Schloss Friedrichhof

Schloss Friedrichshof: Sitz der 99-Tage-Kaiserin

11. August 1908, Staatsbesuch im Taunus: Kaiser Wilhelm II. hat Schloss Friedrichshof beim Örtchen Kronberg auf Hochglanz polieren lassen und empfängt seinen „Onkel Bertie“: Also den britischen König Eduard VII., Kaiser von Indien und manischer Kettenraucher.

Der Ort ist weise gewählt: Die Architektur des Schlosses erinnert an den englischen Tudor-Stil, kombiniert mit fränkischem Fachwerk. Das liegt daran, dass der Bau maßgeblich von Eduards Schwester, Prinzessin und Ex-Kaiserin Victoria zurückgeht. Die Gattin des deutschen Kurzzeit-Kaisers Friedrich und Mutter von Wilhelm II. war hier im August 1901 gestorben.


schloss Kronberg
Schloss Friedrichshof: Die Architektur ist eine Kombination aus Tudor-Gotik und fränkischem Fachwerk

Eduard wird den „lieben Willy“ inmitten der holzvertäfelten Räume auf die deutsche Flottenrüstung angesprochen haben. Der Kaiser pflegte darauf mit einem weitschweifigen Monolog zu antworten.

Dabei betonte Wilhelm mit schnarrender Stimme, dass er einer der wenigen echten Freunde der Briten in Deutschland sei und sich die immer zahlreicheren Schlachtschiffe an der Kieler Förde natürlich „nur gegen die Staaten in Fernost“ richteten.

So argumentierte er zumindest wenige Wochen später in einem Daily-Telegraph-Interview, das die nächste Staatskrise auslöste und die Teutonen-Furcht der Briten weiter verstärkte. Eduard schwieg über die Unterhaltung mit dem impulsiven Preußen.

Der Brite mochte diese Treffen nicht und war froh, nach einer Denkmalenthüllung für Landgräfin Elisabeth wieder nach Hause zu kommen (wo er zwei Jahre später nach diversen Herzinfarkten starb).

Hohe Räume mit Holzdecke und Riesenschinken an den Wänden, so was mochten die Majestäten.
Hohe Räume mit Holzdecke und Riesenschinken an den Wänden, so was mochten die Majestäten.

Schlossbaumeisterin Prinzessin Victoria war im Jahr 1888 für 99 Tage an der Seite ihres Gemahls Kaiserin gewesen. Dann starb ihr kettenrauchender Gatte an Kehlkopfkrebs; und die Hoffnungen auf ein liberales, weltoffenes Deutschland mit ihm.

Die Witwe nannte sich nun Kaiserin Friedrich und brauchte eine repräsentative Bleibe. Filius Wilhelm beanspruchte den bisherigen Wohnsitz der Kaiserpaars, das neue Palais in Potsdam, für sich. Das nahegelegene Schloss Sanssouci wollte er seiner ungeliebten Mutter auch nicht überlassen.

Die Ex-Kaiserin kaufte nach einigem Suchen schließlich 1888 die zwölf Jahre zuvor von einem Bankier errichtete Villa Schönbusch bei Kronberg (möglichst weit weg von Berlin) und ließ die Immobilie für Jahre lang in ein Schlösschen im Tudorstil verwandeln – mitsamt Bergfried als Uhrenturm und allerlei verspielten Giebeln.

Kaiser Wilhelm II. beim Familientreffen auf Schloss Friedrichshof im Jahr 1900 / Foto: Hoffotograf T. H. Voigt / Gemeinfrei
Kaiser Wilhelm II. beim Familientreffen auf Schloss Friedrichshof im Jahr 1900 / Foto: Hoffotograf T. H. Voigt / Gemeinfrei

Zum Gedächtnis an ihren verstorbenen Mann nannte sie es Schloss Friedrichshof. Finanzieren konnte sie das Ganze durch eine Erbschaft aus dem Besitz der Herzogin Maria von Galliera aus der reichen Familie Ferrari.

Nach Victorias Tod erbte ihre jüngste Tochter Margarethe von Hessen den Besitz. Diese stand 1928 vor dem Problem, dass die Weimarer Republik mit der Enteignung des Fürsten-Besitzes drohte.

Der Witwensitz der Ex-Kaiserin firmiert heute als Schlosshotel Kronberg / Foto: Wikipedia / dontworry / CC-BY-SA 3.0
Der Witwensitz der Ex-Kaiserin firmiert heute als Schlosshotel Kronberg / Foto: Wikipedia / dontworry / CC-BY-SA 3.0

Daraufhin wurden das Schloss und weitere Besitzung der hessischen Landgrafen und Großherzöge flugs einer Stiftung überschrieben, der (Kur-)Hessischen Hausstiftung. Der gehört es noch heute.

1945 war das Schloss zeitweise Sitz des US.Oberkommandierenden in Europa, General Eisenhower, des späteren Prädidenten. Auf diese Zeit ist man im Haus Hessen nicht besonders gut zu sprechen, schließlich buddelten Amerikaner die im Keller vergrabenen hessischen Kronjuwelen aus und schmuggelten sie außer Landes. Ein Teil der Pretiosen blieb verschollen.

1967 hätte dann ein Feuer Schloss Friedrichshof fast vernichtet. Dach und Obergeschoss brannten aus und wurden neu errichtet.

Heute beherbergt das Haus die Fünf-Sterne-Luxusherberge Schlosshotel Kronberg, betrieben vom Haus Hessen: Eine der edelsten Adressen in Hessen. Große Teile des Mobiliars und Kunstwerke aus der Sammlung der Kaiserin haben sich erhalten. Doppelzimmer gibt’s ab etwa 245 Euro. Für eine Nacht in einer der zwölf Suiten sollte man schon mindestens das Doppelte zur Seite legen…

Promis sind im Schloss immer noch gern zu Gast: Im Mai 2014 feierte hier z.B. Altkanzler Gerhard Schröder seinen 70. Geburtstag – auf Einladung einer Frankfurter Privatbank.

Und hier ein paar wackelige Videobilder:

Schlosshotel Kronberg im Blick von Google Maps:



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