Die Ruine der Landesburg Lechenich / Fotos: Burgerbe.de

Landesburg Lechenich: Eine Ruine wächst zu


Privatbesitz - kein Zutritt: Tor zur Landesburg Lechenich
Privatbesitz – kein Zutritt: Tor zur Landesburg Lechenich in Erftstadt / Fotos: Burgerbe.de

Der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg hatte seine Kölner Schäfchen in der Schlacht von Worringen 1288 von einer ziemlich unangenehmen Seite erlebt. Die Bürgermiliz der Domstadt kämpfte berserkerhaft auf Seiten seiner (auch noch siegreichen) Gegner.

Die Lust von Westerburg und seiner Nachfolger, in solch einer aufsässigen Stadt zu residieren, tendierte logischerweise gegen Null.

In den Folgejahren wurden im Kölner Umland Burgen als gut zu verteidigenden Bischofs-Residenzen ausgebaut. Etwa die Godesburg und ab 1306 die Landesburg Lechenich im heutigen Erftstadt. Letztere ist heute eine imposante Ruine in einem zugewachsenen Park. Durchaus etwas für Freunde von „Lost Places“.

Wer die Reste von Burg Lechenich sehen will, erlebt erstmal eine Enttäuschung. Gut 100 Meter vom Marktplatz sichert ein versperrtes Tor an der Lechenicher Schlossstraße den Zugang zur Vorburg: Privatbesitz. Und von den Burgtürmen ist auch nichts zu sehen.


Burgruine Lechenich: Ganz schön zugewachsen
Burgruine Lechenich: Ganz schön zugewachsen

Da bleibt nur der Weg in den benachbarten Burgpark, in der Hoffnung, von der Rückseite aus einen Blick auf die Ruine zu erhaschen. Der Park ist zwar in Privatbesitz, darf aber seit 20 Jahren von jedermann betreten werden. Die ersten 200 Meter kann man auch mühelos auf gepflegten Wegen zurücklegen.

Wer etwas von der Ruine sehen will, findet sich indes bald auf einem schmalen Pfad wieder, der zu einem von hohen Bäumen umgebenen Teich führt: Es ist der vom Mühlenbach gespeiste Burggraben.

Plötzlich tauchen zwei siebenstöckige Türme und die Mauer des Hochschlosses zwischen den Blättern auf und spiegeln sich im Wasser.


Die Ruine am Burggraben
Die Ruine am Burggraben

Ein immer schlechter werdender, langsam zuwachsender Trampelpfad führt am Ufer entlang, bis nach weiteren etwa 50 Metern Dornengestrüpp den Ausflug beendet. Jetzt steht man, umgeben von Bäumen und Büschen in so einer Art kleinem Urwald, nur einen Katapultschuss vom belebten Lechenicher Markt entfernt.

Der Wind streicht durch die Baumkronen, und der Teich gluckert leise vor sich hin. Nur ein paar über den ungebetenen Besucher verärgerte Vögel stören die Ruhe.

Freie Sicht auf die Ruine hat man aber auch hier nicht. Auf dem schmalen Streifen zwischen Burg und Graben haben sich weitere Bäume angesiedelt. Es wirkt, als ob die verträumte Ruine langsam zuwächst. Selbst auf dem höchsten Turm haben sich schon Pflanzen festgekrallt.

Das Ruinen-Idyll dürfte noch länger erhalten bleiben, denn alle Pläne, die Burg touristisch zu erschließen – etwa als Ort für Konzerte – scheiterten.

Die Türme von Burg Lechenich
Die Türme von Burg Lechenich

Als die Burg in den Jahren nach 1306 gebaut wurde, war sie ein technisches Novum (zumindest fürs Rheinland). Bislang entstanden Burgen hier aus behauenen Felsblöcken, weswegen Burgen nicht zu weit vom nächsten Steinbruch entfernt sein durften.

Burg Lechenich aber wurde aus gebrannten Ziegeln gemauert. Für die Römer wäre das normal gewesen: Den Rheinländern erschien die Idee revolutionär.

Sicherheitshalber verwendeten sie an besonders exponierten Stellen weiter den für seine Dauerhaftigkeit bekannten dunkelgrauen Trachyt vom Drachenfels (auch im Kölner Dom reichlich verbaut). Ein paar Grabsteine eines jüdischen Friedhofs wurden ebenfalls als billiges Baumaterial verwendet und blieben so bis heute erhalten.

Die Kölner Landesburg Lechenich in der Animation von Ralf Meier / Foto: Screenshot YouTube
Die Kölner Landesburg Lechenich in der Animation von Ralf Meier / Foto: Screenshot YouTube

Als die repräsentative Anlage mit ihrem fünfstöckigen Wohnturm und dem 33 x 12 Meter großen Hochschloss fertig war, musste sie natürlich herumgezeigt werden. Die Annalen verzeichneten allerlei prominente Gäste, darunter 1543 Kaiser Karl V.

Die Burg hatte das große Glück, während des Dreißigjährigen Krieges nie erobert zu werden. Ihr Ende kam erst, als abziehende französische Truppen sie am 21. April 1689 anzündeten.

Die Dächer wurden danach wieder notdürftig instandgesetzt, aber die Anlage verfiel. Die Vorburg wurde nach einem Brand 1722 neu gebaut.

Spiegelung im Burggraben
Spiegelung im Burggraben

Nach der Säkularisation ging die Burg in Privatbesitz über: 1894 kaufte sie der Bankier Baron Georg von Bleichröder. Er ließ eine gusseiserne Brücke zwischen Park und Schlossinsel bauen und Mauern abreißen, um die Ruinen besser sehen zu können.

Tragischerweise wurde der Bankier 1902 einer der ersten tödlich verunglückten Autofahrer. Er war in der Nähe mit einem Pferdefuhrwerk zusammengestoßen.

1932 bis 1967 gehörte Schloss Lechenich dem renommierten Leiter der Frauenklinik der Medizinischen Akademie Düsseldorf, Prof. Hans-Rheinhardt Schmidt-Elmendorff und dessen Gattin.

Durch Erbe kam das Schloss schließlich 2003 an die heutigen Besitzer: Heinrich Ico Prinz Reuß (Rechtsanwalt und Vizepräsident der deutschen Burgenvereinigung) und Corinna Prinzessin Reuß.

Weiterlesen: Es gibt einen recht umfassenden Wikipedia-Artikel zur Burg

Am besten erschließt sich die Struktur von Burg Lechenich aus der Luft. Hier der Blick via Google Maps auf Ruine, Vorburg und Burgpark:



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