13-Jährige entdeckt vergessenes Schloss Scheidingen


Die Kürzung würde auch Archäologische Grabungen betreffen. Foto: Wikipedia/Axel Hindemith
Archäologische Grabung: Häufig machen erst Funde von Laien die Geschichtsforscher aufmerksam /  Foto: Wikipedia / Axel Hindemith / CC BY 3.0 DE

So klingen Geschichten aus einem kitschigen Jugendroman: Ein Mädchen hört Erzählungen von einem vergessenen Schloss in ihrer Nähe und macht sich auf die einsame Suche. Natürlich begleitet von ungläubigen Blicken Erwachsener und dem Spott Gleichaltriger, die ihre Misserfolge genüsslich herumtratschen.

Und dann passiert, womit niemand gerechnet hat (außer natürlich die treuen Leser der Geschichte): Sie stößt auf die versunkenen Reste früherer Pracht und findet mindestens einen Schatz – und die zunächst ahnungslosen Archäologen kommen und staunen.

Verrückterweise ist genau so etwas jetzt in einem kleinen Ort bei Soest in NRW passiert. Davon berichtet der Soester Anzeiger.



Und das kam so: Eine 13-Jährige aus der Gemeinde Welver, Ortsteil Scheidingen (1397 Einwohner, 900 Jahre Geschichte, bekannt für die Dorfkirmes), hatte von einem „Schloss in Scheidingen“ gehört. Sie konnte aber kein passendes Gebäude dazu finden. Doch alte Lexika und Geschichtsbücher berichten davon, dass es dieses Schloss bis ins hohe Mittelalter gegeben hat.

Es wurde allerdings 1449 im Zuge der Soester Fehde (zwischen der störrischen Stadt Soest und dem kriegerischen Kölner Erzbischof) zerstört. Der Gedanke an möglicherweise knapp unter der Erdoberfläche liegende Ruinenreste ließ dem Mädchen keine Ruhe.

Sie recherchierte weiter und konnte das Gebiet, in dem das Schloss gestanden haben musste, einigermaßen eingrenzen.

Herzog Philipp von Burgund half, den Frieden zwischen Soest und Kölner Erzbischof zu schließen: Schloss Scheidlingen war da schon zerstört / Bild: Gemeinfrei
Herzog Philipp von Burgund half 1449, den Frieden nach der Soester Fehde zu schließen: Schloss Scheidingen war da schon zerstört / Bild: Gemeinfrei

Da sie kurz zuvor ein Praktikum beim Landesamt für Denkmalpflege absolviert hatte, war ihr die Arbeit der Archäologen nicht ganz unbekannt – und sie begann mit Sondierungsgrabungen. Wenn da Grundmauern eines Schlosses im Boden steckten, sollten sie doch per Spaten zu finden sein.

Und nun kommt die Überraschung. Der Leser ahnt es schon: Das pfiffige Mädchen hat die Überreste des Schlosses tatsächlich lokalisiert. Als die ersten Steine zutage kamen, packte sie die Entdeckerfreude. Bei ihrer Grabung fand sie Mauerreste, Tierknochen, Tonscherben und Überbleibsel von Kohle.

Nur eine Sache hatte die 13-Jährige nicht bedacht: Wilde Grabungen sind in Deutschland illegal. Wäre sie nur ein Jahr älter und damit strafmündig gewesen, hätte es richtig Ärger gesetzt.

Als schließlich die Landesarchälogen eintrafen, waren sie laut Soester Anzeiger „ziemlich überrascht, als sie inmitten der Scheidinger Felder auf ein großes Loch, viele Mauerreste und eine überglückliche Nachwuchsforscherin trafen“.

Sie verboten der jungen Forscherin sofort jede weitere Ausgrabung und schütteten das Loch schnell wieder zu.

Nun soll im Spätsommer eine Grabung durch die Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) folgen, bei der die Entdeckerin mithelfen darf.

Mit ihrer Entdeckung schaffte die Scheidingerin, sie heißt Samantha, den ersten Platz bei „Jugend forscht“ in Nordrhein-Westfalen (im Fachbereich Geo- und Raumwissenschaften). Ende Mai ist sie beim Finale des Bundeswettbewerbs mit dabei. Dann heißt es Daumen drücken.

Und hier geht’s zur Geschichte im Soester Anzeiger: „„Jugend forscht“: Samantha entdeckt ein Schloss

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