Slawenburg Raddusch: Wiederaufbau in der Niederlausitz


Die wiederaufgebaute Slawenburg Raddusch / Foto: Wikipedia / Pudelek (Marcin Szala) / CC-BY-SA-3.0
Wiedererstanden: Die runde Slawenburg Raddusch / Foto: Wikipedia / Pudelek (Marcin Szala) / CC-BY-SA-3.0

Wenn im 9./10. Jahrhundert mal wieder plündernde und mordende christliche Horden durch die Niederlausitz zogen, kannte die slawische Landbevölkerung nur ein Ziel: hinein in eine der circa 40 runden Fliehburgen. Hier war man zumindest für den Moment sicher vor den Franken.

Wie diese runden Wallgrabenanlagen ausgesehen haben, kann man sich nahe der Stadt Vetschau im Spreewald genauestens ansehen. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat dort nämlich eine solche Befestigung nachgebaut: Die Slawenburg Raddusch.



Die Anlage war aus geschichtetem Holz errichtet worden, umgeben von einem Wassergraben. Das Innere der etwa zehn Meter breiten Wände war mit Sand, Erde und Lehm verfüllt. Der Innendurchmesser betrug etwa 36 Meter.

Das Innere der Slawenburg Raddusch / Foto: Wikipedia / Olaf2 / CC-BY-SA-3.0-migrated
Das Innere der Slawenburg Raddusch / Foto: Wikipedia / Olaf2 / CC-BY-SA-3.0-migrated

Baubeginn war um 880, 925 wurde die Burg erneuert. Dabei verbreiterten die slawischen Baumeister den Wall um weitere fünf Meter, sodass die Innenfläche auf 31 und später auf 28 Meter schrumpfte. 963 eroberte der deutsche Markgraf Gero die Gebiete des Lusizi genannten slawischen Stamms.

Den Lusizi gelang es gerade noch, eine Götterfigur, den „Götzen von Raddusch“ – im Burgbrunnen zu verstecken, dann mussten sie Christen werden. Danach wurde die Burg nicht mehr benötigt und verfiel.

1000 Jahre später interessierte sich die DDR-Regierung für das Gebiet. Schließlich versprach es reiche Braunkohle-Vorkommen. Bei Probegrabungen kamen nun allerdings Spuren der Fliehburgen ans Tageslicht.

Burgwall und Wassergraben / Foto: Wikiepedia / Olaf2 / CC-BY-SA-3.0-migrated
Burgwall und Wassergraben / Foto: Wikiepedia / Olaf2 / CC-BY-SA-3.0-migrated

Nachdem die DDR-Forscher fünf slawischen Wehranlagen (Tornow, Vorberg, Schönfeld, Presenchen, Groß Lübbenau) ausgegraben hatten und die Bagger das dortige Land weggefressen hatten, rückten die Überreste der Burg Raddusch in den Fokus.

1984 begann archäologische Untersuchung, die sich bis 1989 hinzog (auch der versteckte Götze kam wieder ans Tageslicht), während die Abbruchkante des Tagebaus immer näher rückte.

Letztlich rettete die Deutsche Einheit die Slawenburg. Denn nach 1990 wurde der teure Braunkohle-Abbau stark zurückgefahren. Und es flossen Mittel zur Sanierung der strapazierte Landschaft. Aus diesem Topf finanzierte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie den Wiederaufbau der Burg: „stellvertretend für eine große Zahl unwiederbringlich durch den Braunkohletagebau verlorengegangener Kulturgüter“, wie es bei Wikipedia heißt.

Heute beherbergt die von Förderverein Slawenburg Raddusch betriebene Burg ein Cafe und ein Museum mit einer Dauerausstellung zur Archäologie in der Niederlausitz, bei der man auch die „Götzen-Statue“ sehen kann. Zurzeit (bis Ende Februar 2014) läuft eine Schau über „Sagenhafte Steinkreuze“.

Homepage der Slawenburg Raddusch

Mehr zum Thema hier im Blog: „Dachs findet slawische Fürstengräber bei Burg Stolpe

Im Sommer 2013 war die Slawenburg übrigens Ort des Open-Air-Events „Chateau Click Clack„. 2014 soll eine Neuauflage folgen. Hier ein Video zum Auftritt von Fritz Kalkbrenner:



Kommentar verfassen