LED-Millionäre kaufen Schloss Hubertushöhe in Storkow


Schloss Hubertushöhe soll ein "Ort der Kultur" werden / Foto: Wikipedia / CC BY 3.0 DE
Schloss Hubertushöhe soll ein „Ort der Kultur“ werden / Foto: Wikipedia / CC BY 3.0 DE

Ein Schloss als Kunst- und Literaturzentrum: Solch einen ambitionierten Traum, der in Zeiten knapper Kassen immer unrealistischer wird, wollen Harald und Rainer Opolka mitten in Brandenburgs Seenlandschaft wahrwerden lassen.

Die Brüder, reich geworden durch LED-Taschenlampen, haben das ehemalige Luxushotel Schloss Hubertushöhe mit seinem neun Hektar großen Park in Storkow gekauft (der Preis bleibt vertraulich).

Ihr Ziel: Das Schloss am Großen Storkower See/Dolgensee soll ein offener „Ort der Kultur“ werden, bei freiem Eintritt. Motto: „Kunst ist für alle da“. Sie planen dazu den Bau einer 1200 Quadratmeter großen Kunsthalle und von Unterkünften für Schüler und Studenten, die Kunstkurse besuchen könnten. Am See soll ein Biergarten entstehen – und auch das Hotelrestaurant soll wieder öffnen.



Auf ihrer Homepage schreiben die aus Bottrop stammenden Brüder über ihre Absichten: „Wir wollen dort die Begegnung mit den großen Geistern der Geschichte möglich machen. Darüber hinaus werden wir Theater, Kabarett und Dichtung aufführen und zeitgenössische Malerei und Bildhauerei ausstellen“. Auch wollen sie im jährlichen Wechsel einen Literatur- und einen Kunstpreis stiften.

Da sagt man doch erstmal: Wow.

Schloss Hubertushöhe liegt am Großen Storkower See, dem Dolgensee / Foto: Wikipedia/Fotothek/CC-BY-3.0
Schloss Hubertushöhe liegt am Großen Storkower See, dem Dolgensee / Foto: Wikipedia/Fotothek/CC-BY-3.0

Zuvor war der Jagdsitz Schloss Hubertushöhe 70 Kilometer südöstlich von Berlin ein Luxushotel (23 Zimmer und Suiten, Hubschrauberlandeplatz, eine Marina) im Eigentum einer Investorengruppe. Die Brüder Opolka haben das insolvente und geschlossene Ensemble 2012 gekauft. Das Schlosshotel ist zurzeit nur für Tagungen und Events geöffnet. Übernachtungen sollen dann nach dem Umbau ab 2016 möglich sein.

Bauen ließ das Schloss in den Jahren 1899 bis 1900 übrigens der Buchdrucker Friedrich Wilhelm Georg Büxenstein. Er war tatsächlich durch Gelddrucken reich geworden: Seine Druckerei stellte Banknoten für die Reichsbank her. Ansonsten beschäftigte er sich mit Rudern auf den umliegenden Seen.

Der Bau im verspielten neugotischen Schlösschenstil mit Fachwerk und allerlei Türmchen und Drachenkopf-Deko war ganz im Sinn der Zeit. Die Anlage ist in einen großzügigen Landschaftspark eingebettet. Wohnhaus und Wirtschaftsflügel mit Remisen liegen um einen zum See hin offenen Innenhof. Auch Kaiser Wilhelm II. soll bei seinem Besuch im Oktober 1905 begeistert gewesen sein.

Büxenstein verkaufte das Schloss schließlich 1916 an Hermann Bamberg. 1933 drang die SA ins Schloss ein und nahm Bambergs Sohn fest, einen bekannten jüdischen Kinderarzt.

1936 kaufte der Tabakkonzern Reemtsma das Schloss, das nach Kriegsbeginn als Lazarett genutzt wurde.

Das schmucke Schloss weckte natürlich Begehrlichkeiten beim SED-Regime: Nachdem es zunächst die Ingenieurschule für Binnenfischerei beherbergt hatte, nutzte der DDR-Ministerrat das Anwesen von 1970 bis 1989 unter dem Namen Landhaus Dolgen als Schulungs- und Erholungsheim für gestresste Funktionäre.

Nach der Wende kaufte wieder die Firma Reemtsma das Schloss. Sie steckte fünf Millionen Euro in die Sanierung und machte daraus das Luxushotel.

Die Brüder Opolka hatten das bekannte Restaurant des Fünf-Sterne-Hotels bei einer Segeltour schon einmal besuchen wollen, berichtet die Märkische Allgemeinen: „Man ließ uns aber gar nicht erst an Land. Wir sahen wohl nicht reich genug aus“, erzählte Harald Opolka der Zeitung.

Der Zeitplan der Brüder steht: „Wir streben an, mit Hotel und Kulturpark im Frühjahr 2016 fertig zu sein“.

Schloss Hubertushöhe soll offen sein für alle – außer für Neonazis: NPD-Mitglieder haben daher auf dem Areal Hausverbot.

Hier geht’s zu einem großen Artikel von Jeanette Bederke in der Märkischen Allgemeinen „Das Schloss der Taschenlampen-Millionäre
Schloss Hubertushöhe hat auch eine Homepage

Hier ein Film von 2010 über das damalige Luxushotel („eines der besten Deutschlands“):


Kommentar verfassen