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Schloss Schillingsfürst: Vom Reichskanzler zur Falken-Show

Eine mächtige Brücke führt zum Schloss. Auf der Wiese darunter zeigen die Falken, was sie können / Fotos: Burgerbe.de
Eine mächtige Brücke führt zu Schloss Schillingsfürst. Auf der Wiese darunter zeigen die Falken, was sie können / Fotos: Burgerbe.de

Wenn die Mauern von Schloss Schillingsfürst Geschichten erzählen könnten, dann würden sie von drei Zerstörungen berichten: durch einen empörten König, plündernde Bauern und ebenso beutegierige kroatische Sölnder.

Und sie würden vielleicht von der Resignation eines fürstlichen Reichskanzlers raunen, der das Pech hatte, unter dem beratungsresistenten Militaristen Wilhelm II. zu dienen…

Wer die A7 Richtung Süden fährt (was angesichts der vielen lohnenden Ziele auf der Strecke schwierig ist), sieht kurz hinter Rothenburg ob der Tauber auf einer Anhöhe etwas, das von weiterm wie ein klobiger grauer Kasten wirkt: Schloss Schillingsfürst.


Die Außenfront von Schloss Schillingsfürst
Die Außenfront von Schloss Schillingsfürst

Es ist der vierte Bau an dieser Stelle, und seit 1313 war die Anlage im Besitz der Familie Hohenlohe(-Schillingsfürst). Das Schloss mit einigen prächtig ausgestatteten Räumen steht Besuchern heute bei Führungen offen.

Hauptattraktion auf dem Schlossgelände ist der Fürstliche Falkenhof mit seinen Flug-Vorführungen. In dieser Woche machte er Schlagzeilen durch die Flucht des hellen Sakerfalken „Fritzi“ (Link zum Bayerischen Rundfunk). Daneben gibt es noch ein kleines Jagdmuseum, das man sich auch außerhalb der Führungen ansehen kann.

700 Jahre zuvor ging es hier nicht so friedlich zu. Kraft II. von Hohenlohe war beim Streit um die Königs-/Kaiserkrone zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich „dem Schönen“ von Habsburg zunächst ein treuer Anhänger des Habsburgers.

Die Brücke zum Schloss und der Blick ins Land
Die Brücke zum Schloss und der Blick ins Land

Beinahe hätte Hohenlohe den Streit entschieden, als er den durch seine Ländereien zeiehenden Bayern überfiel. Aber Ludwig entkam und rächte sich 1316 mit einer wochenlangen Belagerung der damaligen Burg.

Die auf dem Felsplateau Frankenhöhe gelegene Bastion galt vor dem regulären Einsatz von Kanonen als unbezwingbar. Trotzdem gelang Ludwig am 25. April 1316 der Sturmangriff. Er ließ die Burg in Flammen aufgehen.

Später wechselte Kraft II. die Seiten und wurde einer der treuesten Anhänger Ludwigs. Heute nennt man das Realpolitik. Der König uns spätere Kaiser zeigte sich großzügig und vergrößerte das Territorium des Hohenlohe beträchtlich.

Das heutige Schloss Schillingsfürst ist der vierte Bau an dieser Stelle.
Das heutige Schloss Schillingsfürst ist der vierte Bau an dieser Stelle.

Die Burg stand etwas mehr als 200 Jahre, bis zum Bauernkrieg 1525. Die Regenten Graf Albrecht und Georg waren von den revoltierenden Bauern zur Anerkennung von deren „12 Artikeln“ gezwungen worden.

Natürlich dachten die Grafen nicht im Traum daran, für ihre Bauern die Leibeigenschaft abzuschaffen oder die Steuern und Abgaben zu mindern. Bevor der Schwäbische Bund den Aufstand blutig niederschlagen konnte, gelangten zwei Führer der Aufständischen mit einer List in die schwach besetzte Burg und öffneten die Tore.

Drei Tage lang verschickten die neuen Herren Einladungen an die umliegende Bauernschaft, die Burg zu plündern, was dann auch ausgiebig passierte. Einer der Aufrührer wurde später hingerichtet, der andere von den eigenen Leuten ermordet.

Das Wappen der Hohenlohe-Schilligsfürst dominiert den Schlosshof
Das restaurierte Wappen der Hohenlohe-Schilligsfürst dominiert den Schlosshof

Der Dreißigjährige Krieg lief für das Hohenlohe’sche Ländchen zunächst einigermaßen ereignisarm. Dank guter Beziehungen zu beiden Seiten konnte die Familie bis 1630 „neutral“ bleiben und den Durchzug marodierender Truppen vermeiden.

Dann setzten die Schweden unter Gustav-Adolf zu ihrem triumphalen Zug bis nach Bayern an. Die Hohenlohe mussten sich jetzt entscheiden und setzten auf die scheinbar unbesiegbaren Schweden.

Dummerweise war die Zahl der vom Krieg unberührten Landstriche inzwischen deutlich gesunken und das nur schwach verteidigte Hohenlohe für die Söldnerhaufen eine interessante Beute.

Heute sind sie die Stars auf Schloss Schillingsfürst...
Heute sind sie die Stars auf Schloss Schillingsfürst…

So war es für den kaiserliche General Arbogast von Andlaw, Chef einer kroatischen Söldnertruppe, ganz natürlich 1632 ein horrendes Lösegeld zu verlangen.

Andernfalls drohte er mit massiven Zerstörungen. Zur Bekräftigung seiner Forderungen ließ von Andlaw das Schloss besetzen. Graf Kraft zu Hohenlohe-Neuenstein setzte daraufhin alle Männer, die einen Spieß tragen konnten (ca. 800 Bauern) gegen das eigene Schloss in Marsch.

Die Kaiserlichen reagierten auf den Widerstand der zusammengewürfelten Bauernmiliz mit einer ausgiebiegen Plünderung des Schlosses.

Bis zu den Knien sollen sie im Wein gewatet sein, nachdem sie die gräflichen Weinfässer aufgeschlagen hatten. Sie steckten das Schloss in Brand, etwa die Hälfte der Bausubstanz wurde zerstört.

Schloss Schillingsfürst um 1656 / Bild: Merian / gemeinfrei
Schloss Schillingsfürst um 1656 / Bild: Merian / gemeinfrei

Nach dem Tod von Graf Kraft 1635 saß seine Witwe Dorothee Sophie mit 15 unmündigen Kindern in einer notdürftig wiederhergestellten Schlossruine. Das heutige Schloss entstand erst in den Jahre 1723 bis 1750 nach spanischem Vorbild.

1806 war es dann mit der reichsunmittelbaren Herrschaft vorbei. Das mit Napoleon verbündete Königreich Bayern schluckte diesen Teil von Hohenlohe (der überwiegende Rest ging an Württemberg).

Nun wurde es still im Landstädtchen. Erst unter Chlodwig (1819-1901) ging es wieder aufwärts. Der als konservativ-liberals geltende Fürst amtierte von 1866 bis 1870 als Bayerischer Ministerpräsident und von 1894 bis 1900 als Reichskanzler.

Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst als Reichskanzler 1896 / Portrait von Franz von Lenbach / gemeinfrei
Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst als Reichskanzler 1896 / Portrait von Franz von Lenbach / gemeinfrei

Sein Arbeitszimmer im Schloss ist unverändert erhalten. Hier ärgerte er sich häufig über den absolutistischen Herrschaftsstil von Wilhelm II. und versuchte eigene Akzente zu setzen, was kaum möglich war. Der Kaiser informierte ihn schon zur Mitte seiner Amtszeit über seinen Nachfolger.

Ein dunkles Kapitel ereignete sich im April 1945 im Schloss. Die Waffen-SS hatte den Bau als Hauptquartier requiriert. Im Blauen Salon wurden ein Bauern, der Bürgermeister und der NSDAP-Ortsgruppenleiter zum Tode verurteilt, weil der Landwirt Hitlerjungen Panzerfäuste weggenommen hatte.

Die beiden Amtsträger wollten den Bauern nicht hinrichten lassen – auch das war für die SS ein tpdeswürdiges Verbrechen. Alle drei wurden am 10. April 1945 gehenkt.

Kurz darauf erschienen US-Panzer. Eine ihrer Granaten traf dabei die Schlossfassade. Der Einschuss war bis zur Renovierung 1998 zu sehen.

Heute gehört das Schloss Constantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst, dem Ururenkel des Reichskanzlers.

Hier geht es zur Schloss-Homepage. Dort finden sich auch ausführliche Informationen zur 700-jährigen Schloss-Geschichte.

Regio TV Schwaben zu Gast auf Schloss Schillingsfürst:

Und hier ein Beitrag zum Falkenhof:

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