Gibt es das „Schloss am Wörthersee“ wirklich?

Vorspann von "Ein Schloss am Wörthersee" (vor der Rechtschreibreform noch mit "ß" gechrieben / Bild: Screenshot Youtube
Vorspann von „Ein Schloss am Wörthersee“ (vor der Rechtschreibreform noch mit „ß“ geschrieben) / Bild: Screenshot Youtube

Anfang der 1990er Jahre unterhielt RTL sein seniorenlastiges Publikum prächtig mit der Kitschserie „Ein Schloss am Wörthersee“ mitsamt Roy Black, Pierre Brice und dem Kärntner Bergpanorama.

34 Teile drehte Lisa-Film für den Kölner Sender. Drei Jahre lang flimmerten die Folgen rund um die Erlebnisse des Hotel-Erben Lennie Berger (Roy Black) und – nach dessen Tod – Elke Berger (Uschi Glas) über den Bildschirm.Die Pastelltöne der Fassade passten perfekt zum Farbgeschmack der 90er.


International wurden die Streifen unter dem Titel „Lakeside Hotel“ in 40(!) Länder und bis nach China verkauft und dürften das Deutschland/Österreich-Bild der dortigen Rentner nachhaltiger geprägt haben als die Goethe-Institute.

Aber gibt es das von schmissigen Schlagermelodien begleitete „Schloss am Wörthersee“ – im Film das Hotel Schloss Velden – wirklich? Fernsehleute neigen ja dazu, bei Drehorten ziemlich fantasievoll zu sein. Das „Spukschloss im Spessart“ kann man z.B. lange im Spessart suchen, wird es aber erst in der niedersächsischen Provinz finden.

Schloss Velden am Wörthersee / Foto: Wikipedia / Johann Jaritz /  CC-BY-SA-3.0-AT
Schloss Velden am Wörthersee / Foto: Wikipedia / Johann Jaritz / CC-BY-SA-3.0-AT

Die Antwort heißt: In diesem Fall ist der Drehort authentisch: „Ein Schloss am Wörthersee“ liegt ebenda, heißt tatsächlich Schloss Velden – und ist auch wirklich ein Hotel: Ein Ort mit Geschichte.

Ursprünglich war das Anwesen nur als Zwischenstation gedacht. Bartholomäus Khevenhüller (1539–1613), Freiherr von Aichelberg und seit 1585 Besitzer der bekannten Burg Hochosterwitz, war ständig zwischen dem Stammsitz seines Clans, der Burg Landskron, und Klagenfurt unterwegs. Eine Entfernung von 38 Kilometern.

Weil die Pendelei auf der holprigen Landstraße den Komfort gewöhnten Freiherrn aber mächtig anstrengte, kaufte er 1585 etwa auf halbem Weg im Bauerndorf Velden am Westufer des Wörthersees ein Grundstück mit Mühle als Rastplatz.

Dort zog er innerhalb der folgenden 18 Jahre ein repräsentatives Schloss hoch: Einen 3,5-geschossigen, rechteckigen Bau mit vier Ecktürmen. Die Khevenhüllers hatten allerdings nicht viel von ihrer Luxusresidenz. 1625 mussten sie als Protestanten Kärnten verlassen, das Anwesen wurde beschlagnahmt. 1762 brannten große Teile des Schlosses ab, und die Anlage verfiel.


Roy Black als Schlosshotelbesitzer: Bekannt auch in China / Bild: Screenshot Youtube
Roy Black als Schlosshotelbesitzer: Bekannt auch in China / Bild: Screenshot Youtube

Dass das Schloss nicht abgerissen wurde, verdankt es dem Wiener Porzellanfabrikanten Ernst Wahliss, der das heruntergekommene Anwesen 1890 kaufte. Er ließ die Fassade restaurieren und das Haus im Stil der Neorenaissance umbauen. Von Wahliss stammt auch die Idee, hier ein Luxushotel einzurichten.

Mit dem Beginn der Dreharbeiten 1990 erwarb ein aus den Klatschspalten bekannter Promi das Schlosshotel: Gunter Sachs. Eventuell hat ihn das Ambiente ja an seine Jugend erinnert, schließlich wurde der Spross einer Industriellen-Familie selbst auf einem Schloss geboren (auf dem bayerischen Schloss Mainberg, das heute leider verfällt).

So ziemlich jeder, der im bundesrepublikanischen Unterhaltungsfernsehen der 70er und 80er Jahre Rang und Namen hatte, kam auf einen Gastauftritt auf dem Sachs-Schloss vorbei. Unter anderem Hansi Kraus (bekannt als Pepe Nietnagel aus „Die Lümmel von der letzten Bank“).

Der einstige Pauker-Verschaukler tritt nun als Herr Nietnagel auf, ist Kaplan geworden und unterrichtet selbst Gymnasiasten…

Sachs ließ das Schloss aufwendig renovieren und verkaufte es 2003 weiter. Heute gehört das Schloss der Amisola Immobilien AG. Es wird weiter als Hotel betrieben.

Nun wirbt das Schlosshotel Velden mit „5 Sterne Luxus“, und „First Class Service direkt am Wörthersee“ und seinem neugestalteten SPA-, Wellness- & Beauty-Bereich auf 3.600 Quadratmetern (Link zum Hotel). Ansonsten zehrt es natürlich vom Ruhm vergangener TV-Tage.

Im Hotelcafé erinnert eine Büste an den einstigen „Hotelbesitzer“ Roy Black. Der verstorbene Sänger und Mime hat inzwischen offenbar seinen Frieden mit dem Schloss gemacht. Von einem spukenden Roy Black ist dort jedenfalls nichts bekannt…

Der Trailer zu „Ein Schloss am Wörthersee“:



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