Das Pfadfindergrab von Schloss Liedberg


Foto: Wikipedia / MFSG / CC-BY-SA 3.0
Schloss Liedberg in Korschenbroich (Kreis Neuss) / Foto: Wikipedia / MFSG / CC-BY-SA 3.0

Der 21./22. Juni 1930 war ein schwarzer Tag in der niederrheinischen Geschichte. 16 Mitglieder einer „Kolonial-Pfadfindergruppe“ aus Düsseldorf feierten (verbotenerweise) in den unterirdischen Gängen des Steinbruchs bei Schloss Liedberg die Sommersonnenwende und die Aufnahme neuer Mitglieder.

Von der Existenz des Labyrinths hatten sie aus einer Jugendzeitschrift erfahren. Rund 800 Meter sollen sie sich bei ihrem Ausflug entlang eines „Piratensaal“ genannten Gangs vom Eingang entfernt haben.

In der größten Kaverne, dem sogenannten Felsenkeller, vergruben sie eine Urkunde in einer Wand. Keine gute Idee, denn ihre Buddelei löste einen Felssturz aus.

Gut 200 Zentner an Steinbrocken lösten sich aus der Decke und begruben vier Jugendliche unter sich. Einen konnten seine Kameraden noch darunter hervorziehen.


Auch die sofort angerückte Liedberger Feuerwehr konnte die drei anderen nicht mehr retten. Es starben Heinrich Pöstgens, Albert Voigt und Paul Schneiders. Die Polizei verschloss umgehend die Eingänge zum einsturzgefährdeten Stollensystem. Heute markiert ein Kreuz mit den Namen der Verunglückten nahe des Schlosses den Eingang. Die Stelle ist als Pfadfindergrab bekannt.

Die Geschichte sorgte damals für besträchtliches Aufsehen (und erstaunlicherweise eine Eintrittswelle bei den Pfadfindern), speziell durch den Gruselfaktor: Angeblich konnte nur die Leiche von Pöstgens von der Feuerwehr geborgen werden. An die sterblichen Überreste von Voigt sei man nicht herangekommen, und von Paul Schneiders habe sich keine Spur gefunden.

Im Ort verbreitete sich die Geschichte, Schneiders sei möglicherweise gar nicht bei dem Felssturz umgekommen, sondern nur von seinen Kameraden getrennt worden und habe sich dann im Labyrinth verlaufen. Die Feuerwehr habe noch tagelang versucht, durch Klopfzeichen herauszubekommen, ob noch jemand durch die Gänge läuft. So steht’s zumindest in einem Eintrag bei Bunker.NRW.

Ich halte das für eine Legende: Wie ich so eine Niederrheinische Feuerwehr kenne, würde die eher den gesamten Berg abbaggern, als verschüttete Jugendliche dort liegenzulassen.

Die Neuss-Grevenbroicher Zeitung berichtete 2004: „Erinnerung an tragischen Unfall

Schloss Liedberg ist übrigens eine der ganz wenigen Höhenburgen am für seine notorische Flachheit bekannten Niederrhein, wo schon kleine Hügel als Hülser Berg oder Alpenausläufer gelten („Sonsbecker Schweiz“).

Und so „gespenstig“ sieht es heute rund um Schloss Liedberg und das Pfadfindergrab aus:



4 Gedanken zu „Das Pfadfindergrab von Schloss Liedberg“

  1. Danke für den Bericht.

    Die Erzählung vom Liedberger Unglück wird auch in so mancher Pfadfindergruppe der Region Jahrzehnt für Jahrzehnt weiter überliefert.

    Es bleibt allen Jugendgruppenleitern weltweit, ob Pfadfinder oder nicht, wohl nur die Trauer über die drei Toten und die Warnung, sich wenn überhaupt dann nur in gut erschlossene und wirklich sichere Höhlen zu begeben.

  2. […] am für seine notorische Flachheit bekannten Niederrhein (wo schon kleine Hügel als Hülser Berg oder Alpenausläufer (“Sonsbecker Schweiz”).

    Da fehlt ein „gelten“ o.ä., und aus der ersten Klammer würde ich ein Komma machen.

    Ansonsten ein schöner Beitrag.

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