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Schloss Lichtenstein: Besuch auf einem Märchenschloss


Zugbrücke und Tor zu Schloss Lichtenstein / Fotos: Burgerbe.de
Zugbrücke und Tor zu Schloss Lichtenstein / Fotos: Burgerbe.de

Schloss Lichtenstein ist der steingewordene Traum von einer romantischen Burg. Hoch auf einer steilen Klippe über dem Tal der Echaz in der Schwäbischen Alb, ausgestattet mit schlankem Turm, pitoreskem Palas und allerlei Deko-Türmchen.

Mehr als 100.000 Besucher zieht das “württembergische Märchenschloss” pro Jahr an.

Die meisten merken wohl er auf dem Gelände, dass sie sich gerade keineswegs auf einen Ausflug in die Ritterzeit, sondern eher in die zweite Hälfte 19. Jahrhundert begeben haben: Der Epoche also, als verklärte Rückblicke ins Mittelalter in den Oberen Schichten als ebenso selbstverständlich galten wie steil nach oben gebogene Schnurrbartspitzen und der Ruf nach Weltmacht, Kolonien und dem Rauswurf von Demokraten aus dem öffentlichen Dienst.

In erster Linie ist Lichtenstein ein Stück steingewordene Literatur. Es steht zwar auf den Grundmauern einer Burg der Württemberger Herzöge aus der Zeit um 1390. Doch die war nach Erfindung der Kanonen hoffnungslos überaltet und kam als Ruine im 19. Jahrhundert an.

Turm von Schloss Lichtenstein
Weiter Blick ins Ländle: Turm von Schloss Lichtenstein

Zum literarisch bedeutsamen Ort wurde der Felsen erst durch einen 1826 erschienen Roman von Wilhelm Hauff. Titel: Lichtenstein.

Dieser schildert das Schicksal von Georg Sturmfeder, der um 1520 vom Schwäbischen Bund zu den Anhängern des geächteten Herzogs Ulrich von Württemberg wechselt.

Der Grund für das Überlaufen zum Feind ist die Figur der herzogstreuen Marie von Lichtenstein. Der Roman beschreibt, wie dem Ex-Herrscher durch das Weinfache Volk letztlich wieder zu seinem Thron verholfen wird. Dummerweise muss Georg Sturmfeder für seine Bemühungen am Ende mit dem Leben bezahlen.

Bei Wilhelm Graf von Württemberg fiel die Geschichte über seine Vorfahren auf fruchtbaren Boden. Er kaufte 1837 das Burggrundstück – um die Wirklichkeit dem Roman anzupassen…

Von 1840 bis 1842 ließ sich der Graf (damals Anfang 30) auf den Grundmauern der Burg eine Fantasie-Ritterburg ganz nach seinem Geschmack hinsetzen – mitsamt Schlosskapelle, reich ausgemaltem Königszimmer und Wappensaal.

Malerisch präsentieren sich auch die Nebengebäude
Malerisch präsentieren sich auch die Nebengebäude

Auch eine martialische Befestigungsanlage mit dicken Kanonentürmen und Gräben durften aus Sicht des Artillerie-Offiziers nicht fehlen. Der Herr Graf traute den Untertanen nicht über den Weg und befürchtete Überfälle zum Raub seiner Kunstsammlung.

Die Württemberger meuterten 1848/49 dann tatsächlich, ließen den gräflichen Nippes und die geliebten Bilder aber in Ruhe. Der Graf starb schließlich 1869 friedlich in einem Sessel auf dem Schloss.

Kriegerisch wurde es dann erst 1945. Splitter flogen durch die Fenster und beschädigten das Interieur. Aber bereits ein Jahr nach Kriegsende waren die Reparaturen abgeschlossen.

Ja ja,die Rittersleut: Fassade eines der Nebengebäude
Ja ja,die Rittersleut: Fassade eines der Nebengebäude

Das Schloss ist bis heute im Besitz seiner Nachfahren, der Herzöge von Urach. Der Eintritt von sieben Euro für Erwachsene und 3,50 Euro für Kinder fließt in Betriebskosten und Erhalt der Schlossanlage (es reicht natürlich hinten und vorne nicht).

Vielen wird die Burg als Faller-Modellbausatz und als Motiv einer Bundespost-Briefmarke von 1982 bekannt sein. Aufgedruckter Portowert der Lichtenstein-Marken: 35 Pfennige.

Zum Weiterlesen: Ein Artikel von Ingeborg Kunze im Reutlinger Generalanzeiger über 30 Jahre Sanierung und Denkmalschutz auf dem „schwierigen Lichtenstein“ und den Architekten Rudolf Brändle: „Herausforderung Märchenschloss



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