Belagerungs-Geschosse aus Pech & Schwefel nachgebaut


Forscher beim Rekonstruieren von Feuerballen / Bild: Screenshot YouTube
Coburger Forscher beim Rekonstruieren von Feuerballen / Bild: Screenshot YouTube

Wer die Besatzung einer mittelalterlichen Burg demoralisieren wollte, der setzte Feuer ein. Die Befestigungen bestanden oberhalb der Mauern und Steinwände zu großen Teilen aus Holz: Wehrgänge aus Holzbalken und Fachwerkfassaden bestimmten das Bild. Entsprechend gefürchtet waren Brände.

Kanonen galten in ihrer Anfangszeit noch als unzuverlässige, sündhaft teure Monster mit dem fatalen Hang zur Explosion inmitten der eigenen Leute. In dieser Zeit entwickelten Belagerer eine Fülle von äußerst wirkungsvollen Brandgeschossen aus einfachsten Utensilien – und Schwarzpulver.

Ein Pechkranz im Experiment: Mehl verstärkte die Brandwirkung / Bild: Screenshot Youtube
Ein Pechkranz im Experiment: Mehl verstärkte die Brandwirkung / Bild: Screenshot Youtube

Überreste davon haben sich naturgemäß kaum erhalten – aber Beschreibungen: Bombenbausätze aus dem späten Mittelalter und der Frühen Neuzeit sozusagen.

Für die Folge „Wehrhafte Burgen“ der SWR-Serie „Das Mittelalter im Südwesten“ haben zwei Experten einige der Modelle zum Einsatz bei der Belagerung einer Burg nachgebaut:
Vor die Kamera gingen der Mittelalter-Archäologe Dr. Alfred Geibig, der als Kurator für Waffen und Rüstungen bei den Kunstsammlungen der Veste Coburg arbeitet, und sein Kollege Heiner Grieb, Restaurator für Kunsthandwerk und historische Waffen.

Herausgekommen sind sogenannte Feuerballen: Das sind mit Mehl, Metallkugeln und kleinen Mengen Schwarzpulver gefüllte Körbe, getränkt in Pech, um eine längere Branddauer zu ermöglichen. Sie sorgen für ein ganz ordentliches Feuerwerk, das aber wohl mehr erschreckte, als dass es allzu gefährlich wude.

Sogenannte Pechkränze konnten aus alten Seilen geflochten werden – mit Pech bestrichen und angezündet sollten sie auf Burgdächern landen und diese entzünden.

Der Vorgänger des Molotow-Cocktails war der Sturmtopf: Gefüllt mit Schwefel, Salpeter, Schwarzpulver, Blei und zerbrochenem Glas, konnte er schon ganz ordentlich knallen und Splitter streuen. Hilfreich bei jeder Belagerung.

Wer sich für die Erforschung mittelalterlicher Waffentechnik interessiert, dem empfehle ich den Burgerbe-Artikel: „Womit kämpften Franken? Schwert von Burg Linn im 3D-Scan„.

Das Video mit den Experimenten der Waffenexperten auf einer Wiese vor der Veste Coburg ist bei YouTube zu sehen:



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