Das Gemälde der Gräfin Cosel in Haft zeigt eine attraktive Frau mit angegrautem Haar

Burg Stolpen: Der Mythos Gräfin Cosel

Die Gräfin Cosel in jungen Jahren / Bild: gemeinfrei
Die Gräfin Cosel in jungen Jahren / Bild: gemeinfrei

Am 31. März 1765 – also genau vor 250 Jahren – starb auf Burg Stolpen die Gräfin Cosel. Sie wurde 84 Jahre alt, davon erlebte sie einen beträchtlichen Teil als Gefangene auf der sächsischen Veste.

„Lebenslänglich Stolpen. Der Mythos Cosel“ heißt denn auch ganz folgerichtig die neue, überarbeitete Dauerausstellung auf der Burg.

An die fast 50 Jahre lang gefangene, beziehungsweise in selbst gewählter Isolation lebende einstige Geliebte Augusts des Starken erinnerte schon bald nach ihrem Tod in der Burg nur noch ihr Grab.

Daher ist man im Museum froh, nun eine Bibel der Gräfin aus ihrer Zeit auf der Burg und einen ihrer Briefe präsentieren zu können.

Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel muss eine sehr resolute Adelige gewesen sein, die ihrem Geliebten – August dem Starken – am Ende schrecklich auf die Nerven gegangen ist.

Um 1705 hatte der sächsische Kurfürst und König von Polen die frisch getrennte Holsteinerin kennengelernt und an den Dresdner Hof beordert.

Heute wird auf Burg Cosel der Gräfin von Cosel-Likör verkauft / Bild: Screenshot
Heute wird auf Burg Cosel der Gräfin von Cosel-Likör verkauft / Bild: Screenshot

Innerhalb weniger Wochen machte der etwas prunksüchtig veranlagte Ober-Sachse die geistreiche Frau zu seiner offiziellen Mätresse und überhäufte sie mit Ehren.

Dummerweise beließ es Madame nicht dabei, nur an der Seite des Monarchen zu sitzen oder auf ihrem Rittergut Pillnitz (ein Geschenk von August) zu relaxen.

August hatte derweil im Großen Nordischen Krieg seine mit teuren Bestechungsgeldern erkaufte polnische Königswürde verloren, was ihn sehr wurmte. Nun setzte August alles daran, die Krone wiederzugewinnen – auch, um dadurch Sachsen als starkes Gegengewicht gegen das aufstrebende Preußen zu erhalten.

Burg Stolpen mit dem Coselturm / Foto: Wikipedia / Thomas Henkel Hen.th / CC BY-SA 2.0 DE
Burg Stolpen mit dem Coselturm / Foto: Wikipedia / Thomas Henkel Hen.th / CC BY-SA 2.0 DE

Gräfin Cosel waren die Intrigen der stets eifersüchtig ihre Unabhängigkeit achtenden polnischen Adeligen immer suspekt. Sie warnte August, sich nicht auf die Ränke dieser Leute einzulassen, um wieder an die Macht zu kommen. August hörte nicht auf sie und erlebte das von der Gräfin vorhergesagte Debakel: Der wiedergewonnene Titel erwies sich angesichts der Zugeständnisse an die polnische Aristokratie als bedeutungslos.

Nebenbei konspirierte die Cosel auch noch mit dem Kaiser, der ihr die Würde einer Reichsfürstin von Görlitz in Aussicht stellte. Dafür betrieb sie auch ein bisschen Spionage und gab Abschriften des sächischen Geheimen Kabinetts an den Kaiserlichen Gesandten weiter.

Schließlich verbannte August seine Mätresse 1713 ins nahe Schloss Pillnitz. Nach einer vergeblichen Flucht nach Berlin stellte der König seine einstige Geliebte am Heiligen Abend 1716 auf der sächsischen Festung Burg Stolpen unter Arrest – 27 Kilometer östlich von Dresden.

Portal zur Hauptburg und Schösserturm / Foto: Wikipedia / Thomas Henkel Hen.th
Portal zur Hauptburg und Schösserturm / Foto: Wikipedia / Thomas Henkel Hen.th / CC BY-SA 2.0 DE

Sie zog ins Zeughaus und hoffte, dass der König Gnade zeigen würde. Da konnte sie lange warten…
„Nichts solle ihr abgehen“ wies der Monarch seine Untergebenen gnädig in Sachen der Causa Cosel an – und ließ jährlich durchaus standesgemäße 15.000 Taler überweisen – dafür wollte er fortan jedoch in Ruhe gelassen werden.

1733 starb August, doch der Arrest der Cosel dauerte an. Erst 1743 hob der Hof den Bann auf. Das Zeughaus war inzwischen durch Blitzschlag abgebrannt, und die tragische Ex-Geliebte zog in den später nach ihr benannten Johannisturm.

Gräfin Cosel kehrte auch nach dem offiziellen Ende ihrer Verbannung nicht nach Dresden zurück – warum weiß man nicht. Wahrscheinlich hatte die betagte und schwer beleidigte Adelige einfach keine Lust mehr zu reisen, und sie kannte ohnehin niemanden mehr in Dresden.

Gräfin Cosel während ihrer Haftzeit / Bild: gemeinfrei
Gräfin Cosel während ihrer Haftzeit / Bild: gemeinfrei
Die letzten Jahre der Cosel waren durch militärische Ereignisse geprägt: Die Preußen übernahmen 1756 das Regiment auf der Burg, 1758 konnten die Sachsen ihren Stützpunkt zurückerobern.

Ein Jahr vor dem Tod der Gräfin zog die sächsische Garnison ab. Die Burg begann zu verfallen.

Heute gehört die Burg Stolpen mitsamt Coselturm dem Freistaat Sachsen, der hier ein Museum zur Geschichte der einstigen Bischofsburg und der Gräfin Cosel betreibt.

Weiterlesen:
Über „Cosel-Jubiläum“ und Ausstellung berichtet Silvio Kuhnert in den Dresdner Neuesten Nachrichten: „Burg Stolpen hat Ausstellung im Johannisturm überarbeitet

Vanessa Loewel schreibt für Deutschlandradio Kultur: „Gräfin Cosel: Der Mythos der koketten Verführerin

Jörg Schurig berichtete für dpa (via Leipziger Volkszeitung): „Mythos und Wahrheit: Vor 250 Jahren starb die legendäre Gräfin Cosel

Ein ausführlicher Text zur Gräfin findet sich auch bei Baronissima.de

Homepage von Burg Stolpen





Ein Gedanke zu „Burg Stolpen: Der Mythos Gräfin Cosel“

  1. Ihr Beitrag: Der Mythos Gräfin Cosel.

    Ich bin enttäuscht. Immer wieder muss ich feststellen, dass Berichte über die Gräfin falsch wieder gegeben werden. Jemand der Alte Geschichte studiert hat und auch noch damit wirbt, sollte es eigentlich besser wissen. Warum haben Sie sich nicht in den sächsischen Staatsarchiven umgesehen?

    Die Gräfin lebte nicht in selbst gewählter Isolation. Sie ist auch nicht „am Ende August schrecklich auf die Nerven gegangen“.
    Es war Flemming, der in der Gräfin eine gefährliche Konkurrentin sah und alle Register von Intrigen, Falschmeldungen benutzte um die Gräfin beim König zu schwächen.

    Auch die Flucht nach Berlin ist aus den Berichten nicht wegzubekommen. Einer schreibt vom andern ab.
    Die Gräfin ist nicht nach Berlin geflohen, sondern wollte mit Zustimmung von Watzdorf das Dokument des Heiratsversprechens zurückholen, wofür einige Tage eingeplant waren. Ihr Vetter Christian saß in Spandau in Festungshaft und verlangte 15.000 Taler für seine Freilassung. Die Verhandlungen und Geldbeschaffung zogen sich endlos in die Länge. Der sächsische Hof verlor die Geduld. Sie wurde in Halle in Arrest gezwungen und kam über Nossen nach Stolpen.
    August III. ließ sich alle Angelegenheiten der Gräfin vorlegen. Zeichnete alles ab. Sie musste weiter in strenger Isolierung leben. Er wachte persönlich über das Ansehen seines Vaters und den Ruhm des Hauses Wettin.

    Horst Liedke

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