So sah das römische Reiterkastell Gelduba aus / Foto: Museum Burg Linn

Kastell Gelduba als neues Unesco-Welterbe?

Der Obergermanisch-Rätische Limes im Südwesten Deutschlands und der Antonius-/Hadrianswall in England sind schon Welterbestätten. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch an anderen einstigen Grenzabschnitten des Römerreichs der Ruf nach dem Welterbe-Status laut wird.

Genau das passiert gerade am Verlauf des Niedergermanischen Limes: NRW, Rheinland-Pfalz und die niederländischen Provinzen Gelderland, Utrecht und Südholland wollen „ihren“ Limes als Welterbe bei der Unesco anmelden. Das teilt die Stadt Krefeld mit.


Die 385 Kilometer lange Grenze der römischen Provinz Niedergermanien verlief entlang des Rheins von Remagen bis Katwijk an Zee. Die Grenze bestand aus zahlreichen militärischen Einrichtungen, aber auch aus Häfen, Straßen und Zivilsiedlungen. Einen kilometerlangen Wall gab es hingegen nicht.

Ein wichtiger Stützpunkt war der römische Garnisonsort Krefeld-Gellep, das antike Gelduba. Hier saß jahrhunderteland eine Reiterkohorte in einem wehrhaften Kastell direkt am Rhein.

Bereits Tacitus erwähnte Gelduba 69 nach Christus. Es lag an der nördlichen Grenze des Kölner Verwaltungsbereichs der Römer direkt an der Limesstraße. Das römische Kastell Gelduba mit seinen zivilen Siedlungen und Handelshäusern lag gegenüber dem alten Hellweg, der Handelsroute nach Germanien.

Im Hafen wurden Waren aus dem Römischen Reich nach Germanien und umgekehrt umgeschlagen. In der Archäologischen Sammlung des Museums Burg Linn sind zahlreiche Funde aus den Militärbefestigungsanlagen und Modelle der römischen Kastelle zu besichtigen, die in den Jahrhunderten dort zuerst aus Holz, später aus Stein gebaut worden sind.

Zudem werden Artefakte aus dem römisch-fränkischen Rheinhafen, den zivilen Siedlungen und dem Gräberfeld ausgestellt. Mit rund 6500 Gräbern ist das an das Kastell angrenzende römisch-fränkische Gräberfeld das größte erforschte seiner Art in Europa. Die militärische Anlage in der Nähe des Rheins wurde auch noch nach der Völkerwanderungszeit bis in das Mittelalter durch die Franken genutzt.

Der Grenzabschnitt des Niedergermanischen Limes soll zukünftig Teil der bestehenden internationalen Unesco-Welterbestätte „Grenzen des Römischen Imperiums“ werden. Welterbestatus haben bereits Hadrians- und Antoninuswall in Großbritannien sowie der Obergermanisch-Raetische Limes in Deutschland.

Bei einer Aufnahme in die Welterbeliste wäre der Grenzabschnitt die sechste Welterbestätte in NRW.

Dieser Text stammt weitgehend aus einer Pressemitteilung „Niedergermanischer Limes soll Unesco-Welterbe werden„.

Mehr zu Gelduba uns dem Römer-Kastell steht auf der Seite „Archäologie in Krefeld„.

Das Foto oben ist ein Screenshot aus dem Video „Das Gelduba Kastell“ von Reunion Media, das das Leben im Reiterkastell zeigt (2012 erstellt für das Museum Burg Linn).



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