Schloss Leutstetten: Von den Nazis konfisziert


Schloss Leutstetten / Foto: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 3.0
Schloss Leutstetten / Foto: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 3.0

Burgen und Schlösser übten auf Nazi-Funktionäre eine starke Faszination aus: Auf trutzigen „Ordensburgen“ sollte der Führungsnachwuchs („zäh, Leder, Windhunde…“) herangezogen werden. Schlösser aus Renaissance und Barock eigneten sich eher als repräsentative Wohnungen für die neureich-protzige Parteielite. Sie wurden reihenweise requiriert.

So auch das schmucke Schloss Leutstetten nahe Starnberg in Oberbayern (erbaut ab 1552). Seit 1875 war die Renaissance-Anlage im Besitz der bayerischen Königsfamilie.

Daran änderte auch die Revolution von 1918 nichts. Nach dem Tod des letzten bayerischen Königs Ludwig III. 1921 erbte sein Sohn Rupprecht von Bayern.


Rupprecht, letzter Kronprinz von Bayern, ließ das Schloss von 1936 bis 1938 noch erweitern. Den Bauarbeiten sahen die örtlichen Nationalsozialisten geduldig zu. Bei Kriegsbeginn wurde die Anlage dann konfisziert.

Schloss Leutstetten im Krieg: Kaum ausgebaut, schon konfiziert / Foto: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 2.5
Schloss Leutstetten im Krieg: Kaum ausgebaut, schon konfisziert / Foto: Wikipedia / Gras-Ober / CC-BY-SA 2.5

Nutznießer war „SS-Brigadeführer“ Christian Weber, Hitlers Mann für die Pferdezucht. Der grobschlächtige Ex-Pferdeknecht sammelte allerlei Ämter an, die sich um die Reiterei drehten, u.a. amtierte er als Präsident des „Wirtschaftsbunds Deutscher Rennstallbesitzer und Vollblutzüchter“ und als Inspekteur der SS-Reitschulen.

Weber war bekannt dafür, zu versuchen, sich „arisierten“ Besitz unter den Nagel zu reißen. Angesichts seiner Duz-Freundschaft mit Hitler konnte sich der „Alte Kämpfer“ einiges erlauben. Zu seinem Ärger wurde das Schloss in den letzten Kriegstagen zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Auch der Bildhauer Arno Breker gehörte in den Wochen nach Kriegsende dazu.

Weber ging den Amerikanern am 1. Mai 1945 in Brandenburg in Netz. Bei der Verlegung nach Heilbronn starb er bei einem Unfall des Gefangenentransporters.

Nach dem Krieg erhielt die Familie von Bayern das Schloss zurück. Heute gehört es Luitpold Prinz von Bayern, Urenkel von „Kini“ Ludwig II.

Schlossbewohnerin Auguste von Bayern erforscht Dohlen / Foto: Wikipedia / Tony Hisgett / CC-BY-SA 2.0
Schlossbewohnerin Dr. Auguste von Bayern erforscht Dohlen / Foto: Wikipedia / Tony Hisgett / CC-BY-SA 2.0

Eine der heutigen Schlossbewohnerinnen ist (wenn sie nicht gerade in Oxford forscht) Luitpolds älteste Tochter, Dr. Auguste von Bayern. Die Wissenschaftlerin hat sich als Verhaltensforscherin und – schönen Gruß an die Korrekturleserin dieses Textes – Vogelexpertin einen Namen gemacht. Sie hat zum Thema „Soziale Intelligenz und soziokognitive Fähigkeiten von Dohlen“ promoviert.

Gerade kam die Ornithologin in der spannend-lehrreichen Arte-Doku „Können Tiere denken?“ zu Wort.

Dabei ging es darum, wie Dohlen und Raben auf ausgesprochen schlaue Art Aufgaben lösen, wenn sie dadurch an Fressen kommen – und dass die Vögel in der Lage sind, sich noch nach drei Jahren an Artgenossen zu erinnern, mit denen sie mal zusammengelebt haben.

Schloss und Park Leutstetten sind Privatgelände. Besichtigungen sind nicht möglich. Einkehren kann man allerdings in der dem Schloss gegenüberliegenden Schlossgaststätte Leutstetten (mit Königlich-Bayerischem Biergarten).

Weiterlesen:
Ursula Kals in der FAZ im November 2012: „Auguste von Bayern: Die Prinzessin und die Rabenvögel



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