Hitlers kaiserliches Schloss in Posen


Der Westflügel des Schlosses / Foto: Wikipedia / Radomil / CC BY 3.0 DE
Der Westflügel des Posener Schlosses / Foto: Wikipedia / Radomil / CC BY 3.0 DE

Burgen und Schlösser waren immer auch eine architektonische Inszenierung der Macht. Kein Wunder, dass Kaiser Wilhelm Zwo ebenso fasziniert von klotzig-„germanischen“ Burgen war wie später die Nazis.

Kaiser und Nazis gemeinsam war ein Faible für Burgen in eroberten Gebieten – als Symbol der deutschen Herrschaft. Aus diesem Gedanken heraus entstand zu Wilhelms Zeiten im annektierten Elsass die Haut-Koenigsbourg und im ehemals polnischen Posen (heute Poznan) zwischen 1905 und 1910 das neoromanische, kaiserliche Residenzschloss Posen.

30 Jahre später sollte der Nazi-Gauleiter Arthur Greiser hier residieren und immer ein Arbeitszimmer für Adolf Hitler bereithalten, der von hier aus prunkvoll über die eroberten Ostgebiete gebieten wollte.



Treppenflucht im Posener Schloss / Foto: Wikipedia / CKZamek Schody 135-13 / CC BY 2.5
Treppenflucht im Posener Schloss / Foto: Wikipedia / CKZamek Schody 135-13 / CC BY 2.5

Die Geschichte in Form der Roten Armee machte den Eroberern einen Strich durch die Rechnung.

Wundersamerweise blieb das protzige Innere des Posener Schlosses mit seinen Marmorwänden, Treppenfluchten und opulenten Lüstern weitestgehend erhalten und wird nun regelmäßig alle paar Jahre von deutschen Fernsehteams entdeckt.

Rückblende: 1793 war mal wieder Schluss mit einem selbstständigen Polen: Im Zuge der Zweiten Polnischen Teilung marschierten preußische Truppen in Posen ein. Die Eroberer fanden ein marodes Schloss der polnischen Könige vor, das sie wieder instand setzten, um es selbst zu nutzen.

Mit kurzer Unterbrechung durch das von Napoleon ins Leben gerufene Großherzogtum Warschau konnten sich die Preußen hier mehr als 110 Jahre lang halten.

Reichlich unbequem: Wilhelms Thron im Posener Schloss / Foto: Wikipedia
Reichlich unbequem: Wilhelms Thron im Posener Schloss / Foto: Wikipedia / Radomil / CC BY 3.0 DE

Als es zu wilhelminischer Zeit darum ging, nach Schleifen der Befestigungsanlagen ein „deutsches“ Stadtzentrum mit Oper, Rathaus, Postamt etc. zu errichten, sollte auch ein kaiserliches Residenzschloss her. Schließlich waren die Hohenzollern auch Großherzöge von Posen.

Bei den Entwürfen orientierte sich Architekt Franz Schwechtenman an mittelalterlichen Kaiserpfalzen. Daher der klotzig-kompakte, romanische Stil mit vielen Rundbögen. Majestät bekam einen eigenen Eingang, den nur ER benutzen durfte. Und sicher auch gelegentlich die Putzfrau.


Wäre der unruhige Kaiser nachts im Schloss schlafgewandelt, hätte er sich ganz schön erschrecken können: Vor seinem Schlafzimmer standen vier Statuen grimmiger Kaiser – Barbarossa und so Leute. Der gottesfürchtige Monarch bekam auch gleich eine Privatkapelle. Auch an die nächste Generation der Hohenzollern, also an den Kronprinzen, wurde mit Räumen im ersten Stock gedacht.

Der prägnante Turm des Posener Schlosses wurde nach dem Krieg um 20 Meter grkürzt
Der prägnante Turm des Posener Schlosses wurde nach dem Krieg um 20 Meter gekürzt / Foto: Wikipedia / Radomil / CC BY 3.0 DE

Am 20. August 1910 weihte der Kaiser mit der ganzem Familie bei strahlendem Sonnenschein „sein“ neuestes Schloss ein. Der Imperator Rex sollte dort bis zu seiner Flucht in die Niederlande nur eine Nacht schlafen, das war 1915 auf der Durchreise.

Der Versailler Vertrag zwang die Deutschen zur Abtretung von Posen an den widererstandenen polnischen Staat. Die Republik Polen nutzte das Schloss als eine der Residenzen ihres Präsidenten und als Dependance der Universität Posen.

Mit der präsidialen und akademischen Ruhe war es dann 1939 schlagartig vorbei. Die Deutschen waren wieder da, größenwahnsinniger denn je.

Eingang der ehemaligen Kapelle, die dann zu Hitlers Arbeitszimmer wurde, das er nie nutzte
Eingang der ehemaligen Kapelle, die dann zu Hitlers Arbeitszimmer wurde, das der Diktator nie nutzte / Foto: Wikipedia / Radomil / CC BY 3.0 DE

Hitler ordnete umgehend den Ausbau des Posener Schlosses zur repräsentativen „Führerresidenz“ an. Als Stellvertreter der Führers im annektierten „Reichshau Wartheland“ sollte hier der jeweilige Gauleiter residieren.

Albert Speer übergab dem jungen Architekten Franz Böhme die Planungen und einige gute Ratschläge. Auch Hitler hatte noch ein paar Ideen. 600 Arbeiter, darunter viele Zwangsarbeiter, schufteten drei Jahre lang, um die Nazi-Utopie Wirklichkeit werden zu lassen. 1943 meldete sich Böhme schließlich völlig entnervt freiwillig zur Ostfront.

Bis Ende des Jahres war nur die Etage für den Gauleiter fertig. Im nächsten Jahr wurde dann Wilhelms Privatkapelle zum 130 Quadratmeter großen „Arbeitszimmer des Führers“: Ein Alptraum aus Marmor. Der Diktator hat es nie betreten.

Den Krieg hat das Schloss weitgehend unbeschadet überstanden. Nur der Turm musste wegen eines Bombenschadens um 20 Meter verkürzt werden.

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Nach dem Krieg war das Schloss Lazarett, dann Sitz von Verwaltung und Universität. Heute ist das einstige Hassobjekt mit dem Invasoren-Makel ein beliebtes Kulturzentrum, einige Räume sind an Firmen vermietet. Im Untergeschoss wird im Blue Note Jazz Club Musik gemacht, die weder der Kaiser noch Adolf gemocht hätten…

Weiterlesen:
Hier schreibt der RBB über den Film „Geheimnisvolle Orte – Hitlers Schloss in Posen
Ein aufschlussreicher Artikel von Michael Zajonz stand im Tagesspiegel: „Poznan: Schloss mit Preußen
Für Hitler wurde noch ein weiteres Schloss im heutigen Polen hergerichtet: Fürstenstein in Schlesien („Projekt Riese“)

Die Deutsche Welle zu Besuch in Posen/Poznan (am Ende auch mit Innenaufnahmen aus dem Schloss):

Und hier der Blick aus der Luft:

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