Die Falschmünzer von Schloss Homburg

Schloss Homburg bei Nümbrecht / Foto: Wikipedia / Hullie / CC-BY-SA 3.0
Schloss Homburg bei Nümbrecht / Foto: Wikipedia / Hullie / CC-BY-SA 3.0

Der Flickenteppich aus deutschen Staaten, mit dem erst Napoleon aufräumte, enthielt ein paar besonders winzige Flicken – wie zum Beispiel die Reichsherrschaft Homburg.

Ein etwas pompöser Name für ein Gebilde das lediglich aus den Dörfern Nümbrecht und Wiehl bestand.

Er resultierte daher, dass Gottfried I. von Sayn den gesamten Besitz 1276 dem Kaiser übertragen hatte, um ihn postwendent als erbliches Lehen zurück zu erhalten.

Der adelige Dorfchef war jetzt reichsunmittelbar und konnte von seinem neugebaute Schloss Homburg über sein Ländchen schauen.


Diese Bindung an die Habsburger war eine ziemlich gute Idee, denn das Territorium war ringsum fast an allen Seiten vom Herzogtum Berg umgeben, dessen Herrscher es nur zu gern geschluckt hätten.

Aber das wäre ein Affront gegen Kaiser und Reich gewesen. Erst 1806 war mit der Eigenständigkeit Schluss…

Plakat der Ausstellung "Fürsten und Falschmünzer" / Bild: Oberbergischer Kreis
Plakat der Ausstellung „Fürsten und Falschmünzer“ / Bild: Oberbergischer Kreis

Heute beherbergt der einstige Herrschaftssitz der Grafen zu Seyn das Museum und Forum Schloss Homburg (Museum des Oberbergischen Kreises).. Am 22. Oktober öffnet hier übrigens eine interessante Ausstellung „Fürsten und Falschmünzer“. Und gegraben wird am Schloss auch gerade.

Aber der Reihe nach: Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren die Überreste des Heiligen Römischen Reichs ausgeplündert. Quasi jedes Territorium prägte seine eigenen Münzen.

Ein Gebiet, auf dem man durch kleine Fälschungen (also in der Regel einen geringeren Silberanteil als vorgeschrieben) ein Vermögen verdienen konnte – wobei für Falschmünzerei harte Strafen drohten.

Ganz vorn dabei beim Schlagen minderwertiger Zahlungsmittel (sogenannter Heckenmünzen) war Graf Gustav zu Sayn-Wittgenstein (1633 bis 1700).

Eine seiner Prägestätten befand sich ab 1690 vermutlich auf Schloss Homburg. „Er war im Metier der Falschmünzerei so umtriebig, dass er in mindestens fünf Heckenmünzen prägen ließ“, heißt es in der Presseinformation zur Ausstellung.

Im neuen „White Cube“-Gebäude am Schloss werden besondere Münzen, Münzwaagen, Druckgrafiken und Quellen rund ums Münzwesen der Grafschaft Sayn-Wittgenstein in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gezeigt. Einige Funde wurden bei einer Grabung im Barockgarten des Schlosses entdeckt.

Weil die gezeigten Objekte zum Teil ziemlich klein sind, gibt’s zur Eintrittskarte gleich eine Lupe dazu. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Januar 2015.

Weiterlesen:
Einen ausführlichen Artikel über die aktuelle Grabung auf dem Gelände des Schlosses schreibt Jens Höhner schreibt in der Oberbergischen Volkszeitung. Die Archäologen haben unterhalb des Schloss-Forsthauses den Steinboden eines Gebäudes freigelegt, vermutlich ein Wirtschaftsgebäude. Gespannt suchen sie das Erdreich auch nach Resten der Prägestätte und gräflichen Heckenmünzen ab: „Warten auf den ersten Silbertaler

Zur Ausstellungs-Ankündigung durch den Oberbergischen Kreis geht es hier: „,Fürsten und Falschmünzer‘ auf Schloss Homburg



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