Schloss Lichtenburg: Streit verhindert Tor-Sanierung


Schloss Lichtenburg / Foto: Wikipedia / Malabon / CC-BY-SA 3.0
Hof von Schloss Lichtenburg / Foto: Wikipedia / Malabon / CC-BY-SA 3.0

Eine Behördenposse hat die dringend nötige Sanierung des maroden Doppel-Tors von Schloss Lichtenburg in Annaburg (Sachsen-Anhalt) gestoppt. Das Schloss, eine der größten Anlagen Mitteldeutschlands, gehört zwar der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, aber die rechte Einfahrt des Torbaus ist im Besitz der Stadt Annaburg.

Und nun will der Bund die klamme Kommune an den anfallenden Sanierungskosten beteiligen. Die kann aber nicht zahlen. Jetzt herrscht Stillstand. Darüber berichtet die Mitteldeutsche Zeitung.

Der Streit ist politisch etwas pikant, da die Nazis das Schloss als Konzentrationslager Lichtenburg genutzt haben.

September 1949: Kundgebung des Vereins der Verfolgten des Nazi-Regimes auf Schloss Lichtenburg / Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2005-0901-513 / CC-BY-SA 3.0
September 1949: Kundgebung des Vereins der Verfolgten des Nazi-Regimes auf Schloss Lichtenburg / Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2005-0901-513 / CC-BY-SA 3.0

Das Problem ist, dass das Schloss über ein Torhaus mit zwei Einfahrten verfügt: Links geht’s auf den Schlosshof (Bundesbesitz), rechts zum landwirtschaftlichen Teil, der sogenannten Domäne. Der rechte Torbogen und die darunterliegende Fahrbahn gehören der Stadt. Das dahinterliegende Domänen-Grundstück ist „herrenlos“. Beide Einfahrten sind aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Die Lösung der Kommune, Torbogen und einige Meter Straße einfach an den Bund zu übertragen, wird von der Bundesanstalt abgelehnt. Diese weist darauf hin, dass die Stadt in der Pflicht sei, ihren Teil des Denkmals zu erhalten.

2015 will der Bund mit der Sanierung des hinter dem Torbau stehenden Glockenturms beginnen, der in seiner Standsicherheit gefährdet sei.

Wenn sich Stadt und Bundesanstalt nicht einigen können, dürfte es zu der kuriosen Situation kommen, dass der Schlosshof mit dem sanierten Glockenturm nicht mehr durch die Einfahrt erreicht werden kann. Besucher müssen dann weiter den Hintereingang benutzen.

Schloss Lichtenburg auf einem Merian-Stich von 1650 / Bild: gemeinfrei
Schloss Lichtenburg auf einem Merian-Stich von 1650 / Bild: gemeinfrei

Das Renaissanceschloss steht seit Mitte des 16. Jahrhundert an der Stelle eines früheren Klosters. 1581 kam noch eine Schlosskirche hinzu. Das Schloss diente als Witwensitz der sächsischen Kurfürstinnen. 1812 wurde es zum Gefängnis umgebaut, bis 1928 nutzte es das Land Preußen als Zuchthaus.

Die Nazis reaktivierten die leer stehende Haftanstalt 1933. Bis 1937 hielten sie hier Männer, danach bis 1939 Frauen gefangen.

Hier saßen u.a. zeitweise Friedrich Ebert jr., der Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten, und der KPD-Politiker Walter Krämer (1941 von den Nazis ermordet) ein.

Heute dient das Schloss im Ortsteil Prettin als Museum für Regional- und Stadthistorie. Es beschäftigt sich mit der Geschichte des Weinbaus in der Region. Eine Ausstellung zum Thema Brot und Backen ist im historischen Küchengewölbe zu sehen.

Hier geht es zum ausführlichen Artikel von Detlef Mayer in der Mitteldeutschen Zeitung: „Clinch um Torbau am Schloss Lichtenburg

Blick auf Schloss Lichtenburg aus der Luft:

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