Billig-Burgenblogger für Burg Sooneck gesucht


Burg Sooneck am Mittelrhein
Burg Sooneck am Mittelrhein: Hier soll der Burgenblogger wohnen / Fotos: Burgerbe.de

„Das Mittelrheintal“ sucht einen Burgenblogger. Genauer: Die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, die Rhein-Zeitung und die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz suchen jemanden, der ein halbes Jahr lang auf der malerisch über dem Rhein gelegenen Burg Sooneck wohnt.

Von dort aus soll er gegen eine „Aufwandsentschädigung“ von 2000 Euro Brutto (Werkvertrag) über den „Pulsschlag des Mittelrheintals“ bloggen. Auch kritische Anmerkungen sollen erlaubt sein.

Nein, ich werde mich nicht bewerben. Ich finde einen urlaubslosen Sommer für 2000 Brutto auch nicht gerade üppig. Jede Zeitungsvolontär im zweiten Tarif-Lehrjahr hat da mehr in der Tasche. Um die Qualität zu bekommen, die sie suchen, hätten die so etwas knausrig erscheinenden Organisatoren besser noch einen Tausi oder zumindest 500 Euro draufgelegt.

Dann wäre ich allerdings neidisch.


Stellenbeschreibung: Der Burgenblogger soll von Mai bis Oktober 2015 auf Burg Sooneck mitten im Welterbe Mittelrheintal leben und arbeiten. Die Auftraggeber sind immerhin so realistisch, dem finanziell kurzgehaltenen Blogger zu erlauben, von seiner Kemenate aus noch andere Projekte weiterzuverfolgen. Er wird schließlich auch anschließend von irgendetwas leben müssen.

Block von Burg Sooneck auf den Rhein
Block von Burg Sooneck auf den benachbarten Steinbruch und den Rhein

Aber der Billigblogger Burgenblogger sollte sich genügend Zeit nehmen, „um das Tal, seine Menschen, seine Vorzüge und Besonderheiten, seine Chancen und Probleme kennenzulernen – im Dialog mit möglichst vielen Menschen am Mittelrhein und den Gastgebern, überwiegend aber auf eigene Faust“, schreibt die Rhein-Zeitung. So eine Art Stadtschreiber, nur eben für eine ganze Region.

Bin ja mal gespannt, ob die Artikel in der Rhein-Zeitung wie die anderen dortigen Lokal-Inhalte dann auch hinter einer Paywall versteckt werden…

Ich habe ihm hier schon mal ein paar Hinweise gegeben, was er tunlichst nicht tun sollte: „Ratschläge für einen schlechten Burgenblogger„.

Keine Angst: Burg Sooneck ist kein zugiger, halbverfallener Mittelalterbau, sondern eine 1861 fertiggestellte Rekonstruktion mit fließend Wasser und (wie ich hoffe?) Internet. Ein preußisches Märchenschloss am Rhein.

Nur wie geplant als prinzliches Jagdschloss wurde es nie genutzt. Aus dieser Zeit hat sich die biedermeierliche Einrichtung erhalten.

Die Mittelrheintal-Enthusiasten täten m.E. eher gut daran, dass Geld für eine jesidische Flüchtlingsfamilie zu spenden und deren Erlebnisse am Mittelrhein aufzuschreiben.

PS: Die Idee, im Sommerhalbjahr Stadtschreiber zu beschäftigen haben diverse Städe, z.B. Magdeburg. Und in Sachsen-Anhalt weiß man zumindest, dass auch genügsame Literaten mit 1200 Euro nur schwer über die Runden kommen.

Das Schild kann der Burgenblogger getrost ignorieren...
Dieses Schild auf Burg Sooneck kann der Burgenblogger getrost ignorieren…

Daher sind Lesungen gegen Honorar eingeplant. Vielleicht kann sich ja auch der Mittelrhein-Schreiber sein Volo-Salär so aufbessern.

Zu wünschen wäre es ihm, denn die PR-Aktion an sich ist ja prima und schlägt unter dem Hashtag #Burgenblogger bei Twitter schon reichlich Wellen. Auch dieser Artikel wurde schon mehr als 200 Mal aufgerufen.

Bewerben kann man sich bis zum 14. September 2014 via E-Mail bei burgenblogger[at]rhein-zeitung.net. Bitte ein Motivationsschreiben beilegen und ein paar Sätze zu Social Media-Erfahrungen hinzufügen.

Man kann mich da oben übrigens auch zum Kaffee einladen. Viel Glück beim Versuch, Chefredakteur Christian Lindner zu überzeugen!

Hier geht es zum Artikel der Rhein-Zeitung: „Mittelrhein sucht einen Burgenblogger
Und hier die Ausschreibung auf der Rhein-Zeitungs-Seite
Eliterator.de findet die Idee gut: „Auf einer Burg wohnen, bloggen und 2.000 Euro bekommen
Sandra vom Blog Spirit Melodies hat sich schon als Burgenblogger beworben
Die Domain Burgenblogger.de hat sich spontan Torsten Maue aus Magdeburg gesichert (ein kluger Schachzug, hätte ich auch drauf kommen können…).

Mehr Historisches zur Burg hier im Blog: „Die Raubritter von Burg Sooneck

Burg Sooneck am Mittelrhein bei Google Maps:



10 Gedanken zu „Billig-Burgenblogger für Burg Sooneck gesucht“

  1. „Jammern auf sehr hohem Niveau“? Ich empfinde die Einlassungen des Herrn Jan Popp-Sewing schlicht als Frechheit eines offensichtlich bestens alimentierten Schreibers o.ä. Wer als freier Autor, Künstler ö.ä. sich durch Leben schlägt, dem muss dieses „Stellenangebot“ wie ein Versprechen auf ein halbjähriges Paradies vorkommen. Aber da werden natürlich schon wieder Tarife gewälzt, wird gejammert ob der horrenden Nebenkosten etc. mein Gott! Was seid Ihr alle verwöhnt und gierig! Es ist zum K…!
    Etwas Gutes hat die ganze Sache: Jan Popp-Sewing wird sich nicht bewerben. Gut so! Und die anderen Quengler bitte auch nicht. Das erhöht die Chance für diejenigen, die ein solches Angebot zu schätzen wissen. Christoph Rösner, ein Bewerber.

  2. 2000 € im Monat klingt auf den ersten Blick doch gut – ist die Unterkunft doch immerhin frei. Mich irritiert allerdings der Werkvertrag. Als Burgenblogger darf man sich dann wohl mit horrenden Sozialversicherungsabgaben, eigener Krankenversicherung und Steuerfragen herumschlagen, wenn ich es richtig verstehe? Was bleibt dann noch? Etwa die Hälfte? Und die heimatliche Wohnung mit all ihrem Inhalt wird wohl keiner für die 6 Monate aufgeben, also heißt es weiter Miete zahlen … und Fahrtkosten zu den Sehenswürdigkeiten … und Eintrittsgelder … und, und, und …

    Ja, bei genauerer Betrachtung liegst du mit dem Billigblogger wohl gar nicht so falsch. Da bleibt am Ende nicht viel übrig, wenn man alles aus eigener Tasche zahlen muss. Aber eine schöne Zeit hatte man hoffentlich und das ist doch auch etwas 😉

  3. @Gast – ich hab im Artikel mal als Service die aktuelle Tariftabelle als PDF angebunden… Die geizigen Verlage, die aus dem Tarif ausgestiegen sind, zahlen freilich zum Zeil McDonalds-Gehälter.

  4. Aus Sicht eines österreichischen Nachbarn bleibt es dennoch ein Jammern auf sehr hohem Niveau. 😉
    („Volontariat“ wird hierzulande grundsätzlich mit „unbezahlt“ in Verbindung gebracht.)

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