Schloss Schaumburg als internationales Weininstitut?

Schloss Schaumburg bei Limburg / Foto: Wikipedia / Johannes Robalotoff / CC-BY-SA 3.0
Schloss Schaumburg bei Limburg / Foto: Wikipedia / Johannes Robalotoff / CC-BY-SA 3.0
Innenhof von Schloss Schaumburg / Foto: Wikipedia / Defisch / CC-BY-SA 3.0
Innenhof von Schloss Schaumburg / Foto: Wikipedia / Defisch / CC-BY-SA 3.0

Neuer Plan für das leider seit einem Jahr leer stehende Schloss Schaumburg in Balduinstein bei Limburg an der Lahn: Der einstige Rückzugsort des österreichischen Erzherzogs Stephan soll „Sitz eines internationalen Weininstituts“ werden. Das ist zumindest die Idee.

So hat es der Besitzer des Schlosses, Bilgiç Ertürk, der Ortsbürgermeisterin von Balduinstein erzählt. Das meldet jedenfalls die Rhein-Zeitung. Nun soll Ertürk das entsprechende Konzept bis Ende Februar 2015 beim Denkmalschutz als Genehmigungsbehörde einreichen.


Die Rede ist von Weinproben im großen Stil, Weinverkauf, Restauration, einer internationalen Wein-Datenbank und, damit alles reibungslos läuft, 50(!) Verwaltungsmitarbeitern. Da müssen die edlen Tropfen schon ordentlich Profit abwerfen…

Man darf gespannt sein, was daraus wird. Bislang haben sich nämlich diverse auf Schloss Schaumburg geplante Großprojekte in Luft aufgelöst.

Schloss Schaumburg mit neogotischem Türmchen-Schnickschnack / Foto: Wikipedia / Santiago2000 / CC-BY-SA 3.0
Schloss Schaumburg mit neogotischem Türmchen-Schnickschnack / Foto: Wikipedia / Santiago2000 / CC-BY-SA 3.0

Die auf einem Gipfel gelegene Schaumburg tauchte 1197 erstmals in der Geschichte auf, als Sitz der Grafen von Leiningen. Nach 1220 wurde die Anlage auf mehrere Erben verteilt. Rund 200 Jahre hielt dieser Zustand an, bis das Haus Westerburg genug vom ewigen Streit hatte und alle Anteile aufkaufte.

Prägend für das heutige Aussehen der Burg war Erzherzog Stephan von Österreich (1817-1867). Der amtierte bis 1848 als stellvertretender kaiserlicher Statthalter in Ungarn und Oberbefehlshaber der ungarischen Armee in der österreichisch-ungarischen k.u.k.-Monarchie.

Während des Revolutionsjahrs 1848 wurde der Habsburger im immer selbstbewussteren Ungarn politisch unhaltbar und zog sich auf seine von der Mutter geerbten Besitzungen an der Lahn zurück.

Seine Mutter, eine Prinzessin von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym, hatte 1815 auf Schloss Schaumburg Erzherzog Joseph von Österreich geheiratet.

Die Gleise der Lahntalbahn füren nahe der Schaumburg vorbei / Foto: WikiRail / GFDL
Die Gleise der Lahntalbahn führen nahe der Schaumburg vorbei / Foto: WikiRail / GFDL

Für Stephan war der Rückzug ins Privatleben keine allzu schwere Entscheidung. Der spleenige Kaiser-Enkel interessierte sich ohnehin mehr für Steine und klaubte so ziemlich jedes Stück Geröll auf, dass er zu fassen bekam. Nach dem eifrigen Mineraliensammler ist das Stephanit benannt.

Die Schaumburg ließ er von 1850 bis 1855 im neugotischen Stil der Rheinromantik zu einer dreiflügeligen Schlossanlage umgestalten. Geld spielte keine Rolle. Er war ja Habsburger. Als Bauleiter fungierte der nassauische Architekt Carl Boos.

Der Erzherzog richtete sich eine Gemäldegalerie ein, schmökerte in der eigenen Bibliothek – und verbrachte die meiste Zeit in seiner am Ende 20.000 Stücke zählenden Mineraliensammlung, im damals astronomischen Wert von 300.00o Mark (heute liegt sie im Keller des Berliner Naturkundemuseums).

„Mit dem Bau der Lahntalbahn 1862 wurde die Schaumburg leicht erreichbar und zu einem Treffpunkt von Adligen aus ganz Europa“, heisst es bei Wikipedia. Für die Adelstreffen ließ der Österreicher einen Prachtsaal hochziehen, der aber nie fertig wurde.

Zwei fristgerecht in Berlin hergestellte Herold-Figuren bewachen den Eingang / Foto: Wikipedia / kai-uwe.fischer / GFDL
Zwei fristgerecht in Berlin hergestellte Herold-Figuren bewachen den Eingang / Foto: Wikipedia / kai-uwe.fischer / GFDL

Der Saal befindet sich noch heute im Rohbauzustand (Parallelen zu Berliner Flughäfen verkneife ich mir). In Berlin bestellt und rechtzeitig fertig wurden zwei überlebensgroße Herolde, die heute noch am Schlosseingang stehen.

1888 fiel das Schloss an das Haus Waldeck-Pyrmont. Dessen Chef Wittekind zu Waldeck und Pyrmont verkaufte das Erbe 1983 für 15 Millionen D-Mark. Der neue Besitzer wollte daraus ein luxuriöses Golfhotel machen. Er scheiterte und musste für nur noch sechs Millionen an „Bäder-König“ Josef Wund (Bauherr u.a. der Therme Erding).

Wund fiel auch keine neue Nutzung ein. Er verkaufte nach und nach die Ländereien, sorgte aber immerhin sorgte er für den Erhalt des Schlosses. Das Gebäudeensemble stieß er schließlich für (so hört man) etwa eine Million Euro an eine türkische Investorengruppe ab, die hier eine „Bildungsstätte“ errichten wollte, wozu es bislang nicht kam.

Deutsche Denkmalimmobilien wirkten in dieser Zeit auf türkische Investoren verlockend: Sie kauften 2010 auch Schloss Kransberg bei Usingen und Gut Gentzrode im Norden von Neuruppin – trugen zum Erhalt jedoch bislang so gut wie nichts bei.

Es bleibt also spannend an der Lahn.

Hier geht es zum Artikel von Hans Georg Egenolf in der Rhein-Zeitung: „Schloss Schaumburg soll Weininstitut werden

Die Lage von Schloss Schaumburg bei Balduinstein:



Ein Gedanke zu „Schloss Schaumburg als internationales Weininstitut?“

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