Gustav Krupps abgeschottetes Alpenschloss Blühnbach

Schloss Blühnbach war jahrzehntelang im Besitz der Firma Krupp / Foto: Wikipedia / Thomas Cramer / CC BY 3.0 DE
Schloss Blühnbach war jahrzehntelang im Besitz der Firma Krupp / Foto: Wikipedia / Thomas Cramer / CC BY 3.0 DE

Ein Großindustrieller ohne Schloss? Das war im deutschen Kaiserreich undenkbar. Stahlbaron August Thyssen residierte auf Schloss Landsberg bei Ratingen, und die Essener Krupp-Dynastie hatte ihre Villa Hügel.

Aber so ein echtes Schloss mit fürstlichem Charme ersetzte die Villa natürlich nicht. Da traf es sich gut, dass mitten im Ersten Weltkrieg Schloss Blühnbach in einem abgelegenen Alpental nahe Salzburg zum Verkauf stand – inklusive eines eingezäunten Jagdgebiets von 14.000 Hektar Wald in den Berchtesgadener Alpen. Ein Revier voller Hirsche.

Gustav Krupp und seine Frau Bertha kauften das Anwesen 1917, das von nun an eng mit der Krupp’schen Familiengeschichte verbunden sein sollte.


Vorvorbesitzer war Erzherzog Franz Ferdinand gewesen. Der Habsburger hatte das einstige fürstbischöfliche Jagdschloss aus dem 17. Jahrhundert 1908 gekauft und umbauen lassen. Allzuviel hatte er von seinem Besitz nicht: Die Schüsse in Sarajevo vor 100 Jahren kamen dazwischen.

Das Salzachtal bei Werfen - in einem der Nebentäler liegt Schloss Blühnbach / Foto: Burgerbe.de
Das Salzachtal bei Werfen – in einem der Nebentäler liegt Schloss Blühnbach / Foto: Burgerbe.de

Dass dann just die Familie, die mit dem Verkauf ihrer Waffen mit am meisten vom Ersten Weltkrieg profitieren sollte, das Schloss des getöteten Thronfolgers übernahm, ist schon eine eigenartige Wendung der Geschichte. Die Krupps nutzten ihr Alpendomizil als Sommerresidenz.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das ruhige Alpental zum Rückzugsort: Der demente Gustav Krupp dämmerte hier vor sich hin. Der bei Kriegsende siebenjährige Arndt von Bohlen und Halbach wohnte mit seiner Mutter Anneliese im Schloss.

Die 1945 einrückenden Amerikaner durchsuchten das Haus nach belastenden Unterlagen und verwiesen die Krupps aus dem Schloss in ein Nebengebäude. Das Schloss mit seinen 80 Zimmern wurde zum Flüchtlingsheim.

Gustav Krupp starb 1950 auf Schloss Blühnbach / Foto: Bundesarchiv / CC-BY-SA-3.0-de
Gustav Krupp starb 1950 auf Schloss Blühnbach / Foto: Bundesarchiv / Lizenz: CC-BY-SA-3.0-de

Erst 1956 bekam die Familie ihren alpinen Besitz offiziell wieder zurück. Gustav Krupp war bereits 1950 auf Blühnbach gestorben.

Sein Enkel, der Jetsetter Arndt von Bohlen und Halbach nutzte die Schlosskapelle 1969 für eine „Vernunftehe“ mit Hetti von Auersberg. Er trennte sich 1972 von dem riesigen Jagdgebiet.

Seine Beziehung zum Schloss, in dem er glückliche Kindheitsjahre verbracht hatte, blieb eng: Nach seinem Tod 1986 wurde Arndt von Bohlen und Halbach in der Gruft der Kapelle bestattet. Die Kruppsche Familienstiftung verkaufte das Schloss 1988 an den US-Industriellen Frederick R. Koch.

Es ist nicht öffentlich zugänglich, das Gelände ist eingezäunt – sehr zum Ärger von Wanderern.

Die TV-Zuschauer bekamen Schloss Blühbach dann 2009 im ZDF-Doku-Drama „Krupp – Eine deutsche Familie“ zu sehen. Auf Villa Hügel durfte nicht gedreht werden – aber überraschenderweise gelang es dem stellvertretenden Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer den US-Multimillionär für Dreharbeiten am Originalschauplatz zu gewinnen. Man kannte sich von der Arbeit als Anwälte, schreibt der Salzburger Monat.

Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich übrigens die ansehnliche Burg Hohenwerfen. Auch gelegentlich ein Kino-Drehort (z.B. für Sherlock Holmes 2). Und dieses historische Bauwerk darf besichtigt werden…

Weiterlesen:
Zur Geschichte von Schloss Blühnbach vor allem unter den Erzbischöfen gibt es einen Wikipedia-Eintrag.
Der „Reseführer durch die braune Topographie von Salzburg“ mit dem Titel „Im Schatten der Mozartkugel“ beschäftigt sich kritisch mit der Rolle der Krupps und ihrem Schloss: „Schloss Blühnbach: Könige der Kanonen

Schloss Blühnach aus der Luft:



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