Elefant Molly vor Schloss Hohentübingen begraben


Molly war zu Lebzeiten einer der Stars der Wilhelma / Foto: Wikipedia / --Xocolatl (talk) / CC-BY-SA 3.0
Molly war zu Lebzeiten einer der Stars der Wilhelma / Foto: Wikipedia / –Xocolatl (talk) / CC-BY-SA 3.0 / Foto oben: Wikipedia / Max Sorglos / CC-BY-SA 3.0

Mit einem seltsam süßlichen Geruch fing alles an: Auf einer Wiese am Hasengraben von Schloss Hohentübingen bemerkten Spaziergänger im Sommer 2011 einen ziemlich unangenehmen Duft. Als dieser stärker wurde, schaltete jemand die Behörden ein.

Der Grund für den Gestank vor den schwäbischen Schlossmauern war schnell ermittelt: Er hieß Molly und war bis zum Juli der Stolz des Stuttgarter Tierparks Wilhelma gewesen. Wegen einer unheilbaren Entzündung Vorderfüße musste die 45 Jahre alte Elefantendame eingeschläfert werden.


Der Tierköper hatte die Archäozoologen vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen auf den Plan gerufen. Die hatten nämlich noch keine Elefantenknochen in ihrer Sammlung.

Also zerlegte ein Uni-Team die Überreste von Molly – Studenten und Dozenten stießen dabei aber an seine Grenzen. Es erwies sich als unmöglich, die Riesenknochen völlig von Haut zu befreien.


Hof von Schloss Hohentübingen, das nun um eine Geschichte reicher ist. / Foto: Wikipedia / Felix König / CC-BY-SA 3.0
Hof von Schloss Hohentübingen, das nun um eine Geschichte reicher ist. / Foto: Wikipedia / Felix König / CC-BY-SA 3.0

Als Notlösung blieb nur noch, einige Knochen/Fleisch-Pakete einzufrieren und den wesentlichen Teil des Kadavers zu vergraben. Würmer und Bakterien würden innerhalb von drei Jahren den Rest erledigen – und man hätte schön saubere Knochen zur weiteren Forschung.

Tja, und die Wiese vor dem Schloss bot sich als zwischenzeitliche Ruhestätte für Molly geradezu an. Schließlich beherbert das Schloss ein Museum der Uni Tübingen mit Lehrsammlungen der Institute für ältere und jüngere Ur- und Frühgeschichte.

Dummerweise hatten die Forscher a) keine Ausnahmegenehmigung zur Tierkörperbeseitigung eingeholt und b) nicht an die empfindlichen Nasen der Tübinger Spaziergänger gedacht. Ein gefundenes Fressen für die Bild-Zeitung, die reißerisch titelte: „Zoo-Star Molly (†45) illegal in Tübingen verscharrt“.

Zur Erleichterung der Wissenschaftler und zum Missvergnügen der Springer-Postille erließ der Landkreis nach Bekanntwerden der Geschichte einen Duldungsbescheid: Mollys Knochen durften danach drei Jahre lang 50 bis 70 Zentimeter unter der Rasenfläche vor sich hin müffeln.

Nach Ablauf der Frist wurden sie nun gehoben: Aus der Erde kamen schöne, weiße Knochen. Die Reste von Mollys Skelett wurden dann von Studenten mit steinzeitlichen Werkzeugen zerkleinert, um herauszufinden, wie die Urschwaben erjagte Mammuts und Waldelefanten waidgerecht zerlegt haben.

Mehr zu der Geschichte schreibt Raimunf Weible im Schwäbischen Tagblatt von April 2012: „Elefantenaktion im Hasengraben war notwendig



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