Maulwürfe finden Reste von Ostfriesen-Burg


Gräbt gerne: Der europäische Maulwurf / Foto: Wikipedia / Didier Descouens / CC BY 3.0
Gräbt gerne: Der europäische Maulwurf / Foto: Wikipedia / Didier Descouens / CC BY 3.0

Manchmal haben Archäologen auch tierische Grabungshelfer. In Neermoor (Gemeinde Moormerland/Landkreis Leer) in Ostfriesland wunderte sich Freizeitarchäologe Theo Mindrup über Bauschutt, den Maulwürfe bei ihrer Wühlarbeit auf einer Wiese an die Oberfläche befördert hatten. Er grub nach und fand einen historischen Ziegel, einen sogenannten Klosterformatstein.

Archäologen sahen sich die Sache an und stellten fest, dass die fast blinden Insektenfresser auf die Fundamente einer mutmaßlichen Häuptlingsburg gestoßen waren. Eigentlich sollten an dieser Stelle Wohnhäuser entstehen. Das wird jetzt noch ein bisschen dauern.

Bei der nun folgenden Grabung fanden die Forscher heraus: Die betreffende Fläche ist üppige 70 x 20 Meter groß, verfügte über einen eigenen Brunnen und war im Mittelalter von einem Wassergraben umgeben (was beim hohen Auricher Grundwasserspiegel aber keine große Kunst ist). Auf sechs Sockeln ruhte hier ein dreigeschossiger Wehrturm.

Das Wappen von Burgbesitzer Häuptling Ukena hat sich erhalten / Logo: Wikipedia
Das Wappen von Burgbesitzer Häuptling Ukena hat sich erhalten / Logo: Wikipedia / gemeinfrei

Der Fund bringt die ostfriesische Geschichtsschreibung etwas durcheinander. Dass es im unruhigen 15. Jahrhundert steinerne Häuptlingsburgen in Neermoor gab, ist bekannt: Häuptling Focko Ukena (1370-1436, verjagt) und Sohnemann Uko Fockena (1408-1432, ermordet) hatten hier residiert. Beide Burgstellen, wohl ebenfalls befestigte Wehrtürme, sind bekannt – auch wenn oberirdisch nichts mehr davon sichtbar ist.

Durch die Maulwürfe ist nun entweder eine dritte Häuptlingsburg aufgetaucht, oder eine der beiden bereits bekannten Befestigungen wurde bisher einfach an der falschen Stelle vermutet.

Dass Archäologen durch tierische Hilfe auf interessante Funde stoßen, ist nicht ungewöhnlich. Unlängst sorgte ein grabender Dachs für die Auffindung von slawischen Fürstengräbern bei Burg Stolpe in Brandenburg.

Und hier geht’s zum Artikel der dpa (via N24.de) über die Grabung in Ostfriesland: „Zufallsfund: Maulwürfe legen Burg aus dem Mittelalter frei
Aktueller und detaillierter schreibt Karin Lüppen in der Ostfriesenzeitung: „Maulwurf holte Reste einer Burg ans Licht

Die Geschichte einer anderen Häuptlingsburg steht im Burgerbe-Artikel: „Zerstörung der Beningaburg: Ostfriesen wollten keine Sachsen werden

Hier mal ein paar Videobilder der Häuptlingsburg Hinta im Kreis Aurich, die man auch ohne Maulwürfe findet:

Ein Gedanke zu „Maulwürfe finden Reste von Ostfriesen-Burg“

Kommentar verfassen