Schloss Burgkemnitz soll 299.000 Euro kosten


Mit Ecktürmen wie ein Loire-Schloss: Schloss Burgkemnitz / Foto: Wikipedia / Tnemtsoni / CC-BY-SA 3.0
Mit Ecktürmen wie ein Loire-Schloss: Schloss Burgkemnitz / Foto: Wikipedia / Tnemtsoni / Lizensiert unter CC-BY-SA 3.0

(Update Oktober 2015: Das Schloss ist inzwischen verkauft. Mehr dazu hier im Blog)

Die höheren SED-Kader mochten öffentlich zwar über den degenerierten Klassenfeind wettern, aber wenn sie selbst die Möglichkeit bekamen, ein bisschen „imperialistischen“ Luxus zu nutzen, dann taten sie das doch gern.

Ein schönes Beispiel ist Schloss Burgkemnitz in Sachsen-Anhalt, das von der Architektur her auch an der Loire stehen könnte. Nach der Enteignung der adeligen Besitzer 1945 durften sich hier zunächst Arbeiter der Farbenfabrik Wolfen erholen. Aber nur, bis die SED sich das Schloss selbst unter den Nagel riss und hier eine Parteischule einrichtete.


Bis zur Wende sperrten bewaffnete Posten den Eingang zum laut Mitteldeutscher Zeitung „vielleicht schönsten Schloss im Landkreis Anhalt-Bitterfeld“. Heute ist das seit langem nur von Fledermäusen bewohnte Anwesen auf dem Markt: 299.000 Euro sollen Schloss und das 24.500 Quadratmeter große Grundstück kosten.

Schloss Burgkemnitz nach der Umgestaltung / Foto: Wikipedia / Sammlung Duncker
Schloss Burgkemnitz nach der Umgestaltung / Foto: Wikipedia / Sammlung Duncker

Möglicherweise stand hier bereits zu slawischer Zeit eine Burg. Ihre Überreste müsste man unter dem Herrenhaus suchen. Der heutige Bau, eine barocke Dreiflügelanlage entstand ab 1696 durch den wohlhabenden Juristen und mehrfachen Rittergutsbesitzer Bodo von Bodenhausen (der Mann war so bedeutend, dass die zu seiner Trauerfeier gehaltene Predigt 1701 als Druck erschien).

Sein Nachkomme Hans Bodo von Bodenhausen, später Landrat in Bitterfeld und Reichstagsabgeordneter, ließ das Herrenhaus ab 1870 großzügig umgestalten. Er bestand auf dem Bau von vier runden Ecktürmen, die das Ganze einem Loire-Schloss ähnlich sehen lassen.

Letzter Besitzer vor dem Einmarsch der Roten Armee war Landrat Hans Kraft von Bodenhausen. Der 74-jährige Adelige ging nicht in den Westen, sondern blieb zum Ärger von Partei und Stasi nach der Enteignung einfach bei seinem Förster wohnen. Die Behörden wiesen ihn daraufhin aus Burgkemnitz aus. Er starb 1952 in Zeitz.

Anzeige

Nach der Wende ging der Besitz für eine Mark an den Landkreis. Die verpachtete das Schloss (1600 Quadratmeter Wohnfläche) für 99 Jahre an die Caritas, die hier ein Wohn- und Pflegeheim für geistig Behinderte einrichtete. Das zog aber 2002 in einen Neubau um. Seitdem steht das Schloss leer, und Landkreis und Caritas denken über eine neue Nutzung nach.

Die mit dem Verkauf beauftrage Firma Schlossmakler weist darauf hin, dass große Teile der historischen Einrichtung erhalten geblieben sind, das Objekt aber in Teilen sanierungsbedürftig sei.

Weiterlesen:
Hier geht es zur Makler-Anzeige bei Immowelt: „Wohnen wie Baron von Bodenhausen
Einen sehr ausführlichen Artikel zur Schlossgeschichte, den ich auch als Quelle für diesen Text genutzt habe, hat Matthias Prasse dankenswerterweise in der Mitteldeutschen Zeitung veröffentlicht: „Das schönste Schloss im Umkreis

Der Blick via Google Maps:

Kommentar verfassen