Schloss Püchau: Schmuckstück an der Mulde


Die "artour" besuchte auch Schloss Püchau bei Leipzig / Foto: Wikipedia / Z thomas / CC BY 3.0 DE
Die „artour“ besuchte auch Schloss Püchau bei Leipzig / Foto: Wikipedia / Z thomas / CC BY 3.0 DE

Als die DDR sich in ein Ideologiewölkchen auflöste, blieben hunderte verfallende Burgen und Schlösser in den „Neuen Ländern“ zurück. Reihenweise kauften Investoren ab 1990 einst prächtige Anwesen mit dem Versprechen, sie wieder zur alten Blüte zu führen.

Allzuoft ging das schief, Thüringen steht im Fall Schloss Reinhardsbrunn wohl sogar vor einer Enteignung des russischen Eigentümers.

Das MDR-Fernsehen schaut dagegen in seiner Reihe „artour“ auf sächsische Schlösser, bei denen die neuen Schlossherrn tatsächlich Enormes geleistet haben.

Folge 3 beschäftigt sich mit dem Tudor-Schloss Püchau in Machern, 25 Kilometer von Leipzig: Das Ehepaar Goldhahn kaufte das Schloss 1998 für 300.000 Mark vom Landkreis Leipzig.


Es ist laut MDR der einzige Fall, in dem ein sächsisches Schloss nach der Wende nicht von „Wessies“, sondern von gebürtigen Ostdeutschen erworben worden ist.

Benita Goldhahn hat als Maklerin in Leipzig gut verdient – und einen erheblichen Teil davon in die Sanierung des Schlosses gesteckt. Den Erhalt des Schlosses für künftige Generationen sieht sie als ihre Lebensaufgabe. Zusammen mit ihrem Mann Lothar bietet sie Schlossführungen im historischen Kostüm an (Vorsicht, es wird auch gesungen).


Die Fassade im Tudorstil / Foto: Screenshot Youtube
Die Fassade im Tudorstil / Foto: Screenshot Youtube

Der MDR zeigt dank Flugdrohne tolle Aufnahmen der um einen Hof gruppierten Schlossgebäude. Man kann Säle (der Festsaal ist neun Meter hoch!) auch mieten – speziell für Hochzeitsfeiern ein herrliches Ambiente.

Der Boden hier am Flüsschen Mulde ist geschichtsträchtig: 924 floh König Heinrich I. vor den Ungarn auf die Burg Püchau. Der Komplex war lange in kirchlichem Besitz und fiel 1420 an den Kurfürsten von Sachsen. Seine verspielte Form mit vielen Türmchen erhielt das Schloss unter der Familie von Hohental, die es von 1807 bis 1945 in Besitz hatten. Sie wurden enteignet.

Im Februar 1912 hatte eine Windhose an Schloss und Park große Schäden angerichtet. Sogar der sächsische König Friedrich August III. kam vorbei, um sich das Malheur anzusehen. Damach ließ Carl Christian Gottlieb Moritz Graf von Hohental-Püchau das Schloss entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack im Tudorstil umbauen.

Szenenbild aus "Heimweh nach drüben": Das Schloss als Baustelle / Bild: Youtube
Szenenbild aus „Heimweh nach drüben“: Das Schloss als Baustelle / Bild: Youtube

Inzwischen ist die Anlage ein beliebter Drehort. 2004 diente sie als Kulisse für die Gaunerkomödie „Männer im gefährlichen Alter“ mit Friedrich von Thun, Fritz Wepper und Gaby Dohm. 2009 spielen hier Szenen des Ost-West-Dramas „Heimweh nach drüben“ mit Wolfgang Stumph.

Nicht erwähnt werden im MDR-Beitrag übrigens die erheblichen Schwierigkeiten, die die Schlosseigentümer mit den Behörden des Kreises hatten. 2010 hatte ihnen der Kreis kurzzeitig sogar die Nutzung des Besitzes kurzzeitig untersagt.

Bei dem Streit ging es unter anderem um angeblich fehlende Feuerlöscher. Die Unstimmigkeiten sind inzwischen hoffe ich beigelegt (mehr dazu in der LVZ: „Burgfrieden im Püchauer Schloss-Streit“ und Bild-Online: „Hausverbot in Püchau„).

Hier geht es zum Beitrag über Schloss Püchau in der MDR Mediathek

Allerlei Fotos vom Schloss stehen im Blog Alltagsbilder.
Hier geht’s zur Homepage von Schloss Püchau (sehr ausführlich, viele Fotos)

Und so sieht Schloss Püchau bei GoogleMaps aus der Luft aus aus:

Filmaufnahmen eines Schlossbesuchs:

Ein etwas gruselig vertontes Werbefilmchen (aarg, diese Musik):



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