Hammaburg: Keimzelle Hamburgs entdeckt


Die Hammaburg-Grabung auf dem Hamburger Domplatz / Foto: Wikipedia/Bullenwächter/CC-BY-SA-3.0-migrated-with-disclaimers
Die Hammaburg-Grabung auf dem Hamburger Domplatz / Foto: Wikipedia/Bullenwächter/CC-BY-SA-3.0

Überraschung an der Alster: Archäologen haben nach mehr als 60-jähriger Suche endlich Beweise für den Standort der Hammaburg gefunden, aus der die spätere Hansestadt wurde. Er befand sich auf der Fläche des heutigen Domplatzes am Speersort.

Die aus dem 7. Jahrhundert stammende Burg darf man sich jetzt nicht als turmbewehrte Stein-Festung mit Bergfried voller winkender Burgfräuleins vorstellen: Eher eine Holzbefestigung von 70 bis 75 Meter Durchmesser mit tiefem Graben, Wachtürmen und Palisaden an einem Wasserlauf – mit Wachtposten, die nach Wikingern Ausschau hielten. Davor, außerhalb des Walls, bauten Händler ihre Lager auf.



Die Hammaburg entstand offenbar an der Stelle einer sächsischen Vorgängerburg. Bloß waren die Bauherren nun christliche Franken. In der Umwallung befanden sich das Gebäude des Burgvogts und Häuser der Benediktiner. Kaum 100 Leute werden um 800 dort gelebt haben. Die schlichte Holzkirche des Bistums vermuten die Forscher inzwischen außerhalb der Umwallung.

Arbeitszeug der Wikinger, die u.a. 845 die Hammaburg brandschatzten / Foto: Wikipedia/viciarg im Haithabu-Museum/GFDL or CC-BY 2.5
Arbeitszeug der Wikinger, die u.a. 845 die Hammaburg brandschatzten / Foto: Wikipedia/viciarg im Haithabu-Museum/GFDL or CC-BY 2.5

Hier saß in den 830er und 840er Jahren der mit großen Eifer in Schweden, Dänemark und Schleswig missionierende Bischof Ansgar, auch der „Apostel des Nordens“ genannt.

Den Wikingern das Christentum zu bringen, war eine ambitionierte Aufgabe, schließlich beschäftigten sich die Nordmänner lieber mit unchristlichen Tugenden wie Überfällen, Mord, Brandschatzung, Raub, etc.

845 kamen sie auch an der Hammaburg vorbei und „taten ihren Job“. Der Burgvogt war offenbar gerade nicht zu Hause. Von der Burg blieb nicht mehr viel übrig, und Ansgar wich nach Bremen aus.

Der Domplatz galt schon lange als wahrscheinlicher Standort der Burg. Allerdings wurden erst nach den Bombenschäden des Krieges systematische Grabungen dort möglich. In den 1950er und 1980er Jahren durchstöberten Archäologen das Gebiet. Sie fanden auch Reste zweier Burgen, die aber zeitlich aber Jahrzehnte vor oder nach der Hammaburg existiert haben.

Die Landungsbrücken heute: Mit der Hammaburg fing alles an / Foto: Burgerbe
Die Landungsbrücken heute: Mit der Hammaburg fing alles an / Foto: Burgerbe

2005/06 gab es dann im Vorefeld einer geplanten Bebauung eine weitere Grabung an der Stelle, um das Rätsel endlich zu lüften. Für Archäologen waren die ständigen Misserfolge bei der Suche nach der „echten“ Hammaburg mittlerweile zu einer Art Running Gag geworden. Und auch die Ergebnisse dieser Forschung sahen lange nicht danach aus, irgendetwas Spektakuläres zu zeigen.

Jetzt die Wende: Grabungsleiter Karsten Kablitz und namhafte Historiker sind sich inzwischen einig, dass die Arnulf’sche Hammaburg entdeckt worden ist. Die Wiege der Hansestadt ist damit endlich zweifelsfrei identifiziert.

Mehr dazu im Hamburger Abendblatt, ein Gespräch mit Prof. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg: „Hamburg war vom ersten Tag an Stadt der Händler

Hier ein Video von Abendblatt.TV:

Der Standort der Hammaburg:

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