Die Bunker sehen noch weitgehend so aus wie auf diesem Foto vom Juni 1944 / Foto: Flickr  / Normandie / CC BY-SA 2.0

Atlantikwallbunker Batterie York zu verkaufen


Deutscher Geschützbunker in Cherbourg / Foto: gemeinfrei
Deutscher Geschützbunker in Cherbourg / Foto: gemeinfrei / Foto oben: Bunker der York-Batterie im Juni 1944 / Flickr / Normandie / CC BY-SA 2.0

Eine der besterhaltenen Artillerie-Bunkeranlagen des Atlantikwalls steht zum Verkauf: Ein privater Besitzer bietet die ehemalige deutsche Batterie York in Querqueville/Amfreville bei Cherbourg für 300.000 Euro an – für große Weltkriegs-Bunker ist das vergleichsweise günstig.

Dafür erhält der Käufer vier weitgehend unzerstörte Geschützbunker samt einstigen Munitionslagern und ausgedehnte unterirdische Kasematten. Sie beherbergten im Krieg Soldatenunterkünfte und ein Krankenhaus. Auch an Toiletten war gedacht.


Alles wenige hundert Meter von der Kanalküste entfernt mit Blick auf den Hafen von Cherbourg.

Sofort einziehen könnte der Investor ins Torhaus, vorausgesetzt, er bringt Türen und Fenster mit. Betonfundamente für Fertighäuser sind ebenso vorhanden, einen Wasserbassin (als künftiger Pool?) und diverse andere Bauten kommen hinzu.

Mit Überraschungen ist zu rechnen: Einige Bunker wurden bei Kriegsende geschlossen und seitdem nicht mehr geöffnet…

Luftaufnahme des Hafens von Cherbourg 1944. Die Batterie York lag rechts knapp außerhalb des fotografierten Bereichs / Foto: gemeinfrei
Luftaufnahme des Hafens von Cherbourg 1944. Die Batterie York lag rechts knapp außerhalb des fotografierten Bereichs / Foto: gemeinfrei

An den Tagen nach D-Day, der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944, hatte die Batterie York speziell den Amerikaner das Leben schwer gemacht. Die Invasionsstrände lagen einige Dutzend Kilometer südwestlich von Cherbourg. Die Einnahme der Stadt mit ihrem Hafen war eines der ersten Ziele der Alliierten.

Zuvor musste allerdings die deutsche Küstenartillerie niedergekämpft werden. Die Batterie York nordöstlich von Cherbourg verfügte über vier 17-Zentimeter-Geschütze mit einer Reichweite von 27 Kilometern.

Das reichte nicht bis zu den Invasionsstränden, behinderte aber den alliierten Vormarsch auf Cherbourg. Und die Deutschen kämpften verbissen. Das Schlachtschiff USS Texas lieferte sich in den Tagen nach der Landung ein Feuergefecht mit der Batterie, ohne sie ausschalten zu können. Die Texas und ein Zerstörer erhielten im Gegenzug selbst Treffer der Küstenbatterie.

Die Bunker im Hafen und die Hafenanlagen von Cherbourg wurden im Juni 1944  weitgehend zerstört. / Foto: gemeinfrei
Die Bunker im Hafen und die Hafenanlagen von Cherbourg wurden im Juni 1944 weitgehend zerstört. / Foto: gemeinfrei

Zum Verhängnis wurden den Bunkerbesatzungen dann ihre Hintertüren. Sturmpioniere der 9. US-Infanteriedivision arbeiteten sich unter Dauerfeuer auf die Sehschlitze der Bunker an die Rückseiten der Betonmonster heran.

Die Angreifer sprengten mit Hohlladungen Löcher in die Stahltüren und warfen Phosphorgranaten ins Innere. Da nützte auch das schwerste Geschütz nichts. Die Baterie York fiel am 26. Juni.

Die Deutschen kapitulierten schließlich am 27. Juni 1944, nachdem sie noch die Hafenanlagen weitgehend verwüstet hatten, um ihre Nutzung durch die Alliierten vorerst zu vereiteln. 3200 GIs starben beim Angriff auf Cherbourg, rund 10.000 Deutsche gerieten in Gefangenschaft.

Interessenten an der Batterie York können sich auf Englisch oder Französisch unter der Mailadresse milec@hotmail.fr melden.

Mehr dazu:
Fotos vom heutigen Zustand der Anlage gibt es auf der Seite batteries.du.cotentin (französisch)
Warhistory Online schreibt zum geplanten Bunker-Verkauf (engl.): „German Gun Battery in Normandy has been put for sale
Auch bei der „Welt“ wurde man aufmerksam. Anne Lachmann berichtet: „Dieser Nazi-Bunker steht zum Verkauf für jedermann



2 Gedanken zu „Atlantikwallbunker Batterie York zu verkaufen“

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