Evangelische Kirche will Schloss Beuggen verkaufen


Schloss Beuggen am Rhein soll verkauft werden / Foto: Wikipedia / Wladyslaw (talk) / CC BY 3.0 DE/
Schloss Beuggen am Rhein soll verkauft werden / Foto: Wikipedia / Wladyslaw (talk) / CC BY 3.0 DE

Schloss Beuggen: Das Torhaus von der Westseite / Foto: Wikipedia / Taxiarchos228 / CC BY 3.0 DE
Schloss Beuggen: Das Torhaus von der Westseite / Foto: Wikipedia / Taxiarchos228 / CC BY 3.0 DE

Schloss Beuggen in Südbaden liegt direkt am Rheinufer und ist eines der malerischsten Tagungszentren, die man sich vorstellen kann. Es gehört der Badischen Landeskirche. Doch für die Protestanten rechnet sich der Unterhalt ihres historischen Eigentums nicht mehr.

Die Landessynode hat daher gestern (12. April) entschieden, Schloss Beuggen zu verkaufen. Ein Schock für Freunde des Schlosses.

Der Beschluss lautet: „Die Landessynode beauftragt den Evangelischen Oberkirchenrat, nach Gesprächen mit den Betroffenen Verkaufsverhandlungen für das Schloss Beuggen unter Berücksichtigung einer kirchenverträglichen Nutzung in die Wege zu leiten“. Mit der Abgabe von Schloss Beuggen sollen  Einsparungen in Höhe von jährlich 525.000 Euro erzielt werden. Hinzu kommen noch die gesparten Gelder für Werbung.


Luftbild von Schlocss Beuggen /  Foto: Wikipedia / Taxiarchos228 / CC BY 3.0 DE
Luftbild von Schloss Beuggen / Foto: Wikipedia / Taxiarchos228 / CC BY 3.0 DE

Der laufende Betrieb des Komplexes aus Haus der Kirchenmusik, Hotel und Sommerakademie soll trotz Konsolidierungskonzeptes ein jährliches Minus von etwa 30 000 Euro produzieren, schreibt der Südkurier.

Doch wer könnte eine so große, aufwendig zu unterhaltende und unter Denkmalschutz stehende Anlage kaufen? Eigentlich kommen nur Luxuskliniken und hochpreisige Seniorenresidenzen, 5-Sterne-Hotels oder Spielcasinos in Frage.

Das Schloss bei Rheinfelden wurde 1268 vom Deutschen Ritterorden fertiggestellt. Der Orden nutzte es als Verwaltungssitz seiner örtlichen Kommende und presste „seine“ Bauern ordentlich aus. Das hatte zur Folge, dass das Schloss im Bauernkrieg im Mai 1525 von der Landbevölkerung gestürmt und geplündert wurde. Dabei vernichteten die Bauern auch gleich einen Großteil der Steuerakten. Komtur Ludwig von Reischach floh in die Schweiz nach Basel und wurde evangelisch.

Schloss Beuggen: Fassade des Alten Schlosses / Foto: Wikipedia / Wladyslaw / CC BY 3.0 DE
Schloss Beuggen: Fassade des Alten Schlosses / Foto: Wikipedia / Wladyslaw / CC BY 3.0 DE

Der Schreck saß den Ordensrittern tief in den Knochen. In den Folgejahren ließen sie die Befestigungen verstärken und den Burggraben aufstauen. Das Schloss bekam eine zweite Ringmauer. Zwischen 1585 und 1598 wurde das Neue Schloss gebaut.

Die Fortifikationen waren dann im Dreißigjährigen Krieg natürlich kein Hindernis für professionelle Söldner, die ordentlich plünderten. Durch seine Lage am Rhein war das Schloss als Mittelpunkt der Ordens-Kommende auch nicht zu verfehlen.

Zwischen 1752 bis 1757 wurde das Schloss nach Plänen von Ordensbaumeister Johann Caspar Bagnato im Stil des Barock umgebaut und durch Erweiterungsbauten mal eben in der Fläche verdoppelt.

Mit der Säkularisation 1806 fiel der Besitz an der Großherzogtum Baden. Kirche und Krankenstube gingen an die katholische Kirche.

In den Befreiungskriegen wurden dann ab Dezember 1813 verletzte österreichische Soldaten der Armee Schwarzenbergs in den Sälen des Schlosses versorgt. Das gesamte Schloss inklusive Nebengebäude wurde zum Lazarett.

Schloss Beuggen: Portal des Neuen Schlosses / Foto: Wikipedia / Wladyslaw / CC BY 3.0 DE
Schloss Beuggen: Portal des Neuen Schlosses / Foto: Wikipedia / Wladyslaw / CC BY 3.0 DE

Für Aufsehen sorgte das Schloss im ZDF, als in der Doku „Mordfall Kaspar Hauser“ ein zugemauerter Raum im Pfarrhaus geöffnet wurde , wo sich auf einem Balken in 50 Zentimeter Höhe eine Rötelzeichnung eines Pferdes fand, was nach Ansicht der ZDF-Experten für einen Aufenthalt Kaspar Hausers spreche.

Nach den Dreharbeiten ist die angebliche Hauser-Zeichnung übrigens verschwunden.

1820 öffnete ein evangelisches Kinderheim im Schloss, das bis 1980 bestand. Ihm folgte das Tagungszentrum. Seit 1954 gehört das Schloss der Evangelischen Landeskirche, die es nun abstoßen will…

Hier geht’s zum Artikel des Südkuriert: „Landeskirche überlegt Verkauf von Schloss Beuggen

Die Pressemeldung der Landeskirche: „Landessynode beschließt Gebäudemasterplan und Priorisierung von Tagungsstätten

Der Verein Freundeskreis Schloss Beuggen fragt: „Ist die letzte Stunde gekommen?“ Darauf geht die Badische Zeitung ein, die schreibt: „Beuggen-Freundeskreis ,überrascht und erstaunt‘



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