Partnerschaft Schloss Neuschwanstein – Burg Himeji (Japan)


Burg Himeji ist Unesco-Welterbestätte. Foto: gemeinfrei
Burg Himeji ist Unesco-Welterbestätte. Foto: gemeinfrei

Wenn Touristen aus Südostasien angelockt werden sollten, kommt die Schlössertourismus-Branche auf allerlei Kampagnenideen, die aber irgendwie immer alle gleich desaströs enden.

Am Ende werden in der Regel ein paar ältere Funktionäre in Lederhosen und jüngere Damen in knappe Dirndl gesteckt, um mit bunten Neuschwanstein-Postern, Kuckucksuhren und Bierseideln im Gepäck nach Fernost geflogen zu werden. Ihr Schicksal besteht vor Ort darin, zu Blasmusik und Helene-Fischer-Klängen „typisch deutsch“ zu sein und sich unendlich oft fotografieren zu lassen.

Das Deutschlandbild in Übersee dürfte dadurch bereits derart schief sein, dass die Goethe- Institute es auch mit noch so vielen Kursen nicht mehr werden geraderücken können…

Neuschwanstein: Zwölf Euro kostet der Eintritt / Foto: Wikipedia/softeis
Neuschwanstein: Zwölf Euro kostet der Eintritt / Foto: Wikipedia/softeis

Nun hat die Stadt Schwangau einen ganz neuen Plan. Ziel ist es, Touristen aus Südostasien anzulocken. Dazu unterzeichnet der Bürgermeister am Mittwoch ein Freundschaftsabkommen mit Himeji in Japan.

Das einzige, was beide Städte gemeinsam haben, sind bekannte, weitgehen weiß gestrichene Schlösser: Bei Schwangau steht König Ludwig des II. steingewordener Größenwahn Neuschwanstein plus Schloss Hohenschwangau.

In Himeji findet sich das gleichnamige Burgschloss aus dem 17. Jahrhundert, das den Zweiten Weltkrieg trotz Bombentreffern fast unversehrt überstanden hat (im Gegensatz zu den meisten anderen japanischen Burgen wie z.B. Okayama Castle, die Krähenburg.

Im Unterschied zu Neuschwanstein ist Himeji, genannt „Die Burg des tanzenden weißen Reihers“, tatsächlich eine historische Festungsanlage – und zudem eine von der Unesco anerkannte Welterbe-Stätte (darauf warten die Bayern noch sehnlichst).

In Deutschland ist Burg Himeji durch die Serie „Shogun“ (1980er Jahre) bekannt – im James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ von 1967 taucht sie als Hautquartier der japanischen Geheimpolizei auf.

Wie ein solches, übrigens von einem Schwangauer Hotelier inspiriertes Abkommen den Tourismus ankurbeln soll, bleibt schleierhaft. Aber immerhin wäre es ein guter Grund, neue Neuschwanstein-Poster für Übersee zu drucken und sie von „typisch deutschen“ drallblonden Dirndel-Frolleins in Nippon verteilen zu lassen.

Alles weitere wird sich dann schon finden…

Allgäu-Online berichtet über das Projekt: „Partnerschaft zwischen Schloss Neuschwanstein und Burg Himeji
Mehr zu Burg Himeji-Jo bei Lifeinjapan.de: „Japans schönste Festungsanlage



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