Foto: Bunte Nordlichter / CC-BY-SA 2.0

Schloss Plön: Fielmann statt Kaiser-Söhne


Majestätisch: Schloss Plön  Foto: Wikipedia / Holger Ellgaard / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: Wikipedia / Bunte Nordlichter  CC-BY-SA 2.0
Majestätisch: Schloss Plön Foto: Wikipedia / Holger Ellgaard / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: Wikipedia / Bunte Nordlichter CC-BY-SA 2.0

1632, mitten im Dreißigjährigen Krieg, startete der Herzog des gerade durch Erbteilung neu entstandenen Mini-Landes Schleswig-Holstein-Plön ein ambitioniertes Bauprojekt.

Da sein Territorium keinen richtigen Herrschaftssitz hatte und er dringend seine Brüder in deren Handtuchgroßen Staaten beeindrucken wollte, zog Joachim Ernst von Schleswig-Holstein-Plön am Plöner See ein riesiges Schloss hoch.


Bezahlt aus der Mitgift seiner Frau ließ er die einzige Residenz errichten, die überhaupt während des mörderischen Dauer-Kriegs gebaut wurde.

Die an dieser Stelle bislang stehende alte Plöner Burg ließ er abreißen und die Steine fürs Renaissanceschloss wiederverwenden.

Der Rittersaal von Schloss Plön / Foto: Wikipedia / PodracerHH / CC-BY-SA 3.0
Der Rittersaal von Schloss Plön / Foto: Wikipedia / PodracerHH / CC-BY-SA 3.0

Als das Schloss dann stand, hatte die Herzogsfamilie nicht wirklich eine Verwendung dafür, da es noch allerlei andere, wesentlich bequemere Schlösser zu bewohnen gab. Der Herzog brachte hier zumindest seine Bücher und eine Sammlung optischer Geräte unter.

1840 wurde das Schloss zum Sommersitz des dänischen Königs. Optisches Zeichen war ein bis heute erhaltener eleganter weißer Verputz.

Doch das Auftauchen des Monarchen in den umstrittenen Fürstentümern war auch ein politisches Zeichen für die Zugehörigkeit zu Dänemark.

Letzteres änderte sich mit dem deutsch-dänischen Krieg 1864. Das Schloss fiel an Preußen – und wie die Preußen nun mal so sind, machten sie gleich eine Kadettenanstalt zum Drill junger Rekruten daraus.

Das Prinzenhaus auf dem Schlossgelände / Foto: Wikipedia / PodracerHH / CC-BY-SA 3.0
Das Prinzenhaus auf dem Schlossgelände / Foto: Wikipedia / PodracerHH / CC-BY-SA 3.0

Auch ein Gymnasium, benannt nach Kaiserin Auguste Viktoria, öffnete im Schloss. Prominenteste Bewohner des Schlossareals waren ab 1896 nach und nach die sechs Söhne Kaiser Wilhelms II.

Für seinen Nachwuchs ließ der Kaiser das Lustschlösschen im Schlossgarten um das Dreifache zum Prinzenhaus erweitern, der Marmorsaal wurde zum Schulzimmer.

Einige Kadetten wurden als Mitschüler ausgewählt, aber allzu naher Kontakt mit dem einfachen Volk war nicht erwünscht.

Um das Prinzenhaus wurde eine Sperrzone eingerichtet, damit das Kaiserpaar seine Söhne bequem besuchen konnte, wurde eignes der sogenannte Prinzenbahnhof gebaut. 1910 hatte schließlich der letzte Hohenzollern-Spross die Prinzenhaus-Erziehung durchlaufen.

Die Nazis übernahmen das Schloss wenige Wochen nach Hitlers Amtsantritt und richteten die erste „Nationalpolitische Erziehungsanstalt“ („Napola“) ein – eine NS-Eliteschule für den Führernachwuchs. Mit großem Pomp wurde sie nach SA-Führer Ernst Röhm benannt. Nach dessen Ermordung hieß sie nur noch „Napola Plön“. Der Unterricht lief hier bis zum 23. April 1945.

Blick vom Schlosshof / Foto: Wikipedia / PodracerHH / CC-BY-SA 3.0
Blick vom Schlosshof / Foto: Wikipedia / PodracerHH / CC-BY-SA 3.0

Einige Tage später kam Kurzzeit-Reichskanzler Karl Dönitz hier vorbei und nutzte die geschlossene Schule einen Tag als Verwaltungssitz seiner Regierung. Dann flüchtete er vor den anrückenden britischen Truppen nach Flensburg. Das Schloss überstand den Krieg unzerstört und wurde erstmal von den Briten requiriert.

1946 konnte dann das Gymnasium als Internat wieder eröffnen: Die Jungen wurden im Schloss untergebracht, die Mädchen im Prinzenhaus. Die eigentliche Schule, das Schlossgymnasium Plön, lag (und liegt) ausserhalb des Schlossgeländes an der Prinzenstraße. Das Internat ließ sich auf Dauer nicht mehr finanzieren, 2001 schloss es seine Türen.

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Die Schüler schrieben vorher allerdings noch fleißig TV-Geschichte, indem sie immer wieder als Komparsen in der Serie „Die Schule am See“ auftraten, für die Schloss Plön die Kulisse bildete.

Nun stand das Land Schleswig-Holstein vor einem Schloss mit Sanierungsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. Die großzügigen Barockkorridore waren mit eingehängten Decken und Zwischenwänden zu Schüler-Zimmern geworden, der ursprüngliche Grundriss kaum mehr erkennbar.

Als Schlossretter sprang die gemeinnützige Fielmann-Akademie ein. Sie kaufte das Schloss 2002 für 3,6 Millionen Euro und begann mit dem Umbau. Mit 11,8 Millionen Euro unterstützte das Land die Arbeiten, die 35 Millionen Euro gekostet haben sollen.

2006 wurde das Schloss wiedereröffnet: Es dient jetzt als Fielmann-Akademie, die jährlich von 6000 angehenden Augenoptikern besucht wird.

Doch die Klimaverhältnisse durch die Nähe des Großen Plöner Sees machen sich bemerkbar. In der vor wenigen Jahren sanierten Fassade zeigen sich bereits wieder 70 Risse. Schlossherr Günther Fielmann will jetzt 600.000 Euro in eine weitere Sanierung stecken.

Der Ostholsteiner Anzeiger berichtet: „Zahn der Zeit nagt an Schloss Plön

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