Schloss Friedenstein 1979: Der „Kunstraub von Gotha“

Schloss Friedenstein / Foto: Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0
Schloss Friedenstein / Foto: Wikipedia / Michael Sander / CC-BY-SA 3.0 / Bild oben: Die gestohlenen Gemälde von Schloss Friedenstein, Gotha / Bild: Pressemitteilung Stadt Gotha

In der verregneten Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 1979 wurde Schloss Friedenstein bei Gotha zum Ziel eines der spektakulärsten Kunstdiebstähle der Nachkriegszeit. Fünf Ölbilder der niederländischen Malerschule waren die Beute des/der Täter/s.

Ihr damaliger Wert: 4,5 Millionen D-Mark, heute würde man wohl 50 Millionen Euro dafür bekommen. Der Kunstraub aus dem DDR-Museum konnte jahrzehntelang nicht aufgeklärt werden.


Die Bilder hingen in der Galerie des Schlosses, in der dritten Etage. Die Diebe kletterten die Regenrinne empor und hangelten sich dann mit Hilfe von Steigeisen zu eine ungesicherten Fenster, das sie aufbrachen.

Eine Alarmanlage gab es zwar schon im Schloss, sie war aber noch nicht in Betrieb.

Kein Interesse an Cranach

Die Täter gingen gezielt vor. Die wertvollen Cranach-Gemälde des Museums interessierten sie nicht. Statt dessen nahmen sie die Bilder „Brustbild eines jungen Mannes“ von Frans Hals, „Landstraße mit Bauernwagen und Kühen“ von Jan Brueghel dem Älteren, „Selbstbildnis mit Sonnenblume“ von Anthonis van Dyck, „Alter Mann“ von Jan Lievens sowie die „Heilige Katharina“ von Hans Holbein dem Älteren mitsamt Rahmen mit.

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Die Steigeisen konnten gefunden werden, die Modelle stammten nicht aus DDR-Produktion. Das führte natürlich zu der Spekulation, Kunstfreunde im Westen könnten das Verbrechen in Auftrag gegeben haben – oder aber die chronisch auf Devisen angewiesene Stasi…

Die Gemälde sind so bekannt, dass sie öffentlich nicht gezeigt werden könnten, ohne sofort aufzufallen. Allerdings ist der Diebstahl im Jahr 2009 verjährt. Er hat es auch nie in die Sendung „XY ungelöst“ geschafft.

Zum Ärger der Stadt Gotha existieren nur sehr wenige Farbbilder der Gemälde, von einigen Bildern gibt es nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Erst 2019 tauchten die Bilder wieder auf. Gegen zwei Verdächtige wird nun ermittelt.

40 Jahre später: Einbruch im Grünen Gewölbe

Fast auf den Tag genau 40 Jahre später, Ende November 2019, später gibt es wieder einen spektakulären Diebstahl aus einem Schloss zu vermelden, bei dem die Täter ganz ähnlich vorgingen wie 1979 in Gotha: Beim Einbruch ins Grüne Gewölbe des Dresdner Residenzschlosses. Die Beute: unschätzbar wertvolle juwelenbesetzte Schmuckstücke.

Weiterlesen:

Update Dezember 2019: Das Monopol-Magazin bringt eine Meldung der dpa: „Experten prüfen aufgetauchte Gemälde“

35 Jahre nach der Tat veröffentlichte die Stadt Gotha diese Pressemitteilung: „Vor 35 Jahren erlebte die Residenzstadt Gotha Thüringens größten Kunstraub
Thüringische Landeszeitung: „Kunstraub in Gotha: Farbfoto hilft weiter
Thüringer Allgemeine: „Spektakulärer Kunstraub aus DDR-Zeit noch immer unaufgeklärt



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