Bergfried-Neubau für Burg Scharfenstein?


Burg Scharfenstein (Kernburg) Foto: Wikipedia / MacElch (Rainer Kunze) / CC-BY-3.0
Burg Scharfenstein (Kernburg) Foto: Wikipedia / MacElch (Rainer Kunze) / CC-BY-3.0

Da sage nochmal einer, die Zeit des Burgenbaus sei vorbei. Mitnichten: Jetzt soll Burg Scharfenstein im Eichsfeld (Thüringen) einen nagelneuen Bergfried erhalten – mit Aussichtsplattform.

Der alte Burgturm mit einer stolzen Höhe von bis zu 25 Metern war schon kurz nach dem Bau der Burg um 1219 von neidischen Nachbarn wieder abgerissen worden.



Bezahlen will das die Stadt Leinefelde-Worbis, die dazu auf Fördergelder des Landes hofft. Das meldet die Thüringer Allgemeine.

Die Höhe des Turm-Doubles ist noch nicht klar, er soll aber niedriger werden als das Orginal und auch an etwas anderer Stelle stehen. Vorausgesetzt natürlich, der Denkmalschutz stimmt zu.

Die Reste des mittelalterlichen, runden Bergfrieds mit zehn Meter Durchmesser und 3,20 Meter dicken Wände waren bei der Sanierung der Burg entdeckt worden. Er stammt aus der Anfangszeit der Burg um 1209 und wurde vermutlich nie richtig fertig.

Der Fund der Bergfried-Reste entwickelte sich zu einer ganz spannenden Geschichte. Archäologen schauten in seinem Keller in einen Raum (voller Schutt), den seit über 700 Jahren niemand mehr betreten hat. Sie entdeckten Reste eine Pferdegeschirrs und eine französische Münze.


Burg Scharfenstein: Blick auf den Burghof / Foto: Wikipedia / Die Ziegler / CC-BY-3.0
Burg Scharfenstein: Blick auf den Burghof / Foto: Wikipedia / Die Ziegler / CC-BY-3.0

1525 schleifte ein Bauern-Heer die Burg, die bereits sieben Jahre später wieder aufgebaut wurde, der alte Turmstumpf kurzerhand in den Neubau integriert. Die Anlage war nun nicht mehr strategisch wichtig und wurde nur noch als Verwaltungssitz und Gefängnis genutzt.

1802 fiel die Burg an Preußen, das sich nicht sonderlich für das Bauwerk interessierte. Noch 1864 wurden baufällige Teile abgerissen. 1909 brannte die Burg nach einem Blitzschlag auch noch aus.

Die DDR nutzte das, was von der Burg übrig war, als Kinderferienlager. 1960 übernahm der VEB Solidor die Burg. Er stellte Nadeln und Reißverschlüsse her.

In dieser Zeit wurde viel umgebaut, wobei der Bergfried-Rest ignoriert und einfach einbetoniert wurde. Grund war wohl eine Verwechselung: Man hielt die Zisterne der Burg für den Rest des einstigen Rundturms.

Ein Teil der Kernburg war in den 1960er Jahren eingestürzt. An dieser Stelle soll jetzt der neue Bergfried entstehen.

Die Treuhand verkaufte die Anlage nach 1990 glücklicherweise nicht an irgendwelche windigen Investoren, sondern 2002 an die Stadt Leinefelde-Worbis. Seit 2006 wird sie saniert.

Hier geht es zum Artikel von Natalie Hünger in der Thüringer Allgemeinen: „Leinefelde-Worbis plant neuen Bergfried auf Burg Scharfenstein
Mehr zu den Ausgrabungen in den Bergfried-Grundmauern schreibt Jürgen Backhaus im Eichsfelder Tageblatt: „Bergfried auf Burg Scharfenstein wurde schon 1219 zerstört

Blick auf die Burg per Google Maps:



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