Schloss Mainberg und der Erste Weltkrieg


Schloss Mainberg verfällt / Foto: Wikipedia / antar2 / Public Domain
Schloss Mainberg: Gekauft dank Kriegsgewinnen. Heute verfällt es / Foto: Wikipedia / antar2 / Public Domain

Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ hat einige Industrielle reich gemacht. Wer seine Produktion auf Waffen und Munition umstellen konnte, dem winkten märchenhafte Gewinne. Und wie legt man solches Geld an? Am besten in Immobilien.

Mancher Kriegsgewinnler wurde sogar zum Schlossherrn, wie der Feinmechaniker Ernst Sachs (1867-1932). Durch sein Patent auf eine freilaufende Fahrradnabe wohlhabend geworden, konzentrierte er sich 1914 völlig auf den Bedarf der Reichswehr. Im Krieg arbeiteten bis zu 8000 Beschäftigte in den Sachs-Fabriken.


Die Gewinne ermöglichten es dem Geheimrat aus Konstanz, 1915 das malerische Schloss Mainberg zu kaufen und das weitgehend aus dem 16. Jahrhundert stammende Gebäude im „vaterländisch begeisterten“ Stil der Kriegszeit einzurichten.

"Gott strafe England": Deutsche Propaganda-Sticker im Ersten Weltkrieg / gemeinfrei
„Gott strafe England“: Deutsche Propaganda-Sticker im Ersten Weltkrieg / gemeinfrei

Martin Brandl vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege hat diese Episode aus der Schlossgeschichte untersucht. Die Main-Post berichtet netterweise ausführlich über einen Vortrag des Denkmalpflegers.

Brandls Fazit: „Dieses Schloss ist doch etwas merkwürdig.“ Sachs hatte den Münchener Franz Rank engagiert. Laut Brandl machte Rank den zweiten Stock der Sachs-Residenz zu einem regelrechten „Propagandatempel“.

Im neu eingerichteten Rittersaal (jaja, die Sehnsucht des aufgestiegenen Kleinbürgers nach Adel und Mittelalter…) symbolisieren vier ausladende Radleuchter das Bündnis aus Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei. Natürlich prangt auf dem „deutschen“ Leuchter ein Soldatenkopf mit Pickelhaube.

An allerlei Stellen finden sich patriotische Widmungen wie „Durch Kampf zum Sieg“, „Viel Feind, viel Ehr“ und „„Es kann das Reich nicht untergehen, wenn alle treu zusammenstehen“.

Unternehmer Ernst Sachs vor dem Weltkrieg / Foto: gemeinfrei
Unternehmer Ernst Sachs vor dem Weltkrieg / Foto: gemeinfrei

Im Kronleuchter des Herrenzimmer nimmt es der teutsche Siegfried gleich mit einem Mischwesen aus gallischem Hahns, englischer Bulldogge und russischem Bären auf. Die „historistisch-spätromantische Innenausstattung“ ist übrigens weitgehend erhalten. Sie ermöglicht einen einzigartigen Blick zurück in die düstere Zeit der von Deutschtümelei besoffener Industriekapitäne, die das für sie hoch profitable Töten auf den Schlachtfeldern fleißig weiter anheizten.

Das Schloss – Geburtshaus des Playboys Gunter Sachs – blieb bis 1955 im Besitz der Familie. Dann verkaufte es Willy Sachs, der Sohn des Geheimrats. Nach mehreren Eigentümerwechseln hat auf Schloss Mainberg tragischerweise der Verfall begonnen. Die Besitzerin hat nicht die nötigen Mittel, den Prozess aufzuhalten, geschweige denn eine größere Sanierung zu starten.

Die Vorburg ist durch darunter liegende, zugeschüttete Luftschutzstollen aus dem Zweiten Weltkrieg inzwischen derart schwer geschädigt, dass sie wohl abgebrochen werden muss.

Hier geht es zum Artikel von Mathias Wiedemann in der Main-Post: „Wie der Erste Weltkrieg Einzug auf Schloss Mainberg hielt

Mehr zum Thema „Burgen und Erster Weltkrieg“ hier im Blog:
Westfront 1917: Die Sprengung des größten Burgturms Europas


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