Schloss Mutzschen als Biker-Hotel?


Schloss Mutzschen erreicht man über eine Brücke / Foto: Wikipedia / Stephan Komp / CC-BY-SA 3.0
Schloss Mutzschen erreicht man über eine Brücke / Foto: Wikipedia / Stephan Komp / CC-BY-SA 3.0

Schlossbesitzerin sein für 350.000 Euro: Für US-Unternehmerin Deborah Hey scheint das angesichts des schwächelnden Euros geradezu ein Schnäppchen zu sein. Die 51-Jährige plant, aus Schloss Mutzschen bei Leipzig das erste Biker-Hotel der Region zu machen und in drei Jahren zu eröffnen.

Für Motorradfahrer ist Mittelsachsen ein Traum: Schön flach, gut per Autobahn erreichbar und mit jeder Menge Landschaft plus Historie. Die 51-Jährige ist von der Gegend und der seit 2003 leer stehenden Barock-Immobilie begeistert.

Ihr Plan: Ein Hotel mit 30 Zimmern, zwei Luxus-Suiten nebst Restaurant, Campingplatz und Abstellflächen für die Maschinen.

Deborah Hey aus Seattle hat nun ein sechsmonatiges Vorkaufsrecht. Wenn sie in dieser Zeit besagte 350.000 Euro an die Kommune überweist, geht die ehemalige DDR-Jugendherberge in ihren Besitz über – mitsamt Schlossgespenst.

Portal von Schloss Mutzschen / Foto; Wikipedia / Stephzan Komp / CC-BY-SA 3.0
Portal von Schloss Mutzschen / Foto; Wikipedia / Stephzan Komp / CC-BY-SA 3.0

Vor einer Eröffnung steht jedoch die Sanierung – Experten schätzen die dafür nötige Mittel auf sechs Millionen Euro

Vor-Vorgängerbau von Schloss Mutzschen war eine mittelalterliche Burg, von der man aber nichts mehr sieht. Danach entstand hier ein Schloss, das 1681 abbrannte.

Kurfürst August der Starke brauchte in der Gegend dringend eine standesgemäße Unterkunft für seine vornehmen Jagdgesellschaften und ließ das Schloss daher 1702 wieder aufbauen.

Hier bezogen auch die Schauspieler Quartier, die im nahen Schloss Hubertusburg zur Zerstreuung der sächsischen Hofschranzen auftraten. Gleichzeitig sorgten die jeweiligen Herren auf Mutzschen in den umliegenden Dörfern für Ordnung. Missetäter wanderten schon mal in die (bis heute erhaltene) Zelle im Flankierungsturm.

Der Fels auf dem das Schloss steht, wurde mit der Zeit wie ein Schweizer Käse durchlöchert, da er reiche Ausbeute an Schmucksteinen (Achaten) verspricht. Dieses Gangsystem diente dann im Zweiten Weltkrieg als bombensicherer Unterstellplatz für Bestände der Leipziger Universitätsbibliothek und von deren wertvoller Münzsammlung.

Ansehnlich: Das Treppenhaus von Schloss Mutzschen / Foto: Wikipedia / Stephan Klop / CC-BY-SA 3.0
Ansehnlich: Das Treppenhaus von Schloss Mutzschen / Foto: Wikipedia / Stephan Klop / CC-BY-SA 3.0

Das Schloss wurde nach Kriegsende umgehend enteignet. Die SED übergab es an die FDJ. 1963 entstand hier eine Jugendherberge mit 105 Betten. Der Betrieb musste 2003 aus Brandschutzgründen einstellt werden. Es gibt auch noch ein kleines Heimatmuseum, das beim Umbau zum Biker-Hotel aber seine Räume räumen würde.

Das im Schloss umgehende Gespenst weist Ähnlichkeiten „Hui Buh“ auf. Es verkleidet sich gern und sitzt am liebsten in der Küche nahe des Ofens, wo es sich lautstark beschwert und beim Verlassen des Raums die Türe knallt.

Normalerweise trägt es dazu das in seiner Branche übliche Weiß, zu besonderen Anlässen wurde es aber auch schon mit Trauerschleier gesichtet. Einen Pfarrer soll es mal mit Hilfe eines Elefantenrüssels durchs Schloss gejagt haben…

Über die Pläne der Investoren berichtet „Bild“ Leipzig: „Mittelsachsens erstes Motorradfahrer-Hotel geplant
Die Leipziger Volkszeitung war bei der Präsentation des Hotel-Plans, sie stellt ihren Artikel allerdings nur zahlenden Kunden zur Verfügung: „Amerikanische Biker-Lady hat einen Traum fürs Schloss Mutzschen



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