Eingangsgebäude der Festung Landsberg, die schon als Gefängnis konzipiert wurde / Foto: Wikipedia / gemeinfrei

Festung Landsberg: Uli Hoeneß saß in historischem Gefängnis

„Festungshaft“ – das klingt nach Wasser und Brot und an kalte Zellenmauern geschmiedete Gefangene in klirrenden Ketten. Ist aber alles ein Missverständnis.

Davor braucht Uli Hoeneß in der Festung Landsberg am Lech jedenfalls keine Angst zu haben, wenn er seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung absitzt.

Die Festungshaft war nämlich in Preußen und Bayern eine Ehrenstrafe. Ein Arbeiter, der etwas anstellte, wurde zu ganz normalem Gefängnis verknackt: Mit Arbeitszwang und allen Schikanen. Einfache Soldaten, die etwas Gravierendes gegen ihre Pickelhauben-Vorgesetzten anstellten, mussten bis 1871 mit Festungsstrafe rechnen.

Das hieß: Einsitzen in engen Zellen der königlichen Festungen unter militärischer Aufsicht. Und schuften mit humorlosen Bewachern im Rücken.



Festungshaft war hingegen etwas ganz anderes. Im Ständestaat und der Weimarer Republik galt sie als Ehrenstrafe. Höhergestellte, gebildete Leute konnten mit Nachsicht der Gerichte rechnen.

Speziell Duellanten, Mörder und Putschisten (sofern sie sich „völkisch-national“ gaben) bekamen eine Vorzugsbehandlung und durften sich über stark verkürzte Haftzeiten freuen. Arbeit war tabu. Alkohol und gelegentlicher Freigang hingegen erlaubt. Es gab sogar Hafturlaub.

Zur Verbüßung wurden diese Ehrenhäftlinge in die Festungen Ehrenbreitstein, Wesel, Weichselmünde bei Danzig und in die Justizvollzugsanstalt Landsberg gebracht.

Luftbild der JVA Landsberg / Bild: Google Earth
Luftbild der JVA Landsberg / Bild: Google Earth / Foto oben: gemeinfrei

Die JVA Landsberg am Lech war von Anfang an nicht als militärisches Bollwerk, sondern als königlich bayerisches Gefängnis geplant worden. Architekt Hugo von Höfl errichtete es bis 1908 nach „modernen Richtlinien des Strafvollzugs“.

Dem Empfangsgebäude kann man den spielerischen Einfluss des Jugendstils ansehen. Schon etwas anderes als die klotzig-tristen Preußen-Festungen an Rhein und Weichsel.

Eine Festungshaft-Abteilung bekam die JVA Landsberg dann nach dem Ersten Weltkrieg. Die stockkonservativen Gerichte sahen sich leider gezwungen, nun auch stramme Reaktionäre wegen Verbrechen gegen politische Gegner zu verurteilen. Mit dieser Klientel wollte man in Bayern natürlich pfleglich umgehen und ließ sie jeweils einige Monate in Landsberg verbüßen.

Erster Landsberger Festungshäftling war der Mörder des bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, der schillernde Anton Graf von Arco auf Valley. Er wurde nach nicht einmal 4,5 Jahren Ehrenhaft auf Bewährung entlassen und drei Jahre später vom alternden Reichspräsidenten Paul von Hindenburg begnadigt.

Hitler in Landsberg / Foto: Screenshot YouTube
Hitler in Landsberg / Foto: Screenshot YouTube

Die 1923/24 im Landsberger Festungstrakt einsitzenden Teilnehmer des Hitlerputsches konnten das Gefängnis sogar in eine Art Parteizentrale verwandeln. Hitler bekam Berge von Paketen (für die extra Zellen freigeräumt werden mussten), empfing 489 Besucherinnen und Besucher und diktierte „Mein Kampf“.

Dass seine Briefe unzensiert aus der Anstalt geschmuggelt wurden, versteht sich von selbst. Zwischendurch hatte der Putschisten-Chef noch Zeit, für Propagandafotos an einem vergitterten Fenster zu posieren.

Die Anstaltsleitung sah dem Treiben wohlwollend zu und schickte dem Justizministerium Lobeshymnen von der guten Führung Hitlers und seiner Komplizen. Diese Berichte hatten dann Anteil an der vorzeitigen Entlassung der Nazis.

Hitler saß von seinen laut Urteil fünf Jahren Festungshaft lediglich 264 Tage in Landsberg ab. Mehr dazu im Aufsatz „Hitlers Festungshaft in Landsberg“ von Manfred Deiler.

Nach dem Krieg war es dann mit der Ehrenhaft vorbei (offiziell abgeschafft wurde sie in der Bundesrepublik erst 1951). Die Amerikaner übernahmen die Anstalt und ließen erstmal den Festungshaft-Trakt mit der „Hitler-Zelle“ entfernen. Diverse Kriegsverbrecher mussten sich mit normalen Zellen im „War Criminal Prison No. 1″ begnügen.

Heute bietet die JVA Landsberg Platz für ca. 550 männliche Insassen. Bei guter Führung dürfte Uli Hoeneß bald im Offenen Vollzug landen. Dann würde er in die JVA-Außenstelle für Freigänger in Andechs mit rund 100 Plätzen wechseln und müsste nur nachts in seine Zelle in der JVA zurückkehren.

An den Präsidenten, der Hitler begnadigte und später zum Reichskanzler ernannte, werden Besucher der JVA Landshut heute übrigens immer noch erinnert: Das Gefängnis liegt an der Adresse Hindenburgring 12.

Die „Hoeneß sitzt, wo Hitler saß“-Geschichte fasziniert natürlich die Medien. Hier ein paar Kostproben:
RP-Online: „In der JVA Landsberg schrieb Hitler „Mein Kampf“
Stern.de: „Landsberg am Lech Hoeneß muss ins selbe Gefängnis wie Hitler
Focus.de: „Auf Uli Hoeneß wartet der Hitler-Knast
Spiegel-Online: „Fans auf dem Feldherrenhügel
Spiegel-Online (engl.): „Adolf Hitler’s Time in Jail: Flowers for the Führer in Landsberg Prison

PS: Die große Kreisstadt Landsberg selbst mit ihrer Altstadt ist einer der sonnigsten Flecken Deutschlands und eine Reise wert. Die Stadt ist auch eine Station der „Romantischen Straße“.

Bilder des Hitler-Prozesses und er Haft in Landsberg:

Und hier mal der Blick mit „Google Earth“:



Ein Gedanke zu „Festung Landsberg: Uli Hoeneß saß in historischem Gefängnis“

  1. Warum ist Hoeneß noch nicht hinter Gittern, solch ein Betrüger hätte wenigsten 10 Jahre bekommen müssen. Denkt mal an Steffi Grafs Vater, der mußte für viel weniger 4 Jahre hinter Gitter. Ab mit Uli Hoeneß, Tür zu und ohne Freigang, sonst ist das keine Strafe, er lacht doch über das Urteil. Trauriges Gericht das ihn verurteilte. Jeder andere Bürger würde viele Jahre für ein geringes Steuervergehen sitzen.

Kommentar verfassen