Schloss Harff: Gesprengt für den Tagebau


Im Schatten des gotischen Bergfrieds: Schloss Harff kurz vor der Sprengung / Foto: Sammlung Ludger Allhoff / gemeinfrei
Im Schatten des gotischen Bergfrieds: Schloss Harff kurz vor der Sprengung / Foto: Sammlung Ludger Allhoff / gemeinfrei

In der DDR störten Burgen und Schlösser aus ideologischen Gründen – und wurden reihenweise gesprengt. In Westdeutschland war der Hass auf die „Junker“ nicht so ausgeprägt – doch so manches alte Schloss stand trotzdem auf der Abschussliste, weil es dem Wirtschaftswunder im Weg war.

Ein solcher Fall war Schloss Harff mit seinem 15 Hektar großen englischen Landschaftsgarten in Bedburg. Da das Schloss dem sich immer weiter ausdehnenden Tagebau Frimmersdorf im Weg war, ließen die Rheinischen Braunkohlenwerke (später Firma Rheinbraun, heute Teil von RWE) es kurzerhand sprengen.


Im Rückblick eine Kultursünde erster Güte. Die Sprengung wird heute gerne als Argument angeführt, wie der NRW-Tagebau eine Kulturlandschaft vernichtet (Link zu Zeit-Online-Artikel von 2013).

Heute erinnern nur noch ein Gedenkstein und eine Infotafel mit den Grundrissen an die einstige Wasserburg der Herren von Harff.

Schloss Harff um 1860 / Sammlung Duncker / gemeinfrei
Schloss Harff um 1860 / Sammlung Duncker / gemeinfrei

Die Anlage wurde dominiert von einem gotischen Hauptturm aus dem 14. Jahrhundert. Er wurde mehrfach aufgestockt und war am Ende acht Stockwerke hoch.

Hier wohnte Arnold von Harff, der von 1496 bis 1498 durch ganz Europa bis nach Jerusalem reiste und sich dabei fleißig Notizen machte. Sein Tagebuch („Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Harff“) gehört zu den frühen Reiseklassikern der deutschen Literatur.

Aus der mittelalterlichen Wasserburg an der Erft wurde mit der Zeit ein repräsentatives Schlösschen. 1824 kam ein weiterer Turm hinzu. Die Vorburg wurde bereits 1886 abgebrochen, um den Blick auf den Park zu verbessern.

Hier lagerte die umfangreiche Bibliothek der Grafen von Mirbach-Harff mit vielen spätmittelalterlichen Handschriften. Dazu gehörte auch die älteste datierte Handschrift des Sachsenspiegels von 1295.

Schlossherr Graf Wilhelm von Mirbach-Harff (übrigens ein Schüler der von seiner Familie gegründeten Ritterakademie Bedburg) war nach dem Frieden von Brest-Litowsk deutscher Botschafter in Moskau. Dort wurde er 1918 von Revolutionären bei einem Handgranaten-Attentat ermordet. Er wurde in der Kapelle von Schloss Harff aufgebahrt.

Ich habe leider keine Belege zu Bürgerprotesten gegen die Sprengung gefunden, kann mir aber nicht vorstellen, dass es keine gegeben hat.

Schloss Harff war nicht die einzige Burg die dem rheinischen Braunkohlenrevier zum Opfer fiel: 1963/64 hatte Rheinbraun bereits Burg Lürken bei Eschweiler abreißen lassen. Eine Notgrabung konnte noch feststellen, dass die Anlage an der Stelle einer römischen Villa rustica entstanden war.

Beim einige Kilometer entfernten Schloss Paffendorf gingen die Tagebau-Betreiber klüger vor: Sie haben es saniert und zu einem Schmuckstück gemacht, in dem die Geschichte des Kohleabbaus in den leuchtendsten Farben geschildert wird…

Innenansichten aus dem Schloss finden sich auf der Seite der Schill’schen Offiziere von Morken-Harff

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