Langer Geheimgang zu Schloss Asch gefunden


Schloss Asch / Foto: Björn Laczay / CC BY 2.0
Schloss Asch / Foto: Björn Laczay / CC BY 2.0

Wenn feindliche Landsknechte mal wieder tagelang vor dem Burgtor herumlungerten und auf Ärger aus waren, gab es in vielen Burgen (angeblich) einen eleganten Ausweg: Einen geheimen Fluchttunnel, durch den man aber nicht nur wegrennen, sondern auch dem Feind prima in den Rücken fallen konnte.

Ein solcher Geheimgang ist jetzt im bayerischen Moosburg an der Isar nahe Landshut ans Licht gekommen. Die gemauerte ovale Röhre ist etwa 250 bis 300 Meter lang und führt aus dem Ort zum benachbarten Schloss Asch. Das meldet Merkur-Online.


Bei einer Leitungssanierung war der Hohlraum aufgefallen. Eine Archäologie-Fachfirma wurde informiert. Sie hat ein Stück des Tunnels ausgegraben. Die Fachleute ziehen aus dem verwendeten Mauerwerk Rückschlüsse auf die Entstehungszeit des Tunnels. Diese dürfte danach um das Jahr 1510 liegen.

Der Tunnel war fachgerecht gemauert und etwa 1,70 Meter hoch. Die meisten der im Schnitt kleiner gewachsenen Menschen der Frühen Neuzeit konnten bequem in dem Tunnel stehen.


Wappen von Moosburg an der Isar
Wappen der Stadt Moosburg an der Isar

Das heutige Schloss Asch, wo der Tunnel beginnt, stammt von 1541. Ob Bauherr Wolf von Asch das wuchtige Schloss auf den Resten einer Vorgängerburg errichten ließ, ist nicht bekannt. Es könnte natürlich gut sein, dass er neben Schloss und Wassergraben auch gleich den Tunnel in Auftrag gegeben hat.

Möglicherweise steckt hinter dem Tunnelbau auch einfach nur die Bequemlichkeit des Schlossherrn. Moosburg hatte seit dem 12. Jahrhundert nämlich eine Stadtmauer. Spätabends wurden die Tore verriegelt. Wer dann noch in der Stadt war, musste dort wohl oder übel ein Zimmer nehmen oder auf der Straße schlafen.

Eventuell wollte der Schlossherr das vermeiden und sich selbst auch bei geschlossenen Stadttoren sich und seinen Leuten ein Hintertürchen offenhalten, durch das sie jederzeit zwischen Schloss und Stadt hin und her pendeln konnten.

Fragen kann man die Familie nicht mehr. Die Herren von Asch haben das Schloss bis zum Aussterben ihrer Linie 1883 bewohnt. Teile des Tunnels sollen noch während des Krieges genutzt worden, dann aber in Vergessenheit geraten sein.

Und hier geht’s zum Artikel bei Merkur-Online: „Moosburg: Geheimer Fluchtweg zum Schloss ausgegraben

Mehr zu Geheimgängen auf Burgen hier im Blog:
Carrickfergus Castle: Geheimgang ausgegraben
Burg Posterstein: Besucher nutzen Geheimgang
Schloss Berlepsch: Funde im vermüllten Geheimgang


Ein Gedanke zu „Langer Geheimgang zu Schloss Asch gefunden“

  1. Interessant! Aber mich irritiert der bauliche Aufwand. Soweit ich verstanden habe, ist der Gang nicht komplett begehbar, sondern nur ein Stück (das ausgegraben wurde), so dass man doch wenig weiß. Könnte es sich nicht eher um einen (Ab-) Wasserkanal handeln? Ich kenne sowas aus eigener Anschauung z.B. von der Plassenburg in Kulmbach, dort ebenfalls 16. Jh. und jünger. Mich würde es sehr freuen, wenn zu dem Thema mehr zusammengetragen würde!

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