Burg Marquartstein: Posse um teure Beleuchtung


Burg Marquartstein über dem gleichnamigen Ort südlich des Chiemsees / Bild: gemeinfrei
Burg Marquartstein über dem gleichnamigen Ort südlich des Chiemsees / Bild: gemeinfrei

Burg Marquartstein aus Südosten / Bild: gemeinfrei
Burg Marquartstein aus Süd-Osten / Bild: gemeinfrei

(Update Mai 2015: Burg Marquartstein steht überraschend zum Verkauf)

Teuer, ungeliebt und schlecht für die Fledermäuse: Der Gemeinderat des oberbayerischen Marquartstein möchte die örtliche Burg abends anstrahlen lassen.

Das würde stolze 20.000 Euro im Jahr kosten, plus Anschaffungskosten der Lichtanlage.

Der örtliche NABU warnt allerdings vor Gefahren für die in der Burg nistenden Fledermäusen (alle Fledermausarten in Deutschland sind streng geschützt). Der Burgherr, ein Münchner Kunsthändler, fürchtet derweil eine Mückenplage.


Und sollte sich jemand durch die Beleuchtung für eine Besichtigung von Burg Marquartstein interessieren, wird er vor verschlossenen Türen stehen: Die Burg ist öffentlich in der Regel nicht zugänglich.


Eingang der Burg Marquartstein / Bild: gemeinfrei
Eingang der Burg Marquartstein / Bild: gemeinfrei

Die Lokalpolitiker im 3200-Einwohner-Ort südlich des Chiemsees lassen diese Argumente nicht gelten. Mit 14:2 stimmen beschlossen sie, dass die Verwaltung nun ein Beleuchtungs-Konzept ausarbeiten solle. Das berichtet das Traunsteiner Tagblatt.

Auf die Idee sind die Politiker offenbar gekommen, weil im Nachbarort Mietenkam eine Kapelle beleuchtet wird. Mit einer für 20.000 Euro durch LED-LEuchten illuminierten Burg würde man die Nachbarn natürlich ordentlich in den Schatten stellen. Die Burg wurde zuletzt vor mehr als 20 Jahren angestrahlt.

Dass die Politik öffentliche Gelder dafür locker machen kann, hat sie u.a. einem Groß-Steuerzahler zu verdanken: Im Ortsteil Geisenhausen sitzt die Chiemgau-Klinik.

Die Burg auf einem Felsen im Tal der Tiroler Achen stammt übrigens aus der Zeit um 1075. Als Bauherr gilt Chiemgaugraf Marquart II. von Hohenstein. Ab 1259 hatten hier 600 Jahre lang die Wittelsbacher das Sagen.

Blick vom Richard-Strauss-Höhenweg auf die Burg / Foto: Wikipedia / Susanne Tofern / CC-BY-SA 2.0
Blick vom Richard-Strauss-Höhenweg auf die Burg / Foto: Wikipedia / Susanne Tofern / CC-BY-SA 2.0

1857 kaufte Cajetan Freiherr von Tautphoeus, seines Zeichen Legationsrat im königlich Bayerischen Außenamt, die Reste der Burg und ließ sie renovieren. Der Jurist war mit der irischen Schriftstellerin Jemima Montgomery verheiratet, die Bayern als Hort traditioneller Werte lobte.

1894 heirateten der Komponist Richard Strauss und Pauline de Ahna in der Burgkapelle.

Von 1928 bis 1958 wurde in der Burg ein Landschulheim betrieben. 1987 kaufte der Münchener Kunsthändler Konrad O. Bernheimer die Denkmalimmobilie und startete eine Sanierung. Er ist noch heute der Besitzer und soll in das zu erarbeitenden Beleuchtungskonzept eingebunden werden. Die Gemeinde darf die Anlage zu besonderen Anlässen nutzen.

Hier geht es zum Artikel im Traunsteiner Tagblatt: „Mehrheit für Beleuchtung der Burg



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