Burg Lisberg in Franken: Wer setzt Hans Fischers Lebenswerk fort?


Burg Lisberg im Steigerwald / Foto: gemeinfrei
Burg Lisberg im Steigerwald / Foto: gemeinfrei

„Wie ein Blitz hat’s mich getroffen, so schön war die Burg“, erzählt Hans Fischer von seinem ersten Besuch auf Burg Lisberg.

1968 zahlten der Grafiker aus Hessen (damals 40) 40.000 D-Mark an den Fürsten zu Castell und wurde so stolzer Burgbesitzer der reichlich heruntergekommenen Veste mit dem mächtig-runden romanischen Bergfried – einer der ältesten Burgen Frankens, zwölf Kilometer westlich vom schönen Bamberg.

Unten im Dorf schauten die Einheimischen misstrauisch, was der Zugereiste da vorhatte, merkten aber bald: „Der tut ja was!“.

Jahrzehntelang renovierten Fischer und seine Frau Eveline und putzten die Burg heraus. Aus dem Rittersaal (unter dem Vorbesitzer ein Getreidespeicher) wurde wieder ein repräsentativer Saal, der heute vom Ort Lisberg als Trauzimmer genutzt wird.


In der Burgküche ist historisches Geschirr zu sehen, das Fischer jahrelang gesammelt hat. Und die Dächer sind auch wieder dicht.

Die aus sieben Häusern bestehende Burg liebevoll zu erhalten, wurde sein Lebenswerk. Heute, mit 86, fragt sich Fischer, wer sich um die Burg kümmert, wenn er mal nicht mehr da ist.

Das BR-Fernsehen besuchte Hans Fischer auf der Burg / Bild: Screenshot Youtube
Das BR-Fernsehen besuchte Hans Fischer auf der Burg / Bild: Screenshot Youtube

Fischer würde gerne noch alles „in gute Bahnen lenken“, einen neuen Besitzer auswählen, dem der Erhalt des Wehrbaus genauso am Herzen liegt, wie ihm.

Der Bayerische Rundfunk hat Fischer bereits um 1970 auf der Burg besucht und einen Beitrag gedreht. Jetzt kam wieder ein Filmteam auf die Burg.

Entstanden ist ein elfminütiger gefühlvoller Beitrag (aus dem September 2014) von Monika Sarre-Mock mit Rückgriffen auf das alte Filmmaterial.

Fischer ist zu sehen, wie er als frisch gebackener Burgherr flott Latten durch den Burghof schleppt und wie er mehr als 40 Jahre später an gleicher Stelle über die Vergangenheit sinniert.

1970: Der BR filmt den neuen Burgherr beim Renovieren / Bild: Screenshot Youtube
1970: Der BR filmt den neuen Burgherr beim Renovieren / Bild: Screenshot Youtube

Es ist ein kurzer, berührender Film über die Endlichkeit des Lebens im Vergleich mit der jahrhundertealten Burg. Fischers Frau, Sohn und Enkel sind gestorben. Aber die Burg, und mit ihr die schönen Erinnerungen, ist noch da.

Glücklicherweise gibt es auf der Burg noch Werner Raucher, der Hans Fischer eherenamtlich hilft, zum Beispiel beim Vorereiten von Trauungen.

Auch die Lokalpolitik interessiert sich für die Burg und eine künftige Nutzung. Fischer favorisiert ein Museum. Auch klassische Konzerte im herrschaftlichen Saal des Frauenhauses wären möglich, wie sie vor 30 Jahren schon einmal stattfanden. Im Filmbeitrag ist gerade der junge Lisberger Bürgermeister zu Besuch.

Potentielle Interessenten gibt es, etwa die Familie, die 1976 den Vorhof der Burg gekauft hat und dort Weinverkostungen anbietet.

Und hier geht es zum Filmbeitrag des BR:

Burg Lisberg geht auf eine Befestigung aus der Zeit um das Jahr 820 zurück. Die ältesten heute noch stehenden Teile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Der romanische Bergfried wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Das Palas stammt von 1600.

Zu den Auswirkungen der Wirren der folgenden Jahrhunderte auf die Burg heißt es bei Wikipedia: „Im Bauernkrieg 1525 wurde nur die Vorburg beschädigt und in den Markgrafenkriegen und im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Burg durch kluge Politik der Lisberger keine Zerstörungen“.

Prägend für die Burg war der Umbau der Wohngebäude durch Otto Philipp von Münster um 1776 im Stil der Renaissance und (innen) inspiriert durch die letzten Jahre des Ancien Regime – was man heute wieder im Rittersaal sehen kann.

1855 ging die Burg an die Fürsten Castell zu Castell. Hans Fischer ist der erste nichtadelige Besitzer.

Bei so viel Geschichte sammeln sich auch reichlich archäologisch interessante Objekte an. Erst im Februar sortierten und inventarisierten Bamberger Studenten und interessierte Laien auf der Burg gemachte Funde. Sogar die dpa schickte jemanden vorbei und brachte einen ausführlichen Artikel: „Geduld statt Abenteuer: Uni-Workshop für Hobby-Archäologen

Eine Besichtigung der Burg ist möglich, wenn man vorher bei Hans Fischer anruft: Telefon 09549/207 (ja, die Vorwahl ist deutlich länger als die Durchwahl).

Update: 2015 hat Hans Fischer (zu diesem Zeitpunkt 87) einen Nachfolger gefunden, er heißt Johann Sebök aus Bamberg.

Weiterlesen:
Der Fränkische Tag berichtet von einem Besuch von Politikern und dem Generalkonservator auf der Burg: „Wachablösung für den Burgherrn„, auch bei der Bamberger FDP war die Zukunft von Burg Lisberg Thema: „Burg Lisberg im Dornröschenschlaf

Die Lage der Burg bei Google Maps:

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