Schloss Hachenburg: Prachtbau der Bundesbank


Schloss Hachenburg
Schloss Hachenburg über Hachenburg / Foto: Wikipedia / Hachenburger / CC-BY-SA 3.0

Viele Banker haben eine Vorliebe für Schlösser. Es hat einfach Stil, in royalen Räumen unter seinesgleichen zu sein und hoch über den Köpfen der nimmersatten Privatanlager und nervigen Dispo-Queens über Strafzinsen und neue hochkomplexe Finanzprodukte nachzusinnen.

Während sich hochbezahlte WestLB-Anlagestrategen auf Schloss Krickenbeck verlustierten, tagen Rheinland-Pfälzische Sparkassen-Spezialisten auf Schloss Waldthausen. Nachwuchs der NRW-Sparkassen soll demnächst auf der Hörder Burg in Dortmund herangezogen werden.


Die Raiffeisen- und Volksbanken schulen da lieber auf Schloss Montabaur. Und auch die NRW-Landesbürokratie bildet ihre Finanzanwärter standesgemäß aus: auf Schloss Nordkirchen, dem „Westfälischen Versailles“.*)

Innenhof von Schloss Hachenburb / Foto: Wikipedia / Kamaaja / CC-BY-SA 3.0
Innenhof von Schloss Hachenburb / Foto: Wikipedia / Kamaaja / CC-BY-SA 3.0

Einen in Bankerkreisen nach eigener Ansicht ganz besonders elitären Club stellen die Bundesbanker dar. Um sich bei ihren Empfängen gegenüber den gemeinen Privatkunden-Geldinstituten abzuheben, brauchten die Frankfurter zu Zeiten der alten Bundesrepublik natürlich ein ganz besonderes Chateau.

1974 konnte die Bundesbank bei einer Zwangsversteigerung zuschlagen: Sie erwarb das barocke Schloss Hachenburg im Westerwald von einer insolventen Gesellschaft, die das Anwesen zu einem Hotel hatte umbauen wollen.

Den Ausbauplan konnten nun die Bundesbanker in sechsjähriger Arbeit zu Ende führen. Sie richteten hier oben im Jahr 1980 eine Aus- und Fortbildungsstätte ein, die Hochschule der Deutschen Bundesbank.

In Erhalt und Betrieb des Schlosses stecken die Bundesbanker jährlich 3,1 Millionen Euro, berichtet das Handelsblatt.

Das Studium der jährlich 60 Beamtenanwärter schließt mit dem „Bachelor of Science – Zentralbankwesen/Central Banking“ ab. Gelegentlich gibt es auch einen Tag der offenen Tür fürs gemeine Volk. Das Interesse daran ist groß: Im September 2014 kamen rund 3000 Besucher.

Das heute hufeisenförmig um einen Innenhof drapierte Schloss Hachenburg geht übrigens wie so viele Schlösser auf eine Burg aus den 1180er Jahren zurück: Hier war der Sitz der Grafen von Sayn, denen auch das damalige 1000-Einwohner-Städtchen (Stadtrecht seit 1314) am Fuß der Burg gehörte. Jahrhundertelang fungierte es als stplze Mini-Residenzstadt der Grafschaft (Sayn-)Hachenburg.

Der Alte Markt von Hachenburg / Foto: Wikipedia / Hachenburger / CC-BY-SA 3.0
Städchen im Schutz der Burg: Der Alte Markt von Hachenburg / Foto: Wikipedia/Hachenburger/CC-BY-SA 3.0

Im Dreißigjährigen Krieg hatten Burg und Stadt schwer gelitten. Kaum zogen ein paar Friedensjahre ins Land kam es noch schlimmer: 1654 brannten Burg und große Teile der Stadt ab.

Die Grafen Salentin von Manderscheid und Georg Friedrich von Sayn-Hachenburg ließen am Ort der Burg im Anschluss an den Brand das heutige Barockschloss bauen.

Ihre Untertanen wurden dabei wie eh und je zum Frondienst herangezogen (aus den Bauernkriegen hatten die Herrn Grafen nichts gelernt).

1816 fiel das Schloss an das Herzogtum Nassau, 1866 verleibte sich Preußen die Gegend ein. Im Schloss waren eine Forstschule und diverse Behörden untergebracht. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Schloss unbeschadet. Als Besitz des Landes Rheinland-Pfalz verfiel es in der Nachkriegszeit zusehends und ging 1970 schließlich für 400.000 Euro in private Hände über.

Die neue Schloss GmbH sanierte auch plangemäß drei Jahre lang, nur der Hotel-Plan erwies sich als viel zu aufwendig – zum Glück für die Bundesbanker. Aktuell plant die Bundesbank übrigens, ihre Hochschule auszuweiten, schreibt die Rhein-Zeitung.

*) Aus diesem Text spricht natürlich der pure Neid auf die Schlossbesitzer.

Grundsätzlich ist es ja immer gut, wenn eine kapitalkräftige Institution ein ausgedehntes Denkmal nutzt und instandhält. Es gibt viel zu viele Schlösser, wo gar nichts passiert. Ich bin nur immer ein bisschen vergrätzt, wenn die Öffentlichkeit bis auf Tage der Offenen Tür bedeutende, mit öffentlichem Geld geförderte Bauten nur von außen sehen darf.

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte des Schlosses hat Stefan Grathoff auf Regionalgeschichte.net verfasst.



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