Schloss Brand bei Marktredwitz / Foto: gemeindrei

Schloss Brand: Atomlabor im Schloss des Admirals

Nobelpreisträger Otto Hahn besuchte das geheime Labor auf Schloss Brand in den letzten Kriegsmontaten mehrfach. Foto von 1938, gemeinfrei
Nobelpreisträger Otto Hahn besuchte das geheime Labor auf Schloss Brand in den letzten Kriegsmontaten mehrfach. Foto von 1938 (und Bild oben): gemeinfrei

Ominöse „Wunderwaffen“ sollten 1944/45 das todgeweihte Nazireich retten. Die geheimen Forschungslabors waren häufig in alten Schlössern und Burgen versteckt: So forschte Prof. Oskar Vierling auf Burg Feuerstein an akustischen Torpedos und im Atomkeller unterhalb von Schloss Haigerloch köchelte ein Versuchsreaktor vor sich hin.

Ein geheimes Zentrum der deutschen Atomforschung ist weitgehend unbekannt: Schloss Brand in Marktredwitz (Oberfranken). Hier saß seit dem Spätherbst 1943 die Arbeitsgemeinschaft Kernphysik, intern auch „Uranverein“ genannt.


Ihre Aufgaben: Über die technische Nutzung der Atomenergie nachzudenkein und die Möglichkeit zum Bau einer Kernwaffe abzuschätzen.

Werner Heisenberg hatte dem NS-Rüstungsminister Albert Speer im Juni 1942 erklärt, dass es denkbar sei, eine Bombe mit einem Sprengsatz „So groß wie eine Ananas“ zu bauen, die eine ganze Stadt zerstören könne. Eine durchaus treffende Vorhersage, die Speer aufhorchen ließ.


Foto: Wikipedia / Venetianer / CC-BY-SA 3.0
Foto: Wikipedia / Venetianer / CC-BY-SA 3.0

Angesichts der zunehmenden alliierten Luftangriffe auf Berlin konzentrierte die Heeresführung ihre Atomwissenschaftler im Süden des Reichs: Teile des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik zogen nach Hechingen in den Schatten der Burg Hohenzollern. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie unter Nobelpreisträger Otto Hahn arbeitete im benachbarten Tailfingen.

Die Arbeitsgemeinschaft Kernphysik kam im Schloss Brand unter und richtete ein geheimes Forschungslabor ein. Zuvor war das Schloss (im Besitz des Landes Bayern) durch NS-Bauern-Funktionäre des „Reichsnährstandes“ genutzt worden. Die Landwirte mussten nun für die Physiker das Feld räumen.

Gelegentlich schaute der Entdecker der Kernspaltung, Otto Hahn, auf Schloss Brand vorbei, der auf dem Gebiet der radioaktiven Spaltprodukte forschte. Was genau die Wissenschaftler in ihrem geheimen Labor trieben, ist unbekannt. Im Ort wird über die Forschungen an der Nazi-Atombombe natürlich nicht gerne gesprochen.

Sicherheitshalber untersuchte das Bundesamt für Strahlungsschutz die Räume auf radioaktive Rückstände, konnte aber Entwarnung geben.

Das Schloss mit dem 1911 aufgestockten Turm des Admirals von Seckendorff / Foto: Wikipedia / Venetianer / CC-BY-SA 3.0
Das Schloss mit dem 1911 aufgestockten Turm des Admirals von Seckendorff / Foto: Wikipedia / Venetianer / Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Das Schloss wurde 1221 erstmals urkundlich erwähnt. Nach einem verheerenden Brand von 1690 wurde das Schloss wieder aufgebaut. Im 19. Jahrhundert wechselten die Besitzer mehrfach, dazu zählte unter anderem die von Seckendorffs und die Fabrikantenfamilie von Beust.

Das heutige Aussehen des Schlosses hat der kaiserliche Admiral Albert von Senckendorff maßgeblich beeinflusst. Der gute Freund von Kaiser Wilhelm II. Bruder Prinz Heinrich von Preußen gab allerlei romantisierende Umbauten in Auftrag.

Er ließ zwischen 1890 und 1893 den fünfstöckigen Schlossturm errichten. 1911 wurde ein weiteres Stockwerk draufgesetzt. Von Seckendorff starb 1921 auf Schloss Brand.

1937 kaufte das Land Bayern das Anwesen. Mehr zur Geschichte auf der ausführlichen Schloss-Homepage.

Schlossherr Vize-Admiral Albert von Seckendorff / gemeinfrei
Schlossherr Admiral Albert von Seckendorff / gemeinfrei

Seit 2007 bemüht sich der Verein Markgräfliches Collegium Historiae (Link) erfolgreich um eine sachgerechte Sanierung, nun soll ein neuer Trägerverein gegründet werden, der sich ausschließlich mit dem Schloss beschäftigen soll.

2014 begannen drigend nötige Sanierungsarbeiten für 733.000 Euro renoviert, was vor allem dank öffentlicher Zuschüsse möglich wurde. Der Schlossturm wurde neu verputzt, Dächer neu gedeckt und die Wasserleitung erneuert. Als nächstes soll der Schlosshof neu gestaltet werden.

Wie die Frankenpost schreibt, habe sich das Brander Schloss mit seinen Schlosskonzerten zu einem kulturellen und musikalischen Treffpunkt in der Region entwickelt.

Im Raum stehe auch die Idee, das Gebäude als Treffpunkt für grenzübergreifende Veranstaltungen zu nutzen. In Marktredwitz hat man aus der Geschichte das Beste gemacht und ein Gymnasium nach Otto Hahn benannt.

Herbert Scharf schreibt für die Frankenpost über die anstehende Vereinsgründung: „Ein Verein für das Schloss in Brand





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