzten sie zum Schutz ihrer Besitzungen an der Ahr.

Wäre ein Kölner Oberhirte auf die verrückte Idee gekommen, im Winter auf Burg Are vorbeizuschauen, hätte man ihn zumindest standesgemäß in der Bischofskammer im Turm einquartieren können. Diese war nämlich beheizbar.

Burg Are: Würdenträger logierten in der Bischofskammer im Turm,
Burg Are: Würdenträger logierten in der Bischofskammer im Turm,

Einen solchen Luxus genossen die Gegner des Bischofs nicht, die die Fürstbischöfe gerne auf der Burg einkerkern ließen. Den Dreißigjährigen Krieg überstand die (für damalige Verhältnisse ziemlich abgelegene) Burg ohne geplündert zu werden.

Das Risiko die Burgmannen bestand eher darin, von den chronisch klammen Kölnern an windige Investoren verpfändet zu werden, die dann auf der Burg das Kommando übernahmen.

Erst 1690 gelang es französischen Truppen – nach neunmonatiger Belagerung – Burg Are zu erobern. Als die Kölner 1706 auf die Burg zurückkamen, war ihre Truppe nur noch ein Räuberhaufen.

Der Erzbischof konnte nicht verhindern, dass die Burgbesatzung die Bevölkerung fortwährend drangsalierte. Daraufhin gab er selbst den Befehl, die Mauern zu sprengen. Seitdem ist die Burg eine verfallende Ruine.

In den Jahren vor der Sanierung gehörte die Burg einer Erbengemeinschaft. Diese schenkte sie 1999 der Gemeinde Altenahr.

Vom Burgberg aus kann man übrigens bis zur nächsten Burg im Ahrtal sehen, der Burg Kreuzberg, ein paar Kilometer entfernt.

Einen kurzen Bericht zu dem Unfall hat Jürgen Kempenich im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler verfasst: „Sanierung endete tödlich

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