Schloss Schlobitten: Brandruine seit 1945 / Foto: Wikipedia / Maciej Podstolski / CC-BY-SA 3.0

Graf Dohna und das Ende von Schloss Schlobitten

Schloss Schlobitten um 1860 / Bild: Sammlung Duncker / gemeinfrei
Schloss Schlobitten um 1860 / Bild: Sammlung Duncker / gemeinfrei / Foto oben: Schloss Schlobitten/Słobity: Brandruine seit 1945 / Foto: Wikipedia/Maciej Podstolski/

Als sich die Rote Armee im Winter 1944/45 durch Ostpreußen kämpfte, waren den Soldaten die Schlösser der „preußischen Junker“ ein besonderer Dorn im Auge.

Stalin vermutete deren Eigentümer als die eigentlichen Anstifter von Hitlers Überfall auf die Sowjetunion. Und jetzt hieß es Rache an den verhassten Familiensitzen der verhassten „Monokelträgern“ zu nehmen.


Bei Schloss Schlobitten in Masuren machten die Rotarmisten keine Ausnahme: Der Familiensitz der von Dohna-Schlobitten, eines der schönsten Barockschlösser des Landes, wurde im Januar 1945 angezündet und brannte drei Tage lang bis auf die Außenmauern nieder.

Heute heißt der Ort Słobity, liegt im polnischen Teil des einstigen Ostpreußen. Und die Schlossruine sieht noch so aus wie 1945. Vom einstigen Glanz keine Spur mehr.

Friedrich Graf zu Dohn-Schlobitten war im Januar 1945 Alter von elf Jahren mit dem von seinem Vater organisierten großen Treck nach Westen geflohen. Ziel: Hoya bei Nienburg an der Weser, wo viele Schlobittener nach dem Krieg blieben. Dort erzählte der Graf jetzt vom Leben im einstigen Schloss. Das berichtet die Kreiszeitung.

Das Schloss war, wie in Ostpreußen üblich, Mittelpunkt eines ausgedehnten Landguts mit Trakehner-zucht. 1525 hatte Peter Burggraf zu Dohna das Land als Lehen erhalten. Er bezog ein mittelalterliches Herrenhaus auf dem Gelände. Sein Enkel Abraham setzte 1624 ein Schloss im Stil der Spätrenaissance daneben.


Schlossherr von 1810 bis 1859: Friedrich Graf zu Dohna-Schlobitten / Bild: gemeinfrei
Schlossherr von 1810 bis 1859: Friedrich Graf zu Dohna-Schlobitten / Bild: gemeinfrei

Es war kein sonderlich schlauer Zeitpunkt, ein Schloss zu errichten. Schon fünf Jahre später wurde es im Zuge des schwedisch-polnischen Krieges geplündert. Der preußische Generalfeldmarschall Alexander zu Dohna-Schlobitten ließ den Bau durch ein ziemlich herrschaftliches Barockschloss ersetzten. Der Bau gestaltete sich derart aufwendig, dass er 40 Jahre dauern sollte (1696 bis 1736).

Die Idee dahinter war, dem preußischen König hier bei seinen Reisen ein standesgemäßes Quartier bieten zu können.Das Schloss war berühmt für seine mit opulent bunten Wandteppichen behängten Räume, die Deckengemälde und das Chinesische Kabinett voller Porzellan.

Schlagzeilen in den preußischen Zeitungen der napoleonischen Zeit machte dann ein weiterer Schlossherr: Friedrich zu Dohna-Schlobitten, auch ein Generalfeldmarschall.

Er kommandierte ein deutsch-russisches Husaren-Regiment in den Befreiungskriegen und schlug 1848 in Königsberg Unruhen von Bürgern nieder, die aus unerfindlichen Gründen freie Wahlen und eine Verfassung forderten.

Der preußische König war seinem General derart dankbar, dass er einen mächtigen Turm der Königsberger Stadtbefestigung von 34 Meter Durchmesser in Dohnaturm umbennen ließ (heute beherbergt dieser das Bernsteinmuseum).

Der Turm sollte der letzte Teil der „Festung Königsberg“ sein, der im April 1945 von der Roten Armee erobert wurde. Schloss Schlobitten war zu diesem Zeitpunkt schon seit Woche verbrannt.

Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs hieß der Schlossherr Alexander zu Dohna-Schlobitten (1899–1997). Er diente zunächst als Rittmeister bei der Sechsten Armee und wurde als einer der Letzten am 18. Januar 1943 aus dem Kessel von Stalingrad ausgeflogen, um Geheimpapiere von Generaloberst Paulus in Sicherheit zu bringen.

1944 wurde der Graf wegen „Ungehorsam und politischer Unzuverlässigkeit“ aus der Wehrmacht ausgeschlossen. Er hatte sich geweigert, an der italienischen Front gefangengenommene Soldaten von US-Spezialeinheiten hinrichten zu lassen, wie es sein Oberbefehlshaber Kesselring angeordnet hatte. Graf Dohna konnte einen Teil der Kunstschätze des Schlosses auslagern, er ist jetzt auf mehrere Museen verteilt, im Schloss Charlottenburg gibt es beispielsweise ein „Dohna-Zimmer“.

Heute gehört die Schlossruine übrigens einer polnischen Investorengruppe „die sie als Abschreibungsobjekt nutzt“, so die Zeitung.

Hier geht es zum Artikel aus der Kreiszeitung: „Friedrich Graf zu Dohna berichtet vom ehemaligen Schloss in Schlobitten
Sehr detailliert und kenntisreich beschäftigt sich ein Beitrag bei „Vergessene Orte Blogspot“ mit Schloss Schlobitten

Auf YouTube findet sich eine digitale Rekonstruktion der königlichen Mittelstube auf Schloss Schlobitten. Gearbeitet wurde nach alten Plänen, Schwarz-Weiß-Fotos aus den Dreißiger Jahren und Augenzeugenberichten:

Und hier eine Rekonstruktion des Chinesischen Kabinetts:



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