Die Rettung von Schloss Aulendorf in Schwaben


Strahlend Weiß: Schloss Aulendorf / Fotos: Burgerbe.de
Strahlend Weiß: Schloss Aulendorf. Dieser Teil entstand 1699-1702  / Fotos: Burgerbe.de

Dass es Schloss Aulendorf nördlich des Bodensees noch gibt, ist ein Glücksfall. Allerdings ein teurer. Anfang der 1980er Jahre war das Wahrzeichen des Städtchens Aulendorf – zum Teil nach dem Vorbild französischer Barockschlösser – stark verfallen.

Das Land Baden-Württemberg sprang als Retter ein und investierte von 1989 bis 2000 den Gegenwert von stolzen 32 Millionen Euro in die Sanierung der vom Land als „bedeutendes Baudenkmal“ klassifizierten Immobilie.  Heute beherbergt das Schloss Teile der Stadtverwaltung und ein Schloss-/Spielzeugmuseum.

Rückblick: Im 12. Jahrhundert entstand hier eine recht große Burg, zunächst welfisch, dann staufisch – Teile ihrer Ringmauern sind heute in den Bau integriert. 560 Jahre lang – von 1381 bis 1941 – ist die Anlage im Besitz der Grafen von Königsegg-Aulendorf.


Die immerhin reichsunmittelbaren Grafen bauten die Burg zunächst im 14. und 15. Jahrhundert wehrhaft aus: Sie bekam ein befestigtes Tor und einen Treppenturm im Innenhof.

Diese Tafel zeigt die Baugeschichte von Schloss Aulendorf (Anklicken zum Vergrößern)
Diese Tafel zeigt die Baugeschichte von Schloss Aulendorf (Anklicken zum Vergrößern)

Den Dreißigjährigen Krieg überstand die Anlage gut. 1699 bis 1701 bauten die Königsegger sie dann durch Erweiterungen im Barockstil massiv aus und machten eine prächtige Residenz daraus.

Als Architekten holten sie sich dazu den Vorarlberger Johann Beer und den Franzosen Feignet.

Dabei bekam das Schloss weitgehend seine heutige, weithin sichtbare Gestalt mit den  prägnanten gotischen Staffelgiebeln. Die Grafen und ihre Gattinnen waren ziemlich bauwütig: Die Baugeschichte des Schlosses umfasst durch die Jahrhunderte fünf Stilepochen. Anhand einer Tafel am Schloss (Bild links) lässt sich das gut nachverfolgen.

Schluss mit der Regierungsverantwortung in Grafenhand war dann 1806.


Das Museum Schloss Aulendorf zeigt altes Spielzeug und mehr
Das Museum Schloss Aulendorf im klassizistischen Anbau zeigt altes Spielzeug und mehr

Das Mini-Territorium fiel an Württemberg, und die einstigen Machthaber schauten nur noch gelegentlich vorbei. Netterweise ließen sie das Schloss um 1900 nochmal renovieren.

Rein beruflich war den Grafen die Verwaltung ihres Besitzes ohnehin zu wenig gewesen. Traditionell bekleideten die Königsegger hohe Ämter am Habsburger Hof in Wien. Graf und Gräfin waren beispielsweise Oberhofmeister bei Kaiserin Elisabeth („Sisi“).

1941 verkaufte der Graf das Schloss an die Reichspost. Die nutzte es zur Erholung für gestresste Mitarbeiter – und transportierte die Inneneinrichtung nach Osten ab.

Ritter-Kunst vor Schloss Aulendorf
Ritter-Kunst vor Schloss Aulendorf

Das ausgeschlachtete Schloss fiel in den 1960er Jahren an den Verein Freundeskreis Bayern und Schwaben, der natürlich keine Mittel hatte, eine so große Anlage zu erhalten.

Jahre des Verfalls folgten. Der Hausschwamm machte sich in vielen Räumen breit. Sogar über einen Abriss wurde schon nachgedacht. Der Verein vererbte das Schloss dann bei seiner Auflösung an das Land, das eine jahrelange Sanierung startete.

Heute ist das strahlend weiße Schloss wieder ein Schmuckstück. Im Schlossmuseum in der ehemaligen Schlossbibliothek wird die Spielzeugsammlung des Landesmuseums Württemberg gezeigt: Historische Spielsachen aus der Zeit seit dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, darunter auch eine Sammlung von Dampfmaschinen und historischen Eisenbahn-Modellen.

Zur Geschichte des Schlosses schreibt Barbara Schupp auf Schwäbische.de: „Schloss Aulendorf – in letzter Minute gerettetes Schmuckstück

Und hier geht’s zur Seite des Schlossmuseums Aulendorf

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