Grabbeigabe für die Fürstin von der Heuneburg: Keltische Goldkugeln / Foto: Regierungspräsidium Stuttgart

Fundort Heuneburg: Der Schatz der Keltenfürstin


Ehemaliger frühkeltischer Fürstensitz auf der Heuneburg bei Herbertingen-Hundersingen, Kreis Sigmaringen / Foto: Denkmalpflege Baden-Württemberg
Ehemaliger frühkeltischer Fürstensitz auf der Heuneburg bei Herbertingen-Hundersingen, Kreis Sigmaringen / Foto: Denkmalpflege Baden-Württemberg / Foto oben: Grabbeigabe für die Fürstin: Keltische Goldkugeln / Foto: Regierungspräsidium Stuttgart

Lange bevor die Römer kamen, existierten in Süddeutschland beeindruckende Befestigungsanlagen. Die heute bekannteste und größte ist die Heuneburg: ein frühkeltischer Fürstensitz aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., gelegen auf einem Bergplateau über der Donau im Kreis Sigmaringen.

Sie war etwa 300 Meter lang und bis zu 150 Meter breit. Für die damalige Zeit ein majestätischer Anblick.


Es ist die älteste nachgewiesene frühstädtische Siedlung im Raum nördlich der Alpen: So eine Art schwäbisches Troja.

Für Archäologen erweist sich die Heuneburg als unschätzbar wertvoll. Seit 1950 wird hier systematisch gegraben – in den bislang untersuchten 15 Prozent der Siedlungsfläche gelangen schon spektakuläre Funde.

Ende 2010 stießen die Forscher in der Nähe der Burganlage auf die Grabkammer einer keltischen Fürstin. Um die in aller Ruhe untersuchen zu können, wurde das gesamte Grab als 80 Tonnen schwerer Block geborgen – der sogenannte Keltenblock – und in ein Speziallabor nach Ludwigsburg geschafft.


Zehn Kilometer vom Fundort lag die keltische Heuneburg / Foto: Wikipedia / Leporello / CC-BY-SA 3.0
Zehn Kilometer vom Fundort lag die keltische Heuneburg / Foto: Wikipedia / Leporello / CC-BY-SA 3.0

Seitdem wird das Grab Stück für Stück im Computertomographen durchleuchtet. Das Skelett der keltischen Fürstin hat man dazu in drei Teile zerteilt. Die Fürstin wurde mit märchenhaftem Luxus bestattet. Um ihren Hals und um ihre Hüfte, um ihre Hand- und Fußgelenke und an ihrer Kleidung trug sie edelsten Schmuck.

Sie muss wohl um 570 vor Christus im Alter von etwa 35 Jahren gestorben sein.

Die gesamten Funde wurden jetzt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Inzwischen wurden unter anderem mehr als 40 Goldobjekte und über 100 Bernsteinobjekte freigelegt.

Luxuriös war auch das „Zubehör“ aus ihrem Haushalt. Die Frau war offenbar eine Pferdenärrin: Unter den in den letzten Monaten freigelegten Beigaben befindet sich beispielsweise eine aufwendig verzierte Pferdemaske aus Bronze.

Eine Pferdemaske aus Bronze (Nachbildung) / Foto: Regierungspräsidium Stuttgart
Eine Pferdemaske aus Bronze (Nachbildung) / Foto: Regierungspräsidium Stuttgart

Die Gold-, aber auch die umfangreichen Bernsteinbeigaben des Grabes, zeichnen sich nach Ansicht der Archäöologen durch ihre außergewöhnlich hohe kunsthandwerkliche Qualität aus und lassen auf intensive Kontakte der frühkeltischen Elite zu den Etruskern Mittelitaliens schließen. Einmalig ist auch die Erhaltung von organischen Materialien, aus Holz, Fell oder Textil.

Rätsel gibt auch noch der Fund eines zweiten Skeletts auf, das sich in einer Ecke der Grabkammer fand und im Unterschied zur Keltenfürstin nur ärmlich ausgestattet worden ist. Es könnte sich um eine Dienerin gehandelt haben.

Die bisherigen Ausgrabungsbefunde lassen keinen Zweifel daran, dass sich hier zwischen 620 und 480 v. Chr. eines der bedeutendsten Siedlungs-, Wirtschafts- und Machtzentren der älteren Eisenzeit, ein so genannter frühkeltischer Fürstensitz, befand.

Dieser unterhielt weit reichende Beziehungen bis nach Etrurien und zu den griechischen Kolonien in Italien. Heute gilt die Heuneburg sogar – die Iren werden es ungern hören – als einer der Entstehungsorte der keltischen Kunst und Kultur.

Die Heuneburg im 6. Jahrhundert v.Chr. / Foto: LepoRello (Wikipedia) / CC-BY-SA-3.0
Die Heuneburg im 6. Jahrhundert v.Chr. / Foto: LepoRello (Wikipedia) / CC-BY-SA-3.0

Wie es zur Zeit der Fürstin hier aussah, kann man im Freilichtmuseum Heuneburg studieren. In erster Linie dürfte es recht eng zugegangen sein: Auf hundert Hektar wohnten wohl bis zu 5000 Menschen.

Die Heuneburg-Siedlung war in der Antike offenbar weithin bekannt: Herodot schrieb im 5. Jahrhundert vor Christus von einer Stadt namens Pyrene, die an der Donau im „Land der Kelten“ liege. Damit bezog er sich vermutlich die Heuneburg. Etwa 470 vor Christus wurde die Siedlung durch einen Brand zerstört und nie wieder aufgebaut.

Im Januar 2015 sorgte nur zehn Kilometer von der Heuneburg entfernt der Fund einer keltischen Befestigung aus monumentalen Mauern und einer Opferstätte mit Skelettresten aus der Zeit um 600 v. Chr. für Schlagzeilen.

Weitere Informationen und Fotos zum Schatzfund an der Heuneburg unter www.keltenblock.de

Hintergrund dieses Artikels ist eine Pressemeldung der Denkmalpflege Baden-Württemberg: „Landesarchäologie präsentiert eine spektakuläre Gesamtschau der Funde im Fürstinnengrab von Bettelbühl“

Doku „Das Gold der Keltenfürstin“:

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