Der rästselhafte Schacht von Burg Frauenstein


Die Ruine von Burg Frauenstein / Foto: Wikipedia / Jana2508
Die Ruine von Burg Frauenstein / Foto: Wikipedia / Jana2508 / CC-BY-SA 3.0

Burg Frauenstein im Erzgebirge gibt den Forschern seit langem ein Rätsel auf: Auf dem Gelände der größten sächsischen Burgruine findet sich ein 21 Meter tiefer, runder Schacht. Irgendwann im Hochmittelalter wurde er in den Felsen getrieben. Aber warum?

Die naheliegende Erklärung vom Burgbrunnen fällt aus, denn der Schacht ist bis zur Sohle hin völlig trocken. Auch die Nutzung als Regenwasserspeicher ist unwahtscheinlich, denn der Schacht ist viel zu schräg, um einen Eimer einigermaßen unbeschadet herauszuziehen.

Die Dresdner Höhlen- und Karstforscher haben sich den Stollen mehrfach angesehen und ihn vom Unrat vergangener Jahrzehnte befreit. Der Vorsitzende des Vereins, Hartmut Simmert, präsentiert der „Freien Presse“ jetzt eine schlüssige Theorie zur Entstehung des Gangs:

Blick von der Burgruine auf Schloss Frauenstein / Foto: Wikipedia / Geissler Martin /
Blick von der Burgruine auf Schloss Frauenstein / Foto: Wikipedia / Geissler Martin / CC BY-SA 3.0

Er vermutet, dass mittelalterliche Bergleute einer sogenannten Kluft, einer Störung im Gestein nachgegraben haben, in deren Verlauf sie eine Erzader vermuteten.

Doch die Mühe hätten sich die damaligen Knappen sparen können. Der Granitporphyr, auf dem die Burg steht, enthält kein Erz. Das haben die Bergleute dann nach 21 Metern offenbar auch gemerkt…

Die Burg des Markgrafen von Meißen wurde 1218 erstmals urkundlich erwähnt. 1329 kam die Burg in den Besitz der Burggrafen von Meißen. Die Frage, wem die Burg nun tatsächliche gehöre, führte 1438 zu einer sechswöchigen Belagerung durch den Markgrafen von Meißen. Die Burg wurde dabei erheblich beschädigt.

1473 fiel die Burg an die Familie von Schönberg. Den Schönbergs war es in den trutzigen Mauern mit ihren zugigen Räumen zu unbequem: Sie ließen 1585 bis 1588 Schloss Frauenstein unterhalb der Burg errichten. Nach ihrem Auszug stand die Burg erstmal leer.

1647 verkauften die vom Krieg ruinierten Schönbergs Schloss und Burg an den Kurfürsten von Sachsen. Das Ende der mittelalterlichen Burg kam dann mit einem Brand, der 1728 große Teile von Frauenstein in Schutt und Asche legte und auch das Schloss schwer beschädigte.


Frauenstein mit Burg und Schloss 1720 / Bild: Wikipedia / Rosenlöcher
Frauenstein mit Burg und Schloss 1720 / Bild: Wikipedia / Rosenlöcher

Das repräsentative Schloss wurde wieder aufgebaut – bei der alten Burg verzichtete man darauf. Bis heute erhalten geblieben sind der Wohnturm „Dicker Merten“ aus dem 13. Jahrhundert und die 1,50 Meter starke Ringmauer.

Die Ruine ist bei gutem Wetter samstags und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Ein Förderverein bietet regelmäßige Führungen an (die Termine stehen im Veranstaltungskalender Burg Frauenstein). Im Sommer wird die Ruine auch zur Theaterbühne.

Astrid Ring schreibt in der Freien Presse: „Burg Frauenstein: Ist das Brunnen-Geheimnis geknackt?



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